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"Vice" beurlaubt Vorstand und Digitalchef

"Vice Media" will die Suspendierungen nicht als Schuldeingeständnis werten. (c) Vice Media

Der US-Medienkonzern "Vice" hat nach Vorwürfen sexueller Belästigung Vorstandschef Andrew Creighton und den Digitalverantwortlichen Mike Germano suspendiert.

Die Zwangsbeurlaubung für Creighton und Germano wurde den "Vice"-Mitarbeitern am Dienstag in einem internen Memo von Geschäftsführerin Sarah Broderick mitgeteilt, berichtete die "New York Times" (NYT) am Mittwoch. Die entsprechenden Vorwürfe gegen die Chefetage und andere Mitabeiter des Medienkonzerns waren von der Zeitung bereits knapp zwei Wochen zuvor aufgedeckt worden. In der damaligen NYT-Reportage war von Dutzenden bekannten Opfern sexueller Belästigung die Rede, sowie von mindestens vier außergerichtlich beigelegten Klagsdrohungen, bei denen den Frauen bis zu 135.000 Dollar gezahlt wurde.

Die "Vice"-Gründer Shane Smith und Suroosh Alvi räumten nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe ein, dass sich in ihrem Konzern eine "Boys Club"-Atmosphäre breitgemacht habe, die zu "unangemessenem Verhalten ermutigt" habe, das "die ganze Firma durchdrungen" habe. Die Suspendierungen von Creighton und Germano will das Unternehmen jedoch nicht als Schuldeingeständnis werten. Diese dienten nur der Überprüfung der Vorfälle, hieß es. Weiteres wolle man in einer Sitzung am 11. Jänner entscheiden.

Verpflichtende Schulungen für alle

Creighton soll eine Mitarbeiterin gekündigt haben, weil diese eine sexuelle Beziehung mit ihm ablehnte. Der Fall datiert aus dem Jahr 2016. Die an die Frau bezahlten 135.000 Dollar erklärt der Konzern damit, dass man sich einen teuren Rechtsstreit ersparen habe wollen. Germano wird vorgeworfen, dass er einer Mitarbeiterin gesagt haben soll, dass er gegen ihre Einstellung gewesen sei, weil er lieber Sex mit ihr haben wolle. Eine andere Mitarbeiterin berichtete, sie habe sich durch Germanos Zudringlichkeiten bei einer Betriebsfeier unwohl gefühlt. Germano selbst verwies darauf, dass er sich bei dieser Mitarbeiterin entschuldigt habe und dass die beiden inzwischen in bestem Einvernehmen stünden.

Laut Broderick will der Konzern jedoch umfassende Maßnahmen treffen, um "sicherzustellen, dass sich alle unsere Mitarbeiterinnen respektiert und unterstützt fühlen". Die Personalabteilung soll eine neue Leitung bekommen, Trainings zur Sensibilisierung im Hinblick auf sexuelle Belästigung sollen für die ganze Belegschaft verpflichtend werden, außerdem sollen Ombudsmannschaften gegründet werden. Darüber hinaus erklärte Broderick, bis zum Jahr 2020 sollten "auf jeder Ebene" der Firma zur Hälfte Frauen arbeiten. Noch heuer sollen die Gehälter zwischen Männern und Frauen angeglichen werden.

[lz]

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