Die bunte Fernsehfahrt von Red Bull

Leitartikel von Marlene Auer, Chefredakteurin.

Ist das planloses Management oder planreiche PR? In Deutschland wird ServusTV doch nicht eingestellt – wegen der positiven Resonanz des Publikums.

Zur Erinnerung: Auch in Österreich wollte der Sender dicht machen, in diesem Fall wegen der Planung eines Betriebsrats. Nachdem das abgesagt wurde, machte man doch weiter. Diese Hopp-oder-tropp Aktionen bräuchte der Konzern gar nicht. Im Imperium rund um die Dose läuft es rund – 2015 wurde mit Rekordgewinn abgeschlossen.

Weniger rund, sondern zunehmend unruhig läuft es im Red Bull Media House: Das Projekt Global TV verzögert sich nach mehrmaligem Verschieben weiter, der Printverlag hat kürzlich das Seitenblicke Magazin eingestellt, das Blatt #Ich steht weiter zur Disposition.

Große Auflage erzielt hingegen das Supplement The Red Bulletin, ursprünglich als Formel-1-Zeitschrift konzipiert, das in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Südafrika bis hin zu Großbritannien und den USA erscheint. Knapp 1,5 Milliarden Euro hat Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz binnen sechs Jahren in seine Medien investiert, die Gesamterlöse 2015 beliefen sich hingegen auf im Vergleich dazu magere 61 Millionen Euro.

Alleine in diesem einen Jahr wurden 395 Millionen als „übrige Erlöse“ verbucht – de facto werden das wohl Zuschüsse aus dem Mutterkonzern sein. Offiziell will das aber niemand bestätigen. Jetzt geht es also weiter mit ServusTV in Deutschland und Österreich. Gut so – nicht nur wegen des Inhalts, der teils öffentlich-rechtlichen Ansprüchen genügt, sondern auch wegen der Medienvielfalt und der Arbeitsplätze.

Doch wie geht es mit Global TV weiter? Diese Fernsehvision ist noch nicht aufgegangen, womöglich weil das Konzept in Zeiten der rasanten digitalen Veränderung schon wieder überholt wurde. Was vor Jahren akribisch geplant wurde, ist bereits Realität: Netflix und Amazon erobern mit ihrer Streamingidee den Planeten, und der ProSiebenSat.1-Konzern wandelt sich zu einem Multichannel-Total-Video-Unternehmen.

 Die Welt der Dose ist dagegen ein Dorf. Wenn sich Global TV nur „um die Dose dreht“, ist es immanent im Konzern und dessen Marketingmaßnahmen verhaftet. Hinzu kommt, dass der Versuch, Sport-TV-Rechte in großem Ausmaß zu halten, gescheitert ist – das hätte Reichweite gebracht. Und Markt (sowie Geld) braucht man für ein qualitatives Programm, wie Red Bull es produziert. Das Medienbusiness scheint in Zeiten wie diesen komplexer zu sein als gedacht, auch für einen Mega-Konzern wie diesen.

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