Das Match um die TV-Rechte

Leitartikel von Marlene Auer, Chefredakteurin.

Bevor in Frankreich die Fußball-EM beginnt, wird es noch einmal in anderer Sache spannend: beim Match der Medien um die Übertragungsrechte der deutschen Bundesliga. In England hat Sky die Rekordsumme von umgerechnet etwa 5,5 Milliarden Euro für fünf von sieben TV-Paketen der Premiere League bezahlt. Dieser Tage wird in Deutschland gepokert. Das Bundeskartellamt gab der Deutschen Fußball Liga (DFL) grünes Licht für das neue Vermarktungsmodell: Erstmals gilt die Regel „No Single Buyer“, die Rechte der Livespiele können also nicht mehr von einem Sender exklusiv gekauft werden. Das behagt dem bisherigen Rechtemonopolisten Sky gar nicht, der durch die Fußballspiel-Übertragungen viele neue Abonnenten gewinnen konnte. Kein Wunder: Fußball ist neben den Olympischen Spielen das meist frequentierte TV-Event.

Das wird sich bei der EM in Frankreich wieder zeigen, so viele Länder haben noch nie teilgenommen. Rekordquoten im TV sind vorausgesagt. Für Österreich hat der ORF die Übertragungsrechte gekauft und Sublizenzen an ATV vergeben, für die Gesamtkosten (Rechte- und Produktionskosten) sind im ORF-Finanzplan 2016 nach letztem Stand 16,7 Millionen Euro budgetiert. Das Geld ist gut investiert. Es ist legitim, dass die Spiele großteils auf den öffentlich-rechtlichen Sendern ausgestrahlt werden. Für die heimische Bundesliga und Erste Liga ist die Rechteverteilung allerdings anders: Sky hat die Liveübertragungsrechte bis zur Saison 2017/18 gesichert. An einer Neuausschreibung werde man sich wieder beteiligen, hieß es zuletzt.

Zuerst aber muss sich Sky wohl auf das Bundesliga-Monopoly in Deutschland konzentrieren. Die Schlacht wird hart, es geht um viele Millionen Euro. RTL hat soeben die Rechte an den künftigen Quali-Spielen der deutschen Nationalelf erworben und schielt nun wohl auch auf die DFL. Ebenso interessiert ist die Deutsche Telekom – vorrangig wohl an den primären Digitalrechten. Auch andere Bieter könnten sich beteiligen, wie Amazon. Der Datenstaubsauger weiß: Masse und Quote, Bekanntheit und Beliebtheit gehen über Fußball – oder Support. Möglicherweise werden sich Bieterallianzen ergeben, nichts ist ausgeschlossen. Fix ist nur: Die endgültige Entscheidung über die Vergabe soll am 9. Juni fallen, bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der DFL.

Und fix ist auch: Fußball ist nur wertig, wenn die Qualität stimmt. Damit steigen der Value und das Interesse der TV-Sender an den Übertragungsrechten – und damit wiederum der Preiswettbewerb. Schön zu sehen, wie Österreichs Nationalelf eine solche Wertsteigerung lukriert.

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