Qualität ist das Asset

Leitartikel von HORIZONT-Chefredakteurin Marlene Auer.

Journalismus ist weder eine Frage der Aktualität, der Formatästhetik noch der technischen Channels. Journalismus – guter Journalismus – ist eine ­Frage des Herangehens an Tatsachen, Prozesse, Phänomene. Eine Synthese aus Neugier, Verdichtung und Stil. Und der Sprachbeherrschung. In der Debatte über die Monetarisierung von Medien und digitalen Unter­nehmen wird Journalismus als notwendiges Übel missverstanden, als Luxus im harten Geschäft.

Darin liegt die Tragik. Und darin liegt auch ein Teil der Krise sogenannter klassisch-konventioneller Medien. Viele von ihnen haben über Jahre in ­Marketing und Werbeakquisition investiert, über Marktlücken nachgedacht, Vertriebsformen zu optimieren versucht. Und dabei auf das eigentliche Asset vergessen: den guten Journalismus – und damit die Qualität der Wissensauslese. Die Konsequenzen: Sparen an Redaktion, an Ausbildung von Journalisten. Und das wiederum führt zur Austauschbarkeit des Mediums.

Der Kreis schließt sich bei den Konsumenten, den Mediennutzern. In Zeiten der Überinformation durch kostenlose Sites, Push-Dienste und Messenger brauchen Medien ihre eigene glaubwürdige DNA. Sind Medienmanager durch immer straffere Budgets nicht mehr in der Lage, diese DNA zu erhalten, verlieren die Konsumenten das Interesse an Medien, die gleich viel bieten und für die sie aber auch zahlen müssten. Wenn heute also über Roboterjournalismus oder über die Auslagerung des Schreibens an indische Subschreibwerkstätten nachgedacht wird, dann hat man den Kern des Problems nicht verstanden. Dann nützen auch intelligente Cross-Strategien nichts oder Beteiligungen an anderen Plattformen, über die man zu verdienen hofft.

Mathias Döpfner, mittlerweile nicht mehr ganz so optimistischer Data-Business-Avantgardist, meinte, Online würde ein Paradies für guten Journalismus sein und es brächen wunderbare Zeiten an. Es wäre schön, wenn es für diese wunderbaren Zeiten auch wunderbare Handwerker gäbe. Denn bloß Channels zu befüllen, ist ­weder Journalismus noch Qualitätsarbeit. Und Investigatismus, der sich in Gerüchten und Wikileaks erschöpft, ist Spam und nicht Aufklärung.

Dass Medien sich heute neu refinanzieren müssen, ist logisch und notwendig. Senator Burda, einer der ersten Crossmedialisten, hat es selbstironisch auf den Punkt gebracht, als er über seine kommerziellen Beteiligungen wie an ­einem Tierfuttervertrieb sagte: „ein lausiges Pfenniggeschäft“. Nur: Mit diesem lausigen Pfenniggeschäft hat er immerhin Focus gründen können und leistet sich, ebenso wie Ringier in der Schweiz, ein paar Luxusmedien im ­konventionellen Sinne.

Ob TV, Print oder Online: Qualität ist das Asset. Und in guten Journalismus muss investiert werden. Dann sind die Konsumenten auch bereit, zu bezahlen. Wohl mehr denn je.

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