Tag der Marktkommunikation: „Visionäre und Service“

Mit einem breiten Themenspektrum begrüßte die Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation der Wirtschaftskammer Wien ihre Gäste.

„Visionäre und Service“ - so fasste Moderatorin Anna-Maria Wallner („Die Presse“) zu Beginn des Tages der Marktkommunikation die thematische Ausrichtung zusammen – beim Blick auf die Programmliste fiel ja sofort die breite Ausrichtung der Key Notes auf.

Fachgruppenobmann Marco Schreuder hatte für die 470 angemeldeten Besuchern, die ins Wiener Museumsquartier gekommen waren, das Motto „Digital Change Now“ zur Begrüßung nochmals verdeutlicht: „Die Digitalisierung ist nicht gut oder böse, sondern schlicht unsere Gegenwart. Dabei steht die gesamte Branche immer noch vor Herausforderungen – vor allem im Bereich Medienrecht und Datenschutz, aber auch vor ganz neuen Möglichkeiten.“

In der ersten Key Note beschäftigte sich Virtual Reality Regisseurin Adina Popescu in der Arena21 mit virtuellen Welten und ihren Auswirkungen auf die Kommunikation. Die Visionärin steckte zunächst die Grenzen zwischen 360-Grad-Video, Augmented Reality und Virtual Reality ab und zeigte spannende Experimente der Werbung mit der neuen Technologie, wie etwa Saturns virtuelle Käuferberatung via Microsoft HoloLens. 

Danach beschäftigte sich Anwalt und Datenschutz-Experte Max Schrems (wie vom HORIZONT angekündigt) mit den Auswirkungen der kommenden DSGVO auf Unternehmen und ihren Umgang mit Dropbox, wetransfer et cetera. „Es wird teuer, wenn man sich nicht dran hält“, fasste Schrems die DSGVO zusammen – bisher sei es teurer gewesen, einen Anwalt zu Datenschutz-Richtlinien zu befragen, „jetzt wird das umgedreht“. Jedem Unternehmen riet Schrems zunächst einmal, eine Bestandsaufnahme der verwendeten Dienste zu machen, den Umgang mit Daten zu analysieren und einen Maßnahmenplan zu erstellen. Anhand von beispielhaften Diensten wie wetransfer, Dropbox oder Google Drive zeigte Schrems auf, was besonders zu beachten ist. Schon Bascis wie „Wo hat der Dienst seinen Sitz?“ - muss er sich also an die DSGVO halten, „Welche Daten sammelt er und warum?“ und „Gibt er die Daten an Dritte weiter“, können schon aufzeigen, ob die eigenen Daten dort in guten Händen sind.

Der rechtliche Schwerpunkt setzte sich fort mit der Key Note von Medienrecht-Anwältin Maria Windhager, die sich mit dem Thema „Recht und Social Media“ befasste. Dass eine Facebook-Seite als „periodisches Medium“ gilt und entsprechende Verantwortung mit sich bringt, sorgte bei vielen für großen Erkenntnisgewinn - der Umgang mit strafrechtlich relevanten Postings auf einer eigenen Seite war dann auch für Profis von starkem Interesse. Die eigene Verantwortung hängt hier stark von der Reaktionszeit ab - die individuell von der konkreten Situation abhängt. Handlungsbedarf ist jedenfalls gegeben, sobald man davon erfährt, dass auf der eigenen Seiten strafrechtliche Relevantes gepostet wurde.

Während dieser Vorträge präsentierten gegenüber in der Ovalhalle lokale Unternehmen ihre Top-Cases, darunter etwa Startup-Partner Lukas Berger von 1000things, „Digitalnomadin“ Birgit Wagner, Siegfried Stepke von e-dialog und Christian Friesenegger von 3 motion virtual. Zudem erklärte Experte Peter Hajek die Grenzen der Meinungsforschung.

Mit einem kabarettistisch angehauchten Vortrag zeigte zum Ausklang Diplom-Psychologe Hans-Georg Häusel, dass das Thema Neuromarketing kein sprödes sein muss. „70 bis 80 Prozent unserer Entscheidungen passieren unbewusst“, erklärte Häusel - ohne dass der Mensch etwas davon mitbekommt. Jeder Außenreiz werde sofort durch das limbische System bewertet, ehe das Bewusstsein das Ergebnis mitgeteilt bekommt. Entscheidend dabei seien die Emotionen. „Alles, was keine Emotionen auslöst, ist für unser Gehirn sinn-, wert- und bedeutungslos“, meinte der Hirnforscher. Daher sei es auch für Marketing entscheidend, klare Emotionen zu transportieren. Die Digitalisierung spiele dabei auf den ersten Blick nicht die allergrößte Rolle, denn „auch in der digitalen Welt ändern sich die Bedürfnisse nicht“ - Menschen wollen mehr und sie wollen es einfacher, nur der „Wunsch nach mehr“ würde sich durch die Digitalisierung beschleunigen.

[]

Kommentare

0 Postings

Keine Kommentare gefunden!

Diskutieren Sie mit

Neuen Kommentar schreiben

* Pflichtfelder
Netiquette auf HORIZONT online