„Zeit Online“ wird Paywall bekommen

Zeit-Verlag-Geschäftsführer Rainer Esser kündigt im HORIZONT-Interview an, in den nächsten zwölf Monaten eine Bezahlschranke einzuführen

Bislang hat man sich bei Zeit Online immer sehr zurückhaltend in Bezug auf zahlungspflichtige Online-Inhalte gegeben, nun ist es aber fix. Wie Rainer Esser, Geschäftsführer des Zeit Verlag zu HORIZONT online in einem Interview sagte, wird es in absehbarer Zeit eine Bezahlschranke auf der Webseite geben. „Das Freemium-Modell oder das Metered Modell, eines der beiden werden wir bei Zeit Online mit Sicherheit in den nächsten zwölf Monaten einführen. Das wird eine zusätzliche Einnahmequelle sein“, sagt Esser.

„Freemium ist keine Goldmine“


Derzeit seien bei Zeit Online die wichtigste Einnahmequelle die Werbeerlöse, allerdings müsse man künftig so viele Einnahmequellen wie möglich aufmachen, so Esser. „Ich hoffe, dass wir auch in absehbarer Zeit zusätzliche Transaktions-Erlöse über den Onlineshop hinaus gewinnen werden“, sagt der Zeit-Verlag-Geschäftsführer. „Es gibt nicht das Entweder oder, es ist ein Sowohl als auch. Wir müssen schauen, dass wir so viele Geldquellen wie möglich aufmachen. Freemium ist eine von denen, aber es ist nicht die Goldmine.“

Content hinter der Bezahlschranke

Welche Inhalte bei Zeit Online hinter die Paywall geräumt werden sollen, ist derzeit noch nicht klar. Möglich ist, dass etwa exklusive Interviews wie jenes mit Angela Merkel oder Uli Hoeneß, die bis dato lediglich online angekündigt werden und in vollem Umfang nur in der Print-Ausgabe „Die Zeit“ zu kaufen sind, dann im Web gegen Gebühr verfügbar sind.

Außerdem wurde auf Zeit.de am Dienstag auch mit „Am Berg der Fahrrad-Verrückten“ ein spannendes Projekt in Sachen neuartiger Aufbereitung von Artikeln vorgestellt: Im Stile von „Snow Fall“ der New York Times werden künftig große Storys Magazin-artig in schönem Design und vielen multimedialen bzw. interaktiven Inhalten auf einer eigenen Webseite aufbereitet. Die Umsetzung beschäftigte ein Dutzend Redakteure teilweise wochenlang, was dementsprechend teuer ist. Möglich ist, dass Zeit Online mit solch aufwendigen Inhalten Leser im Netz zum Zahlen bewegen will.

Trend zur deutschen Paywall


Mit dem Schwenk hin zur Paywall ist Zeit Online im deutschsprachigen Raum bei weitem nicht alleine. Bild.de des Springer-Verlags versucht sich seit einigen Wochen am Freemium-Modell, Taz.de hat seine „Paywahl“, bei der Nutzer auf freiwilliger Basis zahlen, und Welt.de fährt mit dem so genannten „Metered Model“, bei dem der Nutzer erst nach einer bestimmten Zahl an freien Artikeln zahlen muss. Vorbild vieler Verlage ist die Online-Ausgabe der „New York Times“, Nytimes.com, die viele Digital-Abonnenten gewinnen konnte und große Teile seiner Einnahmen aus dem Bereich bezieht. In Österreich etwa plant Kurier.at, ebenfalls auf Paid Content zusetzen.

In der HORIZONT-Ausgabe 27-29, die am Freitag, den 19. Juli erscheint, lesen Sie das komplette Interview mit Rainer Esser über seine Finanzierungsstrategien von qualitativem Online-Journalismus.

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