Warum Gründer ihren Chefposten abgeben

Die Gründer von Shpock, xamoom und whatchado haben ihre CEO-Posten geräumt. Was steckt dahinter? Der Wunsch nach mehr Freizeit ist es in den seltensten Fällen – ganz im Gegenteil.

Ben Horowitz beschreibt in seinem Buch „The Hard Thing About Hard Things“ zwei Arten von Chefs: Den War-Time-CEO und den Peace-Time-CEO. „Katharina und ich waren klassische War-Time-CEOs“, sagt Armin Strbac, Gründer und ehemaliger CEO von Shpock, und blickt dabei rund fünf Jahre zurück, als das Unternehmen noch ums Überleben kämpfte: „In unserem Modus musste jedes Problem sofort gelöst werden, weil früher jedes Problem unternehmensbedrohend war. Aber heute ist das nicht mehr so.

Selbst wenn zehn Probleme aufkommen, gefährden sie nicht mehr die Existenz der Firma.“ Im Februar diesen Jahres gaben er und Katharina Klausberger ihre CEO-Posten an ihren Nachfolger Bernhard Baumann ab.Ähnlich wie die beiden Shpock-Gründer haben auch Ali Mahlodji, Gründer von whatchado, und Georg Holzer, Gründer von xamoom, ihre Chefposten abgegeben. „Ich war in der Startphase ein guter CEO beim Aufbauen und Konzipieren,“ sagt Holzer: „Aber ich war lausig darin, Sales aufzubauen.“

Er wisse, wo seine Stärken und Schwächen liegen – und hat somit im September 2016 im Sinne seines Unternehmens entschieden. Denn nun befindet sich xamoom in der Wachstumsphase – und da seien vor allem Sales wichtig. Mahlodji betont, dass er bei der Gründung von whatchado bereits zehn Jahre Berufserfahrung hatte und in dieser Zeit Chefs erlebte, die zu intensiv an ihren Aufgaben festhielten. „Ich selbst habe bei der Gründung schon gesagt, dass whatchado nur tragfähig ist, wenn auch ich ersetzbar bin“, sagt er.

Mit knapp 30 Mitarbeitern nahm er das Organisatorische noch selbst in die Hand, doch nun ist das Unternehmen gewachsen. „Ich bin gut beim Gründen, aber für stundenlange Meetings fehlt mir das Sitzfleisch“, sagt er.Ob das Abgeben der Chefrolle auch mehr Freizeit bedeutet? Strbac und Klausberger betonen, dass sie Baumann nun beraten, sich aus dem Alltagsgeschäft aber heraushalten. „Ansonsten machen wir etwas mehr Sport und tätigen ein paar mehr Investments“, sagt Strbac: „Aber wir gehen weiter ins Büro, wie immer.“

Holzer wiederum sagt, dass er „gleich wenig Freizeit wie vorher“ habe; am Wochenende erledigt er zuhause die Dinge, für die er Ruhe braucht – zum Beispiel Schreiben, sagt der Ex-Redakteur der Kleinen Zeitung. Und Mahlodji ist nun ein „freier Radikaler“, wie er selbst sagt: Als Außenbotschafter und „Chief Storyteller“ hält er Vorträge, sucht neue Partner, feilt an neuen Ideen.

„Ich arbeite jetzt mehr als vorher“, sagt er, und wirkt dabei sehr glücklich: „Vier von fünf Arbeitstagen bin ich unterwegs, aber das liegt mir viel mehr als Büroarbeit.“Dabei verschweigt Mahlodji nicht, dass das Abgeben anfangs auch schwerfällt: „Loslassen fällt immer schwer, wenn dir etwas wichtig ist“, sagt er: „Aber umso wichtiger ist es, damit Neues möglich wird. Dadurch gehen neue Türen auf, die man vorher gar nicht gesehen hat.“

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