'Wir denken heute schon an morgen'

Die IAA-Marketerin des Jahres heißt Michaela Huber, OMV Senior Vice President Corporate Communications & Sustainability. HORIZONT hat sie interviewt

HORIZONT: Sie sind seit 2011 Senior Vice President Corporate Communications & Sustainability bei der OMV. Wie kam es dazu?

Michaela Huber: Ich habe 2008 als Sprecherin bei der OMV begonnen. Drei Jahre danach hat unser Generaldirektor eine erfahrene Nachbesetzung für die Abteilung Corporate Communications gesucht. Ich habe damals ­gesagt: „Das trau’ ich mir zu.“ Und er mir offensichtlich auch. 2012 kam dann noch die Nachhaltigkeitsabteilung dazu.

HORIZONT: In Ihrer Funktion als Senior Vice President Corporate Communications sind Sie für Media Relations, interne Kommunikation, Event Management, Sponsoring, Brand Management, Online und Social Media, Community Relations, Social Performance und Employee Sustainability Engagement verantwortlich. Welchen Fokus haben Sie auf welchen Bereich?

Huber: Media Relations ist der aktivste und aktuellste Part unseres Business, wo man jeden Tag Entscheidungen fällen muss. Mit den beiden Pressesprechern habe ich ständig Kontakt. Der zweite Bereich, auf den ich sehr fokussiere, ist die Nachhaltigkeit. Vor drei Jahren haben wir eine neue Nachhaltigkeitsstrategie aufgebaut, die wir sukzessive als Haltung im gesamten Konzern implementieren müssen.

HORIZONT: Wie darf ich mir das denn an konkreten Beispielen vorstellen?

Huber: Wir haben die Strategie ­„Resourcefulness“ genannt, weil wir mit endlichen Ressourcen arbeiten, das aber sorgfältig und nachhaltig ­machen. Wir haben uns deshalb damals vom reinen Sponsoring verabschiedet – wir bauen nicht einfach eine Schule zum Beispiel in Pakistan und dann soll das Land damit machen, was es will. Wenn wir uns für eine Schule entscheiden, dann achten wir darauf, dass es entsprechend gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer gibt und dass genügend Mädchen zur Schule gehen können. Und es muss ein Projekt sein, das auch fortbesteht, falls wir uns aus der Gegend oder dem Land zurück­ziehen. Und grundsätzlich soll jedes ­Projekt der Gesellschaft oder der Umwelt, unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und dem Unternehmen dienlich sein.

HORIZONT: Gibt es inhaltliche Schwerpunkte?

Huber: Wir fokussieren auf drei Bereiche: Bildung/Skills to succeed, also Empowerment; Eco Innovation und Eco Efficiency.

HORIZONT: Die aktuelle Kampagne mit den Kindern hängt damit auch ­zusammen?

Huber: Die Kampagne steht im Einklang mit unserer Business-Strategie: wir kümmern uns um die Energieversorgung heute und morgen. Durch den Russland-Ukraine-Konflikt ist das aktueller denn je. Wir beschäftigen uns jetzt mit dem Morgen; wir sind aber auch ein Unternehmen, das sehr stark am geopolitischen Puls hängt. Denken Sie nur an den arabischen Frühling: Wir sind engagiert in Libyen, in Ägypten, Tunesien, dem Jemen, Pakistan. Egal, was auf der Welt passiert, wir sind meist in irgendeiner Form betroffen. So ist auch die Kampagne zu sehen, wo wir die faszinierende Welt der OMV gemeinsam mit der Energieversorgung darstellen wollen.

HORIZONT: Demner, Merlicek & Bergmann ist nach wie vor Ihre kreative ­Leadagentur, aber Sie arbeiten bei Projekten auch mit anderen zusammen, richtig?

Huber: Wir sind auf projektbezogene Zusammenarbeit umgestiegen, machen dabei einzelne Projekte mit unterschiedlichen Agenturen. Wir holen uns immer die beste Expertise für die ­bevorstehenden Aufgaben.

HORIZONT: Welche Erwartungshaltung haben Sie an ihre Agenturen?

Huber: Proaktivität ist das Wichtigste für mich. Ich will aktiv angestoßen werden; ich will herausgefordert werden und ich will nicht Meetings abhalten, in denen wir ein Konzept durchgehen, das für das nächste halbe Jahr unumstößlich und starr gilt. Die Welt ändert sich – daher wünsche ich mir nicht nur Feedback, sondern auch Kreativität und aktive Challenge.

HORIZONT: Die OMV ist in 30 Ländern aktiv, in wie vielen davon läuft diese Kampagne?

Huber: Nur in Österreich. Derzeit ­haben wir auch in Rumänien eine Kampagne für unsere Tochter, OMW Petrom, laufen. Ich bin überzeugt, dass man eine österreichische Kampagne nicht automatisch über mehrere Länder ausrollen kann. Es kommt auf die Gegebenheiten vor Ort an.

HORIZONT: Coca-Cola beweist das Gegenteil.

Huber: Coca-Cola ist eine Produktmarke, die OMV ist ein Unternehmen. Unser Geschäft funktioniert anders. Wir müssen die Stakeholder-Perspektive einnehmen und die ist von Land zu Land unterschiedlich. Deswegen kommunizieren wir von Land zu Land u­nterschiedlich.

HORIZONT: Woher bekommen Sie die Empathie zu verstehen, welche Märkte was vertragen?

Huber: Wir hören stark auf die Mitarbeiter und andere Stakeholder in den Ländern. Das macht ja den Spaß an diesem Job aus; es mit so vielen und unterschiedlichen Kulturen zu tun zu haben. Das ist nicht nur in der Werbung so, sondern auch im täglichen Umgang mit den Kollegen. Man muss sich mit der Kultur auseinandersetzen, um auch eventuellen Konflikten begegnen zu können. Man muss gar nicht bis Pakistan fahren: Auch in Norwegen unterscheidet sich die Kultur sehr von der unseren. In Pakistan werben wir gar nicht, aber da sind wir sehr, sehr stark mit Nachhaltigkeitsprojekten engagiert. Wir haben 76 Schulen neu gebaut oder renoviert; wir ­sorgen dafür, dass mehr Frauen Schulbildung bekommen. Dafür organisieren wir den Transport in den nächsten Ort, überzeugen die Dorf­ältesten, dass das sinnvoll, ist und in der Schule sorgen wir dafür, dass Lehrerinnen unterrichten.

Das Interview geht auf Seite 2 weiter:

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