„Sie werden nicht mehr selbst bestimmen können, wie Sie Ihre Produkte anbieten.“

In seiner Keynote über Datenschutz und Kontrolle skizzierte EU-Parlamentarier Jan Philipp Albrecht, warum die Datenschutzgrundverordnung gut für Europa ist.

„Wir haben in den vergangenen Jahren einen radikalen Umbruch weg von nationalen Ökonomien hin zu weltweiten Kontakten von Individuen, die Informationen und Waren austauschen, erlebt“, sagt der EU-Parlamentarier Jan Philipp Albrecht in seiner Keynote zu den Österreichischen Medientagen. Doch wo Grenzen so einfach überwunden werden, wird eines in Frage gestellt: Der Rechtsstaat. In Österreich macht zwar der Nationalrat die Gesetze. „Doch wenn man sich die Apps auf seinem Smartphone ansieht, weiß man nicht, welche Rechte und Regeln dort gelten“, sagt Albrecht: Die wenigsten Bürger kennen EU-Richtlinien oder gar die Gesetze, die in anderen Ländern gelten.

„Meine Aufgabe im europäischen Parlament sehe ich darin, die europäischen Werte auch in einer globalisierten Welt sicherzustellen,“ sagt Albrecht: Dazu gehört die im letzten Jahr beschlossene DSGVO, die vor allem in der Onlinemarketing-Branche für Kopfzerbrechen sorgt. „Mit der DSGVO schaffen wir einen neuen Standard, nämlich das Marktortprinzip“, sagt Albrecht: „Jeder, der in der EU Geschäfte macht, muss sich auch an die hiesigen Regeln halten.“ Denn die EU-Datenschutzgrundverordnung gilt ab Mai 2018 in der gesamten EU - unabhängig davon, wo das Unternehmen sein Headquarter hat. Ein Nebeneffekt davon ist, dass internationale Konzerne sich die Regeln der EU für ihr gesamtes Unternehmen zu Herzen nehmen - und die Standards dementsprechend auch in anderen Staaten der Welt gelten.

Die Macht der Gatekeeper

Kritisch sieht Albrecht aber auch die Rolle der US-Konzerne, wenn es um den freien Markt geht: Denn früher wurden Waren auf einem freien Markt angeboten. Heute muss im Onlinehandel jeder durch Türen, die von wenigen Gatekeepern kontrolliert werden - seien es die App-Stores von Apple und Google oder der Online-Marktplatz von Amazon. „Jeder von Ihnen wird in der Situation sein, dass er von einem dieser Gatekeeper abhängig wird,“ warnt Albrecht vor dem prall gefüllten Vortragssaal: „Sie werden nicht mehr selbst bestimmen können, wie Sie Ihre Produkte anbieten. Ich halte das für katastrophal.“ Und das gelte nicht nur für den Onlinehandel, sondern auch für Medien, deren Geschäftsmodell davon abhängig ist, wie oft ihre Beiträge angeklickt wurden.

Die Medienlandschaft sei komplett von dieser Werbe-Infrastruktur abhängig ist, sagt Albrecht. Das Argument vieler Vertreter dieses Modells sei, dass man auch als Verlag das machen müsse, was alle machen – nämlich Werbung basierend auf Daten ausspielen. „Ich halte das für gefährlich,“ sagt er: Denn man konkurriere dabei mit Katzenbildern und Pornos um die Klicks der Internetnutzer. Nun gelte es, Geschäftsmodelle aufzubauen, die nicht auf dem Ausspielen personalisierter Werbung auf Basis von persönlichen Daten basieren. 

Neue Lösungen gesucht

Kritik aus der Branche, dass US-Unternehmen bevorzugt werden, weil sie schon über einen Datenschatz verfügen und Daten der User über einen Login-Bereich problemlos sammeln können, will Albrecht so nicht stehen lassen: „Ich glaube nicht, dass europäische Unternehmen mithalten können, wenn sie das gleiche machen, wie die US-Konzern gemacht haben – wir machen die Gesetze ja, um dem einen Riegel vorzuschieben,“ sagt er im Interview mit Reinhard Göweil, Chefredakteur der Wiener Zeitung. Stattdessen müsse man den Usern die Möglichkeit geben, zu entscheiden, was sie wie konsumieren wollen – dann würden sie auch wieder Geld ausgeben anstatt ihre Daten herzugeben. Die Lösung liege darin, neue Angebote mit Fokus auf die eigenen Stärken zu entwickeln.

Falsch sei es jedenfalls, die großen Plattformen mit jenen Inhalten zu füttern, die sie benötigen, sagt Albrecht - denn: „Über kurz oder lang werden die Gatekeeper ihre eigenen Inhalte noch besser positionieren können und ihre Machtposition ausbauen.“ Jeder Contentproduzent müsse sich daher die Frage stellen, ob man diesen Unternehmen in die Hände spielt und an der eigenen Abschaffung mitwirkt - oder ob man Modelle entwickelt, die den Menschen nicht gläsern machen.

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Kommentare

2 Postings

  • Kiri
    Der Inhalt ist soweit und kann gerne weitreichend diskutiert werden. Aber wäre es nicht angebracht den Text auch zu kontrollieren? Schriftgrößen, Rechtschreibung, teilweise Grammatik. Der Text lässt sich so nicht gut lesen...
  • Ener
    Das Ganze beruht auf dem Ausnutzen eines Monopols.
    Google bei Suchmaschinen
    Amazon beim Onlinehandel. Einen Teil bietet Amazon selbst an, der Rest nutzt die Plattform und begibt sich dabei in die Hände von Amazon...

    Ein Monopolgesetz, das z.B. ab 25% Marktanteil eine Gemeinwohlgesellschaft verlangt würde das Monopol zum Vorteil aller nutzen.
    Eine gemeinwohlorientierte Plattform bedient die Nutzer. Der Verkäufer Amazon benutzt diese wie alle anderen.
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