Horizont Newsletter

Pulitzer-Preise für #metoo-Aufdecker

In de facto allen Kategorien wurden hochpolitische oder sozialkritische Berichte ausgezeichnet.
© Pulitzer Prize

Die am Montag vergebenen Pulitzer-Preise als höchste Auszeichnung des US-Journalismus gingen in der Hauptkategorie an die Aufdeckerinnen der Causa Harvey Weinstein und damit den Beginn der #metoo-Bewegung. Die Preise der meisten anderen Kategorien waren eine Breitseite gegen US-Präsident Donald Trump.

Der Preis für journalistischen "Dienst an der Öffentlichkeit", die als wichtigste unter den 14 journalistischen Preiskategorien gilt, wurde Jodi Kantor und Megan Twohey von der "New York Times" und Ronan Farrow vom "New Yorker" für ihre Berichterstattung zu den sexuellen Übergriffen des einst mächtigen Filmproduzenten zugesprochen. Dabei habe es sich um "explosiven nachhaltigen Journalismus" gehandelt, der den Missbrauch von Frauen weltweit ins Bewusstsein gerückt habe und nicht zuletzt auch Weinstein und andere Täter zur Rechenschaft gezogen habe.

Die meisten der weiteren Kategorien - abseits jener Preise, die journalistischen Disziplinen wie chronikaler Berichterstattung, Kulturkritik oder Cartoon gewidmet sind - hatten mehr oder weniger direkt mit US-Präsident Donald Trump zu tun und bezogen damit gegen dessen "Fake News"-Vorwürfe für unliebsamen Journalismus Stellung. Ausgezeichnet wurden etwa die "Arizona Republic" und "USA Today" für ihre Faktenchecks zu Trumps Aussagen über einen Grenzzaun zu Mexiko und die Redaktionen der "New York Times" und der "Washington Post" über ihre Berichterstattung zu russischer Einflussnahme auf den US-Wahlkampf.

Musikpreis für Rapper Kendrick Lamar

Ebenfalls als klare politische Stellungnahme für obrigkeitskritischen Journalismus waren die weiteren Preise zu verstehen, etwa das Aufdecken der sexuellen Belästigung durch den republikanischen Senatskandidaten Roy Moore. Berichte über die soziale Lage der afroamerikanischen Bevölkerung und Rassismus wurden mit mehreren Preisen für nationale und lokale Reportagen in Wort und Bild bedacht.

Vergeben wurden zudem die Preise in sieben künstlerischen Disziplinen. Als bestes Buch des Jahres wurde dabei etwa "Less" von Andrew Sean Greer ausgezeichnet. Das humorvolle Buch handelt von einem Antihelden, der sich im Leben von Einladung zu Einladung durchschlägt, um sich nicht seiner Verbitterung über gescheiterte Lebenspläne stellen zu müssen. In der Musik-Kategorie obsiegte Rapper Kendrick Lamar mit seinem Album "Damn", das mit Virtuosität und Authentizität überzeugt habe und die Komplexität des afro-amerikanischen Lebens heute darstelle.

0 Kommentare

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

* Pflichtfelder
Netiquette auf HORIZONT online

Das könnte Sie auch interessieren