Auf den Zeitpunkt kommt es an

Leitartikel von Marlene Auer, Chefredakteurin.

Es soll sie noch geben, die Skeptiker, die meinen, das Ende der E-Mail naht. Die Flut der elektronischen Post überfordere die Menschen. Große Konzerne ersetzen E-Mails durch interne soziale Netzwerke, zudem wandten sich Teenager davon ab. Die Mailnutzung sank. Heute sehen wir: Die Nutzung steigt wieder. Jeden Tag werden geschätzte 270 Milliarden E-Mails versendet und empfangen.

Laut Technologie-Marktforschungsunternehmen The Radicati Group sollen es im Jahr 2021 bereits rund 320 Milliarden sein. Wie kommt es zu dieser Wende?

Es könnte die Vielzahl der in den vergangenen Jahren entstandenen Messenger-Dienste sein, die das Kommunizieren zunehmend komplizierter statt leichter machen. Nicht jeder nutzt jeden Dienst gleich stark und das Versenden von großen Dateien stößt an Kapazitätsgrenzen.

Andererseits fallen in das nun zunehmende steigende E-Mail-Aufkommen auch automatisierte E-Mails wie Bestellbestätigungen aus dem aufstrebenden Bereich des E-Commerce oder das Erhalten von Newslettern.Mit letzteren versorgen Medienhäuser ihre Leser mit zielgenauerem Content. Auch wir vom HORIZONT zählen dazu. Zusätzlich zum Abendnewsletter gibt es seit einem Jahr auch den Frühnewsletter mit den Themen des Tages für die Branche.

Wie wichtig das richtige Timing beim Versand eines Newsletters ist, bestätigt eine Erhebung von Mailworx. Mehr als eine Milliarde E-Mail-Kampagnen wurden herangezogen und in B2B- und B2C-Zielgruppen gesplittet. Die Unterschiede sind erheblich: Während im B2B-Segment am Wochentag Dienstag die meisten Aussendungen versendet werden, sind am Mittwoch die Öffnungs- und Klickraten am höchsten. Im B2C-Segment verlagert sich der Newsletter-Versand am stärksten auf den Samstag – und funktioniert dort auch am besten.

Auch bei Tageszeiten gibt es je nach Zielgruppe große Unterschiede. Diese allerdings muss jedes Medium für sich selbst filtern. Ein allgemeines Rezept gibt es hierfür nicht. Diese neue zusätzliche Nutzung der persönlichen Mailbox hat auch positive Effekte aufs Werbegeschäft, denn Werbung ist dort, wo die Menschen sind. Bietet der Newsletter dem Leser Mehrwert und Qualität, avanciert er vom „Nice-to-have“ zum „Must-have“ – und damit zu einem wertvollen Kanal für Werbetreibende.

So könnte sich die gute, alte E-Mail zum neuen, zusätzlichen Erlöszweig für Medienhäuser entwickeln. Spätestens dann sollten professionelle Skeptiker nicht mehr von ihrem Untergang sprechen.

[]

Kommentare

0 Postings

Keine Kommentare gefunden!

Diskutieren Sie mit

Neuen Kommentar schreiben

* Pflichtfelder
Netiquette auf HORIZONT online