So könnte die Zukunft des Kinos aussehen

Wie sich heimische Kinoanbieter mit Investitionen in neue Technologien sowie Angeboten im Umfeld des Kinosaals für die Zukunft rüsten.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Print-Ausgabe des HORIZONT, Nr. 36.

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Die österreichischen Kinos weisen stabile Umsatzzahlen auf: Waren es 2014 laut Eurostat 172 Millionen Euro Umsatz, sollen es 2019 laut Prognosen 175 Millionen Euro sein. Damit bewegen sich die Umsätze seit 2009 konstant immer über der Marke von 170 Millionen Euro. Nach einem Hoch im Jahr 2009 mit 18,4 Millionen Kinobesuchern senkte sich dieser Wert zuletzt auf unter 16 Millionen Menschen – ein Minus, aber auf Höhe der Werte vor dem starken Jahr 2009. Damit Besucher weiterhin die heimischen Kinos stürmen, sind Kinobetreiber stets gefordert. Diese appellieren etwa an die Kerneigenschaften: „Derselbe Film im TV wird nie dieselben Emotionen hervorrufen, wie in einer Kinovorstellung“, betont etwa Christian Dörfler, Sprecher der Wiener Kinos. Das Erlebnis rund um den Film gehört dazu: „Bei einem Filmstart werden passende Goodies oder aber auch ein cooler Cocktail zur Begrüßung angeboten“, sagt Dörfler. Besucher schätzen auch spezielle Filmnächste, wie Ladies oder Mens Night mit Rahmenprogramm.

Neue Technologien

UCI investiert permanent in die Standorte. „In den vergangenen Jahren haben wir in unserer UCI Kinowelt in der Millennium City und SCS erfolgreich das Premium-Konzept iSens etabliert, das den Kinozuschauer mit einer Riesenleinwand, einem raumfüllenden Tonsystem und einer neuartigen Sitztechnologie in das Filmgeschehen eintauchen lässt“, sagt Geschäftsführer Jens Heinze. Das Stichwort für die Zukunft sei Immersion, „mit Sicherheit eines der entscheidenden Zukunftstrends in der Kinobranche“. Jüngst sorgte auch die Cineplexx-Eröffnung in Villach für Aufsehen. Rund vier Millionen Euro investierte das Unternehmen in den Standort. Im Zuge der Modernisierung erfolgte neben dem Komfort-Upgrade auch die Etablierung der Lasertechnologie: Ein Phosphor-Laserprojektor sorgt nun für hohe Bildqualität und -helligkeit, erhöhten Kontrast, Schärfe und Farben. Auch die Soundqualität wurde mittels Blu Link Sound Performance verbessert.

Zukünftige Geschäftsmodelle

Aufgrund der immer stärker werdenden Nachfrage im Onlinehandel werden immer mehr Verkaufsflächen rund um Kinos frei. Dörfler ortet hier großes Geschäftspotenzial für Kinos: „Im Idealfall können diese von Kinobetreibern genutzt werden, wie es in Amerika bereits der Fall ist.“ So werden in Los Angeles noch vor der offiziellen Filmpremiere bereits Ausschnitte des jeweiligen Films gezeigt – allerdings „nicht im Kino selbst und nicht als normale Vorstellung“, sagt er. Fans können sich mit einer VR-Brille in den Film hineinversetzen und erleben für ein paar Minuten den Film sogar aus Sicht des Hauptdarstellers. Dörfler sieht den Trend in zwei bis drei Jahren nach Österreich schwappen. Für UCI lassen sich zukünftige Geschäftsmodelle kaum vorhersagen, „aber wir denken, dass wir mit unserem Fokus auf das Gästeerlebnis sehr gut positioniert sind“, sagt Heinze. Dabei punkte man vor allem mit Event Cinema. „Unter dem Label UCI Events zeigen wir alternative Inhalte wie Liveübertragungen von Opern und Konzert-, Sport- und Fanevents, beispielsweise im Bereich Anime und E-Sport“. Kürzlich konnte UCI in der Millennium City mit einer Liveübertragung von Otello mit Jonas Kaufmann aus dem Royal Opera House London punkten.

Streaming als Herausforderung

Konkurrenzlos bleibe das Erlebnis im Kino, „das die Menschen zuhause nicht in dieser Form vorfinden können“, sagt der UCI Geschäftsführer. Kino sei ein Gemeinschaftserlebnis „zu dem die Magie des Popcornkaufens genauso gehört, wie die Vorfreude beim Trailerschauen und der Film selbst.“ Und das könne man auch mit der besten Heimkinoanlage nicht herbeizaubern, ist sich Heinze sicher. Auch Streamingdienste könnten das nicht ändern: „Wer sich für Filme begeistert, wird diese zuhause anschauen, aber eben auch im Kino“, sagt Heinze. Dabei seien Onlinestreamingdienste auch Teil der medialen Entwicklung, „der man sich nicht verschließen kann, sondern die man als Herausforderung begreifen muss, dieses Erlebnis lebendig zu halten und immer wieder neu zu erfinden“, so Heinze.

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