Wo bleibt der Aufschrei?

Warum ein genaueres Hinsehen bei der geplanten ePrivacy-Verordnung der Europäischen Union gerade jetzt wichtig ist.

Dieser Leitartikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 47 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Im Schatten der Datenschutz-Grundverordnung wird derzeit an der ePrivacy-Verordnung gebastelt. Kürzlich wurde sie in ihrer derzeit bestehenden scharfen Fassung im EU-Parlament genehmigt, nun kommt es zu Trilog-Verhandlungen zwischen Rat, Europäischem Parlament und Europäischer Kommission. Die Regulierung ist im Sinne eines besseren Datenschutzes der Bürger und daher ein guter Gedanke. Doch die bestehende Variante zeichnet ein düsteres Bild für die Branche. 

So dürften laut Entwurf Webseitenbetreiber nur noch mit expliziter Erlaubnis des Users Cookies einsetzen. In der Digitalwirtschaft werden massive Nachteile befürchtet, gar von einem Ende des werbefinanzierten Internets ist die Rede. Es fällt der Begriff „Fußfessel“ für den medialen Wachstumsmarkt. Ausnahmen bei der Cookie-Regelung sollen nur greifen, wenn es sich um einen gewollten Dienst, wie etwa einem Warenkorb-Cookie oder die Analyse des eigenen Webtraffics, handelt. Damit wären Websitebetreiber künftig selbst für die Messung der Reichweiten zuständig, für die ÖWA dürfte die Aufgabe deutlich schwerer werden. Und dann ist auch noch ein Koppelungsverbot vorgesehen. Die Datenfreigabe des Users darf demnach keine Bedingung für die Gratisnutzung einer Seite sein. Auch jene, die programmatische Werbung ablehnen, erhalten Zugriff auf die Inhalte. Nehmen, aber nicht geben? Werbefinanzierten Angeboten würde so der finanzielle Boden entzogen, viele Angebote würden wohl hinter die Paywall rücken – oder aufgeben müssen. Die Bereitschaft für Paid Content wächst zwar, allerdings noch auf geringem Niveau. Und die Werbebranche fürchtet um Werbeflächen, über die Zielgruppen erreicht werden.

Es geht dringender denn je darum, einen Weg zu finden, mit dem beide Seiten – Konsumentenschützer und Medienanbieter – leben können. Schon bevor die aktuelle Fassung den Ausschuss des EU-Parlaments passierte, gab es international einen Aufschrei von Verbänden, Vermarktern und Verlagen. Ziel war, den Entwurf erst gar nicht zur Abstimmung kommen zu lassen. Geglückt ist das nicht. Umso wichtiger ist es, sich jetzt zu formieren. In Österreich positioniert sich die iab austria und spricht von einem „Damoklesschwert“, auch der DMVÖ meldet sich zu Wort. Ansonsten ist aus der Branche bislang verhältnismäßig wenig Resonanz zu hören. Das Bekennen zu einem Schulterschluss wäre notwendig, so wie es sich derzeit auch beim Thema Werbeabgabe abzeichnet. Sonst droht 2018 ein böses Erwachen – für die Branche und für die Konsumenten. 

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Kommentare

1 Postings

  • Ralph
    Kann man keine Petition irgendwie starten ?
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