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Sorrell als WPP-Chef zurückgetreten

WPP-Vorstandsvorsitzender Roberto Quarta übernimmt die CEO-Agenden bis zur Bestellung eines Nachfolgers von Sorrell.
© WPP

In einer schlichten Aussendung am späten Samstagabend hat das Agenturnetzwerk WPP den Rücktritt von CEO Sir Martin Sorrell bekanntgegeben. Zwei Wochen zuvor waren Vorwürfe wegen "persönlichen Fehlverhaltens" gegen Sorrell öffentlich geworden. Dessen Rücktritt lässt manche Analysten nun über eine Filetierung von WPP spekulieren.

"Chief Executive Officer tritt zurück" war der kühle Titel der Aussendung, mit der das weltumspannende WPP-Netzwerk das Ausscheiden seines Gründers und Chefs nach 33 Jahren an der Spitze vermeldete. Interimistisch werden dessen Agenden nun vom Vorstandsvorsitzenden Roberto Quarta übernommen. Mark Read, CEO von Wunderman und WPP Digital, und WPP Europe-COO Andrew Scott, bisher auch für das Corporate Development von WPP zuständig, übernehmen gemeinsam die COO-Aufgaben. Sorrell werde "für Hilfe bei der Übergangsphase zur Verfügung stehen", hieß es weiters.

Die Untersuchung wegen "persönlicher Verfehlungen" sei damit beendet, so die Aussendung wortkarg. Die Vorwürfe darin seien "nicht existenziell" für die Firma gewesen. Gerüchten zufolge hatte sich Sorrell missbräuchlicher Verwendung von Firmengeldern schuldig gemacht. Unklar bleibt, ob es darüber hinaus Anschuldigungen im persönlichen Bereich gab. In finanzieller Hinsicht werde Sorrell nun "so behandelt, als ob er in Ruhestand getreten sei", so WPP unter Verweis auf dessen Vertrag, ohne freilich auf dessen Inhalt im Detail einzugehen. Sorrells Boni würden anteilig ausbezahlt, die Vereinbarung gelte noch fünf Jahre.

"WPP wird immer mein Baby bleiben"

Eher kühl gehalten waren auch Quartas für derartige Aussendungen obligatorische Dankesworte an Sorrell: Im Namen des Vorstands wolle er Sorrell für dessen "Leistungen und Engagement für das Geschäft während mehr als drei Jahrzehnten" danken. Sorrells offizielle Abschiedsworte fielen emotionaler aus: "Natürlich bin ich traurig, WPP nach 33 Jahren zu verlassen", wird er zitiert. Er glaube jedoch, dass es "im Interesse der Firma ist, wenn ich jetzt zurücktrete". Er hinterlasse das Unternehmen in sehr guten Händen. Noch emotionaler fiel ein Mail an WPP-Mitarbeiter aus, aus dem englischsprachige Medien am Sonntag zitierten. Dieses schloss mit den Worten: "WPP wird immer auch mein Baby bleiben. Als Gründer kann ich sagen, dass WPP nicht nur eine Sache auf Leben oder Tod ist; es war, ist und wird immer noch wichtiger sein als das. Viel Glück und lebt wohl... und jetzt Zurück in die Zukunft. Danke."

Die schon bisher kursierenden Vermutungen, die Vorwürfe gegen Sorrell hätten mit wachsender Unzufriedenheit von Aktionärsgruppen über den Unternehmenskurs zu tun, erhielten durch den Rücktritt und dessen Modalitäten weiter Auftrieb. Wie es heißt, lobbyieren Gruppen der Anteilseigner für eine Ausgliederung der profitabelsten WPP-Unternehmensteile (Health und Digital). Der Wert des Unternehmens ist innerhalb eines Jahres - damals allerdings von historischen Höchstwerten - um sieben Prozent geschrumpft. Das britische Fachmedium "Campaign" zitierte nach Sorrells Rücktritt mehrere Analysten mit der Einschätzung, man habe sich des Chefs als Hindernis für eine Filetierung von WPP entledigt. Ein anonym bleiben wollender führender Vertreter der Branche wurde mit den Worten zitiert, der Machtkampf bei WPP könne nun "extrem hässlich" werden - und mit Folgen für die gesamte Branche obendrein: Falls WPP aufgesplittert werde, könnten auch andere globale Netzwerke folgen, hieß es; allerdings erst, wenn man sehe, dass die WPP-Aktionäre davon profitierten.

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