Was wir von Googles Panda 4 Update erwarten müssen und was jetzt zu tun ist

Christoph C. Cemper und Thomas Rafelsberger im Interview

Mit Panda 4 steht uns ein Google Update ins Haus, dass in Sachen Content keinen Stein auf dem anderen lassen wird. Gute Zeiten für Content Marketer hört man da aus manchen Ecken. Ich wollte dem Tier auf den Zahn fühlen und habe mir daher zwei Experten zum Interview gebeten, die sich ausschließlich mit SEO beschäftigen: Christoph C. Cemper, Gründer der LinkResearchTools und des Onlinemarketingunternehmens CEMPER.COM, sowie Thomas Rafelsberger, Head of SEO bei get on top, einer Performance Marketing Agentur aus Österreich mit Fokus auf SEA & SEO und gleichzeitig Veranstalter der beiden Online Marketing Konferenzen OMX und SEOkomm in Salzburg.

 

Michael Weberberger: Meine Herren, zum Einstieg mal allgemein: was müssen wir von Panda 4 erwarten?

Thomas Rafelsberger: Von 2011 bis heute gab es über 25 offizielle Panda Updates von Google. Mit „Panda“ bezeichnet Google Änderungen am Suchalgorithmus, welche die inhaltliche Qualität der Webseiten behandelt. Wurden früher noch viele Webseiten mit schlechtem, geklauten oder sehr wenig Content in den Top 10 Ergebnissen gefunden, so arbeitet Google mit den Panda Updates ständig daran, dem User die besten Ergebnisse aufgrund deren Inhalt zu zeigen. Mit dem Panda 4 Update ist ein verhältnismäßig starkes Panda Update zu erwarten, bei dem viele Webseitenbetreiber stärkere positive oder negative Auswirkungen in der Sichtbarkeit und somit auch bei den Besuchern spüren werden. Im US Markt werden etwa 7,5% aller Suchanfragen von dem Update betroffen sein - und das ist eine ganze Menge! Inzwischen ist das Update auch in Deutschland eingespielt und zeigt dort erste Webseiten, die durch das Update verloren oder gewonnen haben.

Christoph Cemper: Panda 4 bestraft schlechten Content, schlechte Seitenstrukturen und grundsätzlich „verschlafenes Online-Marketing“. Im Gegensatz zum sehr bald erwarteten Penguin 3.0 Update, ist es aber „wenigstens“ nur auf die eigene Seite bezogen, während im viel dramatischeren Penguin Algorithmus um die (schlechten) Verlinkungen auf die eigene Webseite geht. Da muss dann relativ aufwändig genauestes analysiert werden, wo die Probleme liegen.

 

M.W.: Wer sind voraussichtlich die Gewinner, wer die Verlierer?

T.R.: Verlierer sind wie schon so oft zu vor die Seiten, die entweder minderwertigen oder zumindest minderwertig aufbereiteten Content zur Verfügung stellen. Die großen Verlierer sind Seiten wie Gutscheinportale, die mit viel aufgeblasenem Content arbeiten. Aber auch große Plattformen wie ask.com oder idealo.de. Gewinner sieht man hingegen sehr stark bei großen Informationsseiten, welche wirklich gute umfangreiche Inhalte bieten wie gesundheit.de oder medizinfo.de.

C.C.: Wenn man sich die ersten Analysen von Searchmetrics ansieht, findet man große Marken wie Ebay und idealo.de in Deutschland an der Spitze der Verliererliste. Die spielen den Einbruch von 33% Sichtbarkeit klarer Weise runter, aber das ist eher Taktik gegenüber Markt oder Shareholdern, und logisch bei fast 20% Kurseinbruch.

 

M.W.: Müssen „normale“ Marken-/ Unternehmenseiten Maßnahmen einleiten?

C.C.: Auf jeden Fall. Wer bisher nicht von den Google Updates erwischt wurde, ist entweder schon sehr gut unterwegs, oder hatte einfach Glück. Die Tatsache, dass auch viele große Online-Unternehmen wie selbst eBay erwischt wurden, und die sind mit Google wirklich aufgewachsen, zeigt ja, wie komplex das Thema ist. 

Viele Unternehmen und Online-Verantwortliche sind sich aber dem Problem des SEO-Risiko-Managements gar nicht bewusst und kennen z.B. ihr Linkprofil gar nicht. Die Nichtbehandlung dieser Themen stellt aus meiner Sicht eine grobe Pflichtverletzung jedes Verantwortlichen seines Unternehmens gegenüber dar.

Jeder der für Online-Marketing verantwortlich ist, sollte (organischen) Google-Traffic und die Bewahrung dessen auf der Agenda haben. Sich zurückzulehnen und zu sagen – die Agentur macht das schon – könnte ganz schnell so wie HugoBoss ein böses Erwachen haben. 

T.R.: Unbedingt, denn das einzige „Mittel“ gegen Panda Updates ist die kontinuierliche Verbesserung der Qualität von Informationen auf der eigenen Webseite. Das fängt beim Schreibstil an, beinhaltet die Aktualität und Aufbereitung von Informationen und hört bei der Komplexität und dem Umfang des Contents auf, den man auf seiner eigenen Webseite anbietet.

 

M.W.: Das heißt aber, wenn man es richtig anstellt, kann man von Panda 4 profitieren. Wie?

C.C.: In erster Linie dann, wenn man im eigenen Unternehmen – ob selbstverantwortlich oder über die Agentur verantwortlich schon seit langem das richtige Bewusstsein für die Wertschöpfung der Webkanäle hat.

In zweiter Linie dadurch, dass dies eben in SEHR vielen Unternehmen noch gar nicht so ist, und diese von Panda 4 oder dem nächsten Penguin 3.0 abgestraft werden.

Ich habe in den letzten Tagen viele Jubelnachrichten gehört, von Leuten die dadurch weiter nach vorne in Google gekommen sind, weil ein Konkurrent abgestraft worden ist.

T.R.: Anders gesagt: Webseiten, welche bereits sehr gute Inhalte bieten, aber bisher dennoch hinter „schlechteren“ Seiten in Google positioniert waren, könnten von diesem Update profitieren. Hat man noch keine guten Inhalte, so ist es nun an der Zeit, diese anzubieten.

 

M.W.: Und für die anderen: Was tun, wenn das Ranking jetzt plötzlich einbricht?

C.C.: Sofort Rat bei einem Experten holen. Agenturen die „SEO auch machen“, oder „SEO über Partner lösen“ sind dafür verantwortlich, dass nichts oder zu wenig passiert ist.

Hier ist ein externer Prüfer sehr hilfreich und muss durch viele Tools und Spezialwissen die Sünden der Vergangenheit erstmal entdecken – die Aufräumarbeiten könnten aber Monate kosten. In besonders tragischen Fällen waren Webseiten dann für 2 Jahre in Google abgestraft.

Ein Expertennetzwerk wie die „Certified LRT Professionals“ aus aller Welt, die speziell für Link-Themen Audits anbieten ist aus meiner Sicht einmalig und viele der Experten sind auch im Bereich Panda-Abstrafungen sehr erfahren.

 Der Kunde, der in der alten Traumwelt lebt, dass SEO auch billig geht, oder eben nur der Preis entscheidet, ist aber der wahre Verantwortliche. Wer billig kauft, kauft teuer – das beweist Google regelmäßig mit seinen Qualitätsupdates.

T.R.: Und generell muss man natürlich sagen, dass man bei Rankingeinbrüchen immer die Webseite als Ganzes betrachten sollte. Das heisst, wenn es aktuell Rankingeinbrüche gibt, muss nicht zwingend das Panda 4 Update daran schuld sein. Analysieren Sie genau: Gab es in letzter Zeit größere Änderungen an der Webseite? Sind diese möglicherweise Schuld an den Verschlechterungen? Oder fällt Ihre Webseite in das Schema der Panda Updates - bieten Sie lediglich oberflächliche, seichte oder schlecht aufbereitete Informationen zu Ihren Themen an, dann sollten Sie diese Inhalte aufwerten oder sich bezüglich der Verbesserung Ihres Internetauftritts beraten lassen.

 

Vielen Dank an die beiden Experten für ihre Einblicke! Ich hoffe, sie waren sind hilfreich für euch. Jetzt seid ihr dran: Was erwartet ihr von Panda 4? Wie rüstet ihr euch, und welche Maßnahmen habt ihr für eure Seiten auf der Agenda? Lasst mich eure Meinungen gerne in den Kommentaren wissen.

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