SN.at neu: Die Details zum Digital-Relaunch der Salzburger Nachrichten

Wie die Salzburger Nachrichten nach ihrem Digitalrelaunch nun personalisiert Inhalte ausspielen und mit Artificial Intelligence an der Monetarisierung der Inhalte arbeiten.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Print-Ausgabe des HORIZONT, Nummer 41. Abo-Leser sind früher informiert. Noch kein Abo? Hier klicken!

Seit Anfang Oktober ist bei den ­Salzburger Nachrichten digital alles neu: „Es handelt sich um den größten Onlinerelaunch in der Geschichte der Zeitung“, sagt Geschäftsführer Maximilian Dasch im Gespräch mit HORIZONT. So wurden die gesamte Informationsarchitektur und das Design überarbeitet, alle digitalen Angebote der Salzburger Traditionszeitung sind künftig statt auf salzburg.com unter sn.at zu finden. Komplett neu ist auch die dahinterliegende Technik bis zum CMS und den Servern; alle Inhalte der SN kommen – ob Print, Online oder Social Media – zudem über ein gemeinsames Redaktionssystem. Von dort ausgehend werden alle Inhalte automatisiert an ein semantisches CMS übergeben und vernetzt. Für die Leser von sn.at heißt das in Zukunft mehr personalisierter Content. 

‚Plusinhalte‘ zur Leserbindung

Hauptgrund für den Relaunch war das wichtigste Thema der Branche: die Monetarisierung von digitalen Inhalten. „Wir wollten gerade Premiumartikel und das digitale Bezahlangebot forcieren, optisch aufbessern und technologisch unterstützen“, erklärt Dasch. So finden sich laut dem SN-Geschäftsführer neben dem gewohnten digitalen Angebot „sämtliche exklusiven Geschichten aus dem Hause SN unter dem Etikett ‚SN plus‘ im Newsfeed wieder“. Zwar gibt es die „Plusinhalte“ der Salzburger Nachrichten seit Mitte 2016, nun seien sie aber „in den Fluss der Seite eingebettet“.

Jürgen Schmidt, Geschäftsführer der Wiener Technologiefirma strg.at, die mit der Umsetzung betraut war, erklärt die Hintergründe: „Mit diesem Relaunch wollen wir auf einen Verhaltenswechsel der Leser hinarbeiten. Die Leser sollen den Mehrwert, den sie durch die Bezahlinhalte haben, erleben.“ Und dafür wurde seit März 2016 viel „unter der Motorhaube“ geschraubt, wie Schmidt es ausdrückt: „Wir haben sehr viel Zeit und Energie in die Konzeption gelegt und uns mit der Informationsarchitektur beschäftigt. Tatsächlich haben wir bei dem Artikel an sich angefangen – und zwar mit der mobilen Version – und uns dann hinaufgearbeitet. Wie wir alle wissen, wird der immer größer werdende Teil des Traffics mobil – der einzelne Artikel ist also das Eingangsportal der Leser zur Zeitung.“ Was nun auf sn.at präsentiert wird, ist nicht nur eine schlankere und kompaktere Version des Digitalangebotes, sondern soll den Leser auch in die Seite „hineinziehen wie Wikipedia“, sagt Schmidt: „Wie leicht passiert es, dass man dort etwas sucht und dann Stunden später wieder auftaucht. Trotzdem hat man nie das Gefühl, dass man zu etwas verführt wird.“ 

Machine Learning statt Filterbubble

Neben dem neuen semantischen CMS verwendet sn.at auch Strg.Metrics. Dieses System basiert auf TensorFlow, der Open-Source-Programmbibliothek für künstliche Intelligenz beziehungsweise maschinellem Lernen von Google. „Mit Strg.Metrics haben wir die Möglichkeiten, tief in das Verhalten des Users einzugehen und Inhalte zu personalisieren und auf Interessen zuzuschneiden – natürlich völlig anonymisiert.“

Dabei gehe es aber nicht um die berühmte „Filterbubble“, führt Schmidt weiter aus, sondern „hochqualitativen Inhalt zum richtigen Moment an der richtigen Stelle zu platzieren.“ Die Redakteure können dabei auf ein eigenes Dashboard zugreifen und „Auswirkungen des Artikels auf den Leser beobachten und eingreifen“. Ziel ist es, die Verweildauer auf der Seite zu verlängern, sagt Schmidt: „Das ist die wirklich wichtige Währung am digitalen Markt, weitaus mehr als Pageimpressions. Es geht also nicht um Clickbaits, sondern darum, den User möglichst intensiv in der Thematik zu halten.“

Konkret sichtbar ist das zum Beispiel bei dem neuen Format „Themen“, einer Mischung aus Dossier und Liveberichterstattung: „Wenn Themen – wie zum Beispiel die Syrienkrise – sich über Jahre hinweg ziehen, gehen viele Anfangsinformationen verloren. Das versuchen wir mit diesem Format aufzufangen. Es bietet Möglichkeiten für Redakteure, die Leser zu einem einzelnen Thema auf dem Stand der Dinge zu halten.“ 

Ein Redaktionssystem für alle

Aber nicht nur für die Leser, sondern auch in eine bessere interne Zusammenarbeit wurde in den vergangenen Jahren investiert: Print, Online und Social Media werden aus einem gemeinsamen Redaktionssystem bedient. Dafür wurde das vorhandene Printproduktionssystem für die Onlineproduktion adaptiert – aus einem einfachen Grund: „Bei Print ist die Produktion sehr komplex, Spaltenbreiten und Textlängen sind im Onlinebereich kein Thema.

Im Digitalen geht es dann aber um die richtige Ausspielung des Inhaltes. Der Clou ist also ein minimal veränderter Workflow für die Redakteure, in der digitalen Publikation geschieht dann eine professionelle Automatisierung und Vernetzung“, führt Schmidt aus. Die Rückmeldung der Redakteure sei laut Geschäftsführer Dasch durchwegs positiv: „Es besteht ­definitiv Interesse, beide Welten zu bespielen. Durch die Einführung von Paid Content ist die Wertigkeit von Onlineinhalten gestiegen, wie auch die Bereitschaft, diese zusätzlich zu erstellen.“ Was dieser umfangreiche Relaunch gekostet hat, dazu will sich Dasch aber nicht äußern. Nur so viel: „Es war uns bewusst, dass wir ein ­ordentliches Investment machen müssen, um für die Zukunft aufgestellt zu sein.“

[Veronika Höflehner]

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