Datenschutz: „Die Kirche im Dorf lassen“

Die im Mai kommende DSGVO wirft ihre Schatten voraus - doch was ist Panikmache und was ist wirklich zu beachten? Diesen Fragen widmete sich ein Frühstück im Forum Mozartplatz.

Schon in wenigen Monaten ist sie da, die Datenschutzgrundverordnung. Diesem dringlichen Thema widmete die Kreativwirtschaft Forum Mozartplatz ihr traditionelles Frühstück. Obfrau Birgit Kraft-Kinz eröffnete die Veranstaltung, der über 60 Teilnehmer bei Kaffee und Kipferl nicht nur lauschten, sondern im Laufe des Vormittags dann lebhaft mitdiskutierten. Moderatorin Bettina Pepek (Geschäftsführerin Agentur kommunikationsraum) diskutierte mit Katharina Bisset (Gheneff - Rami - Sommer Rechtsanwälte OG), die als Datenschutzexpertin für die Umsetzung der DSGVO in Unternehmen zuständig ist, sowie Datenschutz-Expertin Ursula Illibauer (WKO Bundessparte Information und Consulting), die sich bereits seit 2010 mit der Thematik befasst und mit dem Kommunikationschef von Microsoft Austria, Thomas Lutz.

Thomas Lutz wagte zu Beginn einen optimistischen Vorstoß: „Alles hat zwei Seiten. Einerseits wird die Verordnung derzeit noch als Schreckgespenst angesehen, andererseits ergeben sich dadurch viele Chancen für die Wirtschaft. Die Unternehmer müssen weg von der Angst, verklagt zu werden. Allein durch modernes Marketing ergeben sich viele neue Chancen, die genutzt werden sollten.“ Schon heute ist es in Österreich verboten, personenbezogene Daten ohne Zustimmung der betreffenden Personen zu speichern. Ursula Illibauer betonte: „Österreich hat seit jeher sehr strenge Regeln in Bezug auf Datenschutz. Wer sich bis dato an die Regeln gehalten hat, braucht sich keine Sorgen zu machen. Es ist jedoch sinnvoll, sich trotzdem zeitgerecht zu informieren und den eigenen Betrieb datenschutzfit zu machen.“ Sie riet zu einem positiven Umgang mit der Verordnung, die alle Unternehmen in Österreich betreffen wird. Personenbezogene Daten wären etwa Name, Adresse, Telefonnummer, Fotos, Stimmaufnahmen, Fingerabdrücke, politische Einstellung, IP Adresse, genetische sowie gesundheitliche Daten etc. Ein Betriebsrat habe schon derzeit die Möglichkeit, Einsicht in den Umgang mit den Daten der Angestellten zu nehmen.

Jedes Unternehmen muss ab Ende Mai 2018 ein Datendokumentationsverzeichnis führen, in dem appliziert werden muss, welche Daten von wem wohin übermittelt werden etc. Der Strafrahmen bei Vergehen wurde deutlich erhöht und die Betroffenenrechte ausgeweitet. Die prüfende Datenschutzbehörde kann jedoch auch mit Empfehlungen arbeiten statt sofort zu strafen. Thomas Lutz: „Transparenz ist in diesem Themenbereich wichtig, es geht darum, den gläsernen Menschen zu verhindern und dafür zu sorgen, dass empfindliche Daten ausreichend gesichert werden.“ 

Ursula Illibauer führte live durch die Homepage der WKO und erklärte, wo sich die Anwesenden bestmöglich informieren können. Grundsätzlich sollte in Zukunft in jedem Geschäftsgespräch über den Umgang mit Daten gesprochen werden, um böse Überraschungen auszuschließen. Alle aus dem Ausland agierenden wirtschaftlichen Teilnehmer müssen sich ebenfalls an die Verordnung der EU halten. Doch bei aller Aufregung riet Illibauer zum Abschluss dazu, „die Kirche im Dorf zu lassen“.

[Red.]

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