Werbe-KV: Nach Abschluss heftiges Rumoren unter Arbeitgebern

Aus Sicht des ÖVP-Wirtschaftsbundes ist die Einigung im Kollektivvertrag Werbung und Marktkommunikation von gestern „ein Belastungspaket für die Wiener Werbewirtschaft“.

Unter den Arbeitgebern im Fachverband Werbung & Marktkommunikation Wien rumort es heftig. Schon während der inzwischen abgeschlossenen KV-Verhandlungen war ein Bruch zwischen Grüner Wirtschaft und Sozialdemokratischem Wirtschaftsverband (SWV) auf der einen und dem ÖVP-Wirtschaftsbund und den NEOS (UNOS) auf der anderen Seite bemerkbar. Nun greift der Wirtschaftsbund den Fachgruppenobmann offen an.

Aus Sicht des ÖVP-Wirtschaftsbundes ist die Einigung im Kollektivvertrag Werbung und Marktkommunikation von gestern „ein Belastungspaket für die Wiener Werbewirtschaft“. Zwar sei man nicht gegen die Erhöhung der Mindestgrundgehälter um 1,33 Prozent, so die zweite Obmannstellvertreterin im Fachverband vom Wirtschaftsbund, Birgit Kraft-Kinz. „Aber das hätte man auch schon im November 2016 machen können und uns wären Kosten über die Gehaltserhöhung hinaus erspart geblieben“, so Kraft-Kinz.

Kraft-Kinz kritisierte vor allem den Grünen Fachgruppenobmann Stephan Gustav Götz aber auch dessen Stellvertreter vom SWV, Konrad Maric. Obwohl Grün und Rot „keine Mehrheit“ hätten (50 zu 50 mit Wirtschaftsbund und NEOS), hätten sie der Wiener Werbewirtschaft eine Wettbewerbsschwächung eingebrockt. „Wir sind sprachlos über diesen Alleingang“, lautete die Kritik von Kraft-Kinz, dem Tag nach Abshcluss des KV für 2017, im Gespräch mit der APA.

ÖVP-Wirtschaftsbund und auch die NEOS (UNOS) würden den Werbe-KV in Wien am liebsten weiterhin aufkündigen, wie sie dies schon im Verhandlungsverlauf angedroht hatten. „Es braucht Flexibilität und Deregulierung für Unternehmen“, so Kraft-Kinz. Sie ortet einen Wettbewerbsnachteil für die Wiener Werbewirtschaft gegenüber jener in den Bundesländern - denn der KV gilt nur in Wien.

Vorwurf des „Missmanagement“

Die Unternehmerin und Wirtschaftsbund-Vertreterin sprach sogar von „Missmanagement“ ihrer grün-roten Arbeitgeber-Partner, weil die rückwirkende Erhöhung der Gehälter per 1. März dazu führe, dass alle Unternehmen „die Personal-Verrechnung aufmachen müsse und so Kosten in Höhe von 1,4 Mio. Euro entstehen - ohne der Gehaltserhöhung selbst“.

Dem grünen Obmann Götz wirft Kraft-Kinz sogar mehrere „Wortbrüche“ vor: „Einmal gegenüber Wirtschaftsbund und Unos, einmal gegenüber dem Verhandlungsteam und dann bei der Zusage von Götz, den KV aufzukündigen, als es am 10. März keine Einigung gab“. Zu den zwei ersten „Wortbrüchen“ gebe es Protokolle, zum dritten Zeugen, sagte Kraft-Kinz über den „wortbrüchigen Obmann“ Götz, gegen den man „rechtliche Schritte“ überlege. Götz hatte Kraft-Kinz nach der vergangenen Wirtschaftskammer-Wahl als Obmann abgelöst.

Wenig - eher schon keine - Hoffnung zeigte Kraft-Kinz auch, dass die geplanten Verhandlungen für einen neuen KV erfolgreich verlaufen werden. „Ich glaube nicht, dass man wirklich zu einem neuen KV kommen kann - es gibt ja nur einen Projektplan. Ich bezweifle, dass man das mit der Gewerkschaft ausmachen kann - siehe Beispiel Bildungsreform, die wissen ja nicht, worum es geht.“ Der gültige KV sei „nach 40 Jahren jedenfalls total veraltet - vergleichbar mit einem 40 Jahre alten Auto; denken Sie nur an die ganzen Veränderungen in den vergangenen Jahrzehnten“, so Kraft-Kinz.

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