Der Faktor Mensch

Genießen wir die neue digitale Welt. Vergessen wir dabei aber nicht auf uns selbst.

Dieser Leitartikel ist zuerst in Ausgabe 2/2017 des Digital-Magazins „Update“ erschienen. Sie können Update unter diesem Link im HUB-Abo bestellen.

Bald könnte es Realität sein: Technologien übersetzen Gedanken in Schrift oder Sprache, verändern den Gemütszustand, indem sie per Elektroden Gehirnregionen aktivieren oder permanent die Blutwerte messen und Abweichungen melden. Auch die Wirtschaft wird sich verändern – per Blockchain werden Geschäftsbereiche disruptiert und neue erschaffen, Fintechs erfinden die Bankenwelt neu. In der Werbebranche wird bereits damit experimentiert, Botschaften wetterabhängig auszuspielen. Dazu werden passende Lieder gespielt oder Produkte beworben. Die Technik steuert uns zunehmend, oft ohne dass wir es merken.

Was bedeutet das für den Menschen? Werden wir künftig nicht mehr telefonieren, sondern uns per Telepathie unterhalten? Was geschieht, wenn alles über uns und in uns aufgezeichnet und analysiert wird? Wird künftig noch an der Börse gehandelt oder ist Bitcoin die neue Währung? Gibt es Chips, die neue Fähigkeiten in sich tragen und im Körper implementiert werden? Wo bleibt die eigene Identität?

In der Coverstory dieser Ausgabe haben wir die Spitzenmanagerinnen großer IT-Konzerne zur Diskussion gebeten. Wir sprachen über neue Technologien und ihre Auswirkungen – aber auch über den Faktor Mensch. Es geht darum, Vertrauen zu schaffen, damit digitale Tools unser Leben einfacher – und vielleicht besser – machen können. Darum, den Fokus wieder auf das eigene Ich zu lenken, anstatt nur auf datengetriebene Algorithmen zu schielen.

Es wird künftig entscheidend sein, wie weit wir die neuen Techniken zulassen. Ob wir mündig genug sind, uns gegen Formen zu wehren, die uns die Eigenständigkeit abnehmen. Und ob wir bei allem Drang zum Komfort bereit sind, uns damit offen auseinanderzusetzen. Konzerne werden uns mit großem Kommunikationsaufwand das Für und Wider erklären. Politik wird gefordert sein, die Wünsche der Menschen in entsprechende Regeln zu gießen.

Kürzlich erst erwähnte WirtschaftsWoche-Herausgeberin und Dozentin der Universität St. Gallen Miriam Meckel in einem Vortrag über die digitale Entwicklung folgende Sätze: „Wir sollten das tun, was wir jetzt schon können: denken. Und entscheiden, was wir wollen – und was wir nicht wollen.“

Das ist zu unterstreichen. Genießen wir die neue digitale Welt – vergessen wir dabei aber nicht auf uns selbst.

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