Die Folgen des ATV-Verkaufs

Leitartikel von Marlene Auer, Chefredakteurin.

Was hinter den Kulissen diskutiert wurde, ist nun offiziell: Die ProSiebenSat.1-Gruppe greift nach ATV, dessen Eigentümer Herbert Kloiber wird im Handelsblatt zitiert: „Der Verkauf ist im Zielkorridor. Es gibt nur kleine Hürden zu überwinden.“ Damit meint er wohl die Zustimmung der BWB.

Sollte es zu keinen Überraschungen kommen – was unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen ist – so wird der österreichische Privatsender von der deutschen ProSiebenSat.1-Gruppe übernommen. Für die Medienszene bedeutet das: Österreich hätte dann eine noch deutlichere TV-Landschaft mit zwei großen Playern – einem öffentlich-rechtlichen und einem privaten. Der ORF wird sich wappnen müssen, denn sein Gegenüber hätte mit ATV noch mehr Sendezeit, um Inventar auszuspielen.

Selbst mediengattungsübergreifend verändern sich die Rahmenbedingungen: Manche Verleger haben Bedenken, dass sich die Spendings noch weiter und schneller Richtung Bewegtbild verschieben könnten und Print der Verlierer ist. Hinzu kommt: Buchungen werden vermehrt für den D-A-CH-Raum geschalten, Österreich läuft Gefahr, kein eigenständiger Werbemarkt mehr zu sein.

Dabei ist Medienkonzentration in Österreich nichts Neues: Ein Magazingigant, ein Printgigant und dominante Platzhirschen in den Bundesländern. Im Fernsehbereich soll ServusTV nur dank kräftiger Zuschüsse seitens des Mutterunternehmens überleben, heißt es. Vereinzelt halten sich regionale Sender.

Die deutsche ProSiebenSat.1-Gruppe zeigt, wie man sich auf Total Video der Zukunft vorbereitet: Neben klassischen Sendern gibt es Onlineportale, Gaming-Units, ein breites On-Demand-Angebot und vielleicht schon bald eine noch intensivere Kooperation mit Amazon.

Wir erinnern uns: Das Unternehmen wird in Österreich schon seit dem Vorjahr von ProSiebenSat.1-PULS 4 vermarktet. Es könnte womöglich die Vorbereitung auf eine inhaltliche Programmverzahnung gewesen sein. Dem ORF wird die Entwicklung mit ATV kaum gefallen. Am Küniglberg muss gespart werden, sämtliche Investitionen stehen erneut auf dem Rechnungs-Prüfstand. Nicht zuletzt deshalb wird die Debatte um die Gebühren und den öffentlich-rechtlichen Auftrag nun wieder neuen Spin erhalten. Und damit die Diskussion um eine neue Medienabgabe. 

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