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Post Verlagsevent 2017 im Zeichen der digitalen Disruption

Medienexperte Stefan Gröner
© Gregor Nesvadba

Aufschlussreiche Vorträge rund um die Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf die Medienbranche gab es beim jährlichen Post Verlagsevent im Wiener k47.

"Sie hätten dabei sein müssen", hieß es auf der Einladung zum Post Verlagsevent 2017. Wer dann wirklich dabei war, konnte sich auf viele spannende Gedanken rund um das Thema "Digitale Disruption" freuen. In der Wiener Eventlocation "k47" erklärte Thomas Auböck, Leitung Marketing & Vertrieb Geschäftskunden Österreichische Post, mit einem Augenzwinkern das Motto des Abends: "Es gibt heute kaum eine Veranstaltung ohne 'Digital' oder 'Disruption' - wir haben die beiden einfach kombiniert".

Post-Vorstand Walter Hitziger erläuterte die Auswirkungen der Digitalisierung auf sein Unternehmen: Zum einen komme es zu einer Substitution - "Manche Teile werden wegschmelzen wie der Schnee - nicht in drei Wochen, aber auch nicht in 30 Jahren", meinte er. Zum anderen sei die Digitalisierung von den Auswirkungen her mit dem Aufkommen des elektrischen Stroms zu vergleichen. Sie stehe für große Veränderungen, könne aber auch ein nutzbares Werkzeug sein. Darauf könnte man neue Geschäftsmodelle errichten, wie etwa mit adverserve.

Helmut Hanusch, VÖZ-Vizepräsident und VGN-Generalbevollmächtigter, betonte danach zunächst die Bedeutung von Print in Österreich. In nur wenigen Ländern der Welt seien Kaufmagazine und Kaufzeitungen so stark wie in Österreich. "Es war schon mal mehr, aber wir haben die Konkurrenz deklassiert", meinte Hanusch. Grund dafür sei vor allem das hohe Vertrauen, das sich die Medien aufgebaut hätten. Auch bei den "Digital Natives" sei Print das wichtigste Medium für Politik, Wirtschaft und Chronik. Hanusch formulierte dann auch seine Wünsche an die kommende Regierung. Vor allem hätte er gerne schnelle Maßnahmen - und zwar mit Fairness und gleichen Wettbewerbsmöglichkeiten. So sollte es beim Datenschutzgesetz und bei der Besteuerung gleiche Voraussetzungen für heimische Unternehmen und internationale Großkonzerne wie Google und eine einheitliche Besteuerung aller Medien, unabhängig vom Vertriebsweg, geben.

Buchdruck als Parallele
Im "Main Event" des Abends setzte sich Stefan Gröner mit dem Thema "Digitale Disruption" auseinander. Der Professor für Medienmanagement und Business Strategy an der Münchner Hochschule Fresenius arbeitete schon in den größten Medienhäusern Deutschlands wie Bauer Media und Gruner + Jahr. Ein Vorgang wie die Digitalisierung sei nichts Neues, zog Gröner Parallelen zur Erfindung des Buchdrucks. Auch dieser hätte gravierende Veränderungen etwa für die königlichen Hofschreiber gebracht, weil der König seine Verlautbarungen schneller und effizienter weitergeben wollte. Heute würde der "König in den USA" seine Dekrete via Twitter verlautbaren, zog Gröner die Entwicklungskurve mit einem kleinen Seitenhieb an Donald Trump weiter.

Am Beispiel der Musikkassette und BASF sowie Nokia zeigte Gröner die Fehler auf, die in einem solchen Wandel passieren können. Vor allem dürfe man nicht in Selbstzufriedenheit mit Gedanken wie "Nur wir wissen, wie man den Markt bearbeitet" oder "Nur wir kennen die wirklichen Bedürfnisse unserer Kunden" verfallen. Auch sollte man davon Abstand nehmen, Entwicklungen nur aus dem bestehenden Produkt heraus zu überlegen. Ein Automobil sei auch etwas anderes gewesen als nur schnellere Pferde. "Man kann die Zukunft nicht voraussagen, aber vorausdenken", meint Gröner. Schlüssel zum Erfolg sei, die Zielgruppenbedürfnisse der Kunden im Auge zu behalten - für Medien seien das vor allem glaubwürdige journalistische Inhalte. Einfache News hätten keinen Wert mehr, aber es gebe eine Bereitschaft, für qualitativen Journalismus zu bezahlen. Wesentliche Faktoren bei der Zukunftsausrichtung seien etwa ein Fokus auf Mobile, eine konsequente und harte Paywall und vor allem Mut zur Veränderung. "Jetzt ist die Zeit zu handeln", schloss Gröner.

Thomas Auböck, Walter Hitziger und Helmut Hanusch (v.l.) - © Gregor Nesvadbar

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