Die neue Kraft der Medien

Leitartikel von Marlene Auer, Chefredakteurin.

Es ist noch nicht lange her, da war die Aufregung groß. Als Verlage begannen, Nachrichten online zu verbreiten, verkündeten manche den nahen Tod der Zeitung. Tatsache ist: Print lebt nach wie vor – und gerade im Magazinwesen zeigen sich konstante positive Veränderungen, alleine 2016 sind im deutschsprachigen Raum mehr als 25 neue Titel hinzugekommen. Als Streaming und On-Demand an Fahrt aufnahmen, wurde der „Überlebenskampf“ des klassischen Fernsehens dramatisiert.

Fakt ist: TV steigt weiter und integriert zunehmend die Möglichkeiten von Online, eröffnet damit neue Wachstumsfelder. Und als die Social-Web-Plattformen massenhaft Userzustrom fanden, wurden die traditionellen Medien in ihrer Gesamtheit in Frage gestellt. Sie müssen sich neuerdings dafür rechtfertigen, keine „Lügenpresse“ zu sein.

Fakt ist: Auch diese Phase wird vorübergehen. Die Trump-kritische New York Times verbucht einen großen Zuwachs an Abonnenten und Lesern, internationale Medien appellieren in einem offenen Brief an den US-Präsidenten, von seinen Angriffen auf die Medien abzulassen. Mehr als 40 Manager von Medienkonzernen und Verbänden – darunter auch der österreichische VÖZ – beteiligten sich an dem Schreiben. Das geht an den Lesern nicht vorbei. Das ist auch gut so.

Die Sensibilität der Medienkonsumenten steigt spürbar. Sie lernen in Zeiten wie diesen mehr denn je zu schätzen, was Journalismus kann und bietet: Einordnung, Analyse, Hintergrundwissen. Die Rolle von Redaktionen hat sich verändert, ebenso wie der neue „Mitbewerb“. Blogger und Influencer eroberten das Internet, ihre Beiträge vermischen sich mit jenen von Journalisten. Die Konsumenten konnten die Informationen damit nicht immer richtig einordnen. Jetzt aber wächst das Bewusstsein.

Reine Blogger sind keine Journalisten und nicht alles, was in den sozialen Netzwerken gemeldet wird, entspricht den Tatsachen. Damit kristallisiert sich die Qualität klassischer Medien heraus. Sie setzen nun auf ihre eigentliche Kraft: den Journalismus und die Marke. Künftig werden Leser noch stärker darauf vertrauen und lernen, Quellen besser einzuschätzen. Trotzdem – oder gerade deshalb – ist es notwendig, dass Werbung in Advertorial-Form noch klarer gekennzeichnet wird.

Native Ads oder Sponsored Posts sind nichts Böses, solange sie nicht als Redaktion getarnt werden. Und Verlagen bietet sich eine neue Chance, sich ihrer Kernkompetenz zu besinnen: des klassischen Journalismus.

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