Wolfgang Fellner zur Media-Analyse: „Ich fordere Kontrollfragen“

Österreich-Gründer Wolfgang Fellner fühlt sich benachteiligt und fordert das separate Ausweisen der Print- und Onlinenutzung. Sonst müsse er Konsequenzen ziehen.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr.42 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Horizont: Die aktuelle Media-Analyse weist ein signifikantes Minus für Österreich aus. Woher kommt das?

Wolfgang Fellner: Das kommt ausschließlich daher, dass die Media-Analyse bei jenen Titeln, die ein gleichlautendes Internetportal haben, die Print- und die Onlineleser nicht sauber trennt, sondern sie manipulativ vermischt und damit jene Zeitungen, die online eine andere Marke haben – wie wir mit oe24 – krass benachteiligt sind. Wir und auch viele Werber fordern seit Jahren, dass in die Media-Analyse eine explizite Frage aufgenommen werden muss, ob die Zeitung als Printprodukt konsumiert wurde – oder ob das Onlineportal genutzt wurde. In Zeiten steigender Onlinenutzung werden deshalb jene Titel, die kein gleichlautendes Onlineportal haben, immer krasser benachteiligt, während Zeitungen mit gleichlautendem Onlineportal – wie Heute, Krone oder Standard – ganz klar bevorzugt werden. Der Standard etwa hat laut ÖAK im MA-Zeitraum 2,5 % Auflage verloren, laut MA aber 0,6 % Reichweite dazu gewonnen. Das führt zu der absurden Situation, dass der Standard in nur einem Jahr einen Leser pro Exemplar mehr verzeichnen kann. Das glaubt doch kein Mensch.

Abseits der Messmethode: Könnte ein anderer Aspekt Grund für das Minus sein?

Nein. Wir haben nichts verändert, auch nicht im Vertrieb. Im Gegenteil: Wir verbuchen – laut offizieller ÖAK-Prüfung – steigende Verkaufszahlen, sowohl im Abo als auch im Einzelverkauf. Dazu auch eine steigende Auflage bei der Gratiszeitung. Wir sind in der Auflagenkontrolle die großen Gewinner. Trotzdem weist die Media-Analyse weniger Reichweite aus. Ich fordere deshalb dringend Kontrollfragen in der Erhebung was Print- und Onlinenutzung betrifft – diese beiden Bereiche müssen separat ausgewiesen werden. Würde die Reichweite von oe24 dem Titel Österreich hinzugerechnet werden, würden wir nicht im Minus, sondern klar im Plus sein, weil wir ja bekanntlich die Nummer eins aller Printverlage mit dem stärksten Wachstum Online sind. Nur haben wir leider zwei verschiedene Marken – und das benachteiligt uns bei der Media-Analyse derzeit massiv. Das ist so, wie wenn Sie die Tour de France nüchtern fahren – und ein Teil des Feldes ist schwerstens gedopt.

Welche Maßnahmen setzen Sie, um die Reichweite zu steigern?

Wenn die Media-Analyse nicht bereit ist, die Print- und Onlinenutzung endlich sauber zu trennen und getrennt auszuweisen, werden wir Konsequenzen ziehen müssen.

Welche wären das?

Entweder wir treten aus – oder wir machen eine gute Miene zum bösen Spiel und benennen so wie andere Teilnehmer, die dasselbe Problem hatten, eine der beiden Marken um. In der Media-Analyse hat man mit einer Zwei-Marken-Strategie derzeit keine Chance mehr – also muss man entweder auf eine Ein-Marken-Linie umstellen oder austreten.

Der Verein Media-Analysen hat Sie kürzlich verwarnt. Sie würden die MA herabwürdigen. Ihre Reaktion?

Ich nehme das zur Kenntnis, aber Kritik wird man ja hoffentlich noch üben können. Bei uns in Österreich darf man üblicherweise Kritik üben – an Politikern, sogar am Teamtrainer, nur an der MA nicht? Wir sind ja hoffentlich noch nicht in Nordkorea.

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