„Suche mir gern verpönte Themen“

Der Edeka-Song ‚Supergeil‘ machte Friedrich Liechtenstein zum Social-Media-Star. Nun widmet er sich ganz dem Thema Vertical Video.

HORIZONT: „Supergeil“ hat über 17 Millionen Zugriffe auf YouTube. Hat der Erfolg Sie überrascht? 

Friedrich Liechtenstein: Ich hatte eine Vorahnung. Als ich nach dem Dreh heimkam, habe ich zu meinen Kindern gesagt: Wenn das rauskommt, muss ich gut vorbereitet sein. Höchste Zeit, mein Konzeptalbum „Bad Gastein“ rechtzeitig fertigzustellen, um am Zenit der Aufmerksamkeit das Album präsentieren zu können. 

Warum ausgerechnet Bad Gastein?

Das ist eine Obsession. In diesem morbiden Ort mit seinem gigantischen Wasserfall und seinen heißen Quellen gibt es sehr viel Leerstand – und das ist für einen Kreativen ein Geschenk, weil man sich dort mit seinem ganzen Feuerwerk an Ideen hineinträumen kann. Oft ist in Kurorten jeder Quadratmeter vergeben, aber in Bad Gastein ist viel Raum in den leeren Kongresshallen und Grand Hotels. Ich mag es, dass man in Bad Gastein flanieren kann – dadurch, dass das so vertikal komprimiert angeordnet ist, hat man eine sehr schöne Sicht, das ist sehr inspirierend. 

Vertikal ist ein gutes Stichwort. In jüngster Zeit beschäftigen Sie sich sehr viel mit vertikalen Videos. Was hat es damit auf sich?

Ich suche mir gerne verpönte Themen. Bad Gastein hat etwas verpöntes, ebenso Werbung für Supermärkte: Edeka war eher eine Kette, bei der Oma und Opa einkaufen gehen. Vertikale Videos werden regelrecht beschimpft; dabei wissen Magazingrafiker, dass man manche Sujets nur vertikal darstellen kann – in Bad Gastein etwa den Wasserfall und die Skifahrer. Das ging beim Film aber verloren, weil sich die Industrie für horizontale Filmerei entschieden hat. Für tele5 habe ich als Antwort darauf ein Format mitentwickelt, das sich gegen Sendeschluss ins Vertikale dreht – für den Zuschauer, der auf der Couch liegend einschläft. Auch Screenings zu Vertical Videos gibt es immer mehr.

Wie funktioniert das? Die typische Kinoleinwand ist ja horizontal.

Die Leinwand kann man umbauen. Der Beamer muss anders ausgerichtet sein, auch vertikaler Ton ist ein Thema. 

Müssen TV-Sender dann vertikalen ebenso wie horizontalen Content produzieren?

Man kann zwischen den Formaten wechseln. Es gibt schon Patente für Fernseher, die sich drehen, wenn eine Anmoderation horizontal, das Skirennen dann vertikal gezeigt wird. Ohnehin verlagert sich immer mehr TV-Konsum auf mobile Geräte und die lassen sich ganz leicht drehen.

Können wir erwarten, dass es ihre Serie „Tankstellen des Glücks“ in Bad Gastein und Umgebung als Vertical Video geben wird?

Nein. Aber ich arbeite an einem neuen, sehr vertikalen Thema: Fahrstühle. Da werden auch österreichische Beispiele dabei sein.

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