Schieflage in Österreich: „Presse“-Autoren analysieren

Hängt der Segen schief in Österreich? Dieser Frage gingen 20 Journalisten der „Presse“ in einem neuen Essay-Band mit dem Titel „Zur Schräglage der Nation“ nach - und meinen tendenziell eher: Ja.

Die Minister Thomas Drozda (SPÖ) und Wolfgang Sobotka (ÖVP) wollten das bei der Präsentation freilich nicht pauschal bestätigen. Ob es eine Schräglage gibt hierzulande, „kommt auf die Position des Betrachters an“, so Innenminister Sobotka. Zur journalistischen Zunft „habe ich keine nennenswerte Berührungsangst“, versicherte er: „Ich kann mit allen Journalisten gut.“ Kritik sei auszuhalten, wenn sie begründet werde: „Wenn der Journalist seine Meinung hat und sie begründet und für seinen Leser formuliert, muss ich es zur Kenntnis nehmen.“ Umgekehrt behalte er sich das Urteil vor: „Ist gut recherchiert worden, ist schlecht recherchiert worden?“

Medienminister Drozda sah im Titel des Sammelbands eine journalistische Zuspitzung. „Tatsächlich ist die Frage, ob etwas schräg ist, eine Frage der Perspektive“, meinte auch er. International betrachtet stehe Österreich gut da, er empfahl den Beobachtern, auch einmal die „Vogelperspektive“ einzunehmen: „Wenn man von oben draufschaut, wirkt es deutlich weniger schräg.“ Österreichs Politikjournalisten hätten sich indes darauf verständigt, „dass die Politik schlecht ist, nicht funktioniert“, so Drozdas „Gefühl“. Die Innenansicht schaue deutlich besser aus, beteuerte er.

Man finde in dem Buch auch „Texte, die sehr wohl einen positiven Zugang zur Welt haben“, auf diese Feststellung legte „Presse“-Chefredakteur Rainer Nowak wert. Für „Zur Schräglage der Nation“ griffen 20 „Presse“-Journalisten unterschiedlicher Ressorts zur bildlichen Feder. Der Band ist ein erstes Ergebnis der neuen Kooperation zwischen „Presse“ und dem zur Styria gehörenden Molden Verlag. Nowak beschreibt das Projekt im Vorwort auch als „eine freiwillige Selbstkontrolle“: Die Autorinnen und Autoren wurden gebeten, einmal „ausführlicher als im Tagesgeschäft“ über ein Thema zu schreiben, „das ihr seit Langem verfolgt“.

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