Wahlhochrechnungen: Eine Kunst, die jeder kann?

Statt auf Hochrechnungen anerkannter Institute zu warten, präsentierte Kronehit im Rahmen der Nationalratswahl 2017 erstmals eine eigene Hochrechnung.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 46 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Kronehit-Programmchef Rüdiger Landgraf konzipiert und realisiert nicht nur smarte Radio-Apps, sondern neuerdings auch Modelle, um Wahlen hochzurechnen. Im Rahmen der Nationalratswahl 2017 kam erstmals ein solches Modell zum Einsatz – Kronehit präsentierte seine erste Hochrechnung noch vor dem Öffentlich-rechtlichen und den Privatsendern.

Stein des Anstoßes für diesen Versuch war ein Urteil des Verfassungsgerichtshofs (VfGH), wonach das Innenministerium bei Wahlen künftig bis zum Wahlschluss am Wahlsonntag keinerlei Zahlen zur Verfügung stellen darf. Erst, wenn auch das letzte Wahllokal um 17 Uhr schließt, werden Daten für die Erstellung von Hochrechnungen freigegeben. Anlass genug für Kronehit, den Versuch zu starten, mit den Daten, die um 17 Uhr eintrudeln, erstmals selbst hochzurechnen, statt auf Hochrechnungen anerkannter Institute zu warten.

Gemeinsam mit einem Kollegen hat Landgraf „ein sehr aufwendiges Excel-Chart gebaut, das in der Lage war, automatisiert Gemeinden zu importieren, zuzuordnen und daraus automatisch die Hochrechnung zu erstellen“. Wichtig dabei sei gewesen, „etwas zu bauen, das in der Lage war, die Daten des Innenministeriums automatisiert zu verarbeiten und mit einem sehr simplen Modell eine erste Hochrechnung zu erstellen“. Kronehit hat hierfür die Daten jener Gemeinden herangezogen, die um 17 Uhr ausgezählt waren, sich die Wahlergebnisse der letzten Nationalratswahl in diesen Gemeinden angesehen und daraus eine Gewichtung erstellt, um das Wahlergebnis zu berechnen.

Schneller als ORF und ATV  

„Punkt 17 Uhr wurden die Daten vom Innenministerium freigegeben, importiert, berechnet und nach einem Re-Check um 17:02 im Radio und danach auf Facebook bekannt gegeben“, so Landgraf. Damit präsentierte Kronehit seine erste Hochrechnung einige Minuten vor dem ORF und ATV – der Öffentlich-rechtliche präsentierte seine erste Hochrechnung von Sora um 17:10, der Privatsender jene von Arge Wahlen um 17:11. In der Grafik sehen Sie, inwiefern sich die Kronehit-Hochrechnung vom Endergebnis der Nationalratswahl unterscheidet. Landgraf räumt aber auch ein, dass das Modell von Kronehit nicht mit jenen von Sora und Arge Wahlen vergleichbar sei: „Diese beiden Modelle waren sicher besser und natürlich wesentlich valider.“ Es sei auch nur darum gegangen, zu zeigen, „dass man mit relativ wenig Aufwand aus den Daten, die das Innenministerium am Wahltag um 17 Uhr liefert, ausrechnen kann, in welche Richtung eine Wahl geht“. „Rocket Science“ sei diese Angelegenheit aber keine gewesen: „Die Genauigkeit zu erreichen, die Sora oder Arge Wahlen haben, das ist Rocket Science.“

Für die nächste Wahl will der Programmchef mit einem noch genaueren Modell arbeiten. „Mal schauen, was mit halbwegs vertretbarem Aufwand noch machbar ist.“ Geplant sei, Gemeindegrößen sowie SPÖ-, ÖVP- und FPÖ-Hochburgen besser zu berücksichtigen.

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