Pläne der Post: Von Logistik-Lösungen bis zu Beteiligungen

Die Post-Vorstände Walter Hitziger und Peter Umundum über zu kompensierende Umsätze, Potenzial von Drohnen und die Strategie bei Unternehmensbeteiligungen.

Dieses Interview ist zuerst in Ausgabe Nr.49 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

HORIZONT: Der Umsatz in der Division Brief ist im ersten bis dritten Quartal 2017 um 2,3 Prozent zurückgegangen. Umsätze mit dem Paket mit einem Plus von 17,8 Prozent sollen dies kompensieren. Gelingt das?

Walter Hitziger: Wir konnten aufgrund der neuen Produktstruktur und der vermehrten Zustellung von „Päckchen“ positive Mix-Effekte erzielen und im 3. Quartal einen zusätzlichen Umsatz aufgrund der Nationalratswahl erwirtschaften. Gleichzeitig setzt sich der Basistrend von minus fünf Prozent bei adressiertem Briefvolumen fort. Die Post ist im Briefbereich und im Filialnetz gefordert, ihr Leistungsangebot an aktuelle Kundenbedürfnisse anzupassen. Als positives Beispiel kann hier sicherlich der E-Brief hervorgehoben werden. Es ist ein internationaler Trend erkennbar, die Wahlfreiheit für Kunden zu erhöhen und Briefprodukte mit längeren Laufzeiten anzubieten. Auch diesen Anforderungen gilt es in Zukunft Rechnung zu tragen. Wir sind bestrebt unser Angebot laufend weiterzuentwickeln, um unsere Position als Nummer eins am österreichischen Markt auszubauen.

Welche Rolle spielt denn der E-Brief in Ihrer Strategie?

Walter Hitziger: Der E-Brief ist unsere Antwort auf den Wunsch der Empfänger, wichtige Dokumente durch ein elektronisches Ablagesystem rasch und einfach zu verwalten. Unser USP ist, dass Kundinnen und Kunden zum ersten Mal selber wählen können, ob sie eine Information elektronisch oder physisch empfangen möchten. Zudem garantieren wir dem Versender eine sichere, rasche und kosteneffiziente Kommunikation. Unsere Innovationen, wie die Integration des E-Briefkastens in die Post-App oder eine Bezahlfunktion, werden von unseren Kunden sehr geschätzt – das zeigen die Zahlen: Wir verzeichnen zehn Monate nach Start bereits über 110.000 Endkunden und sind damit der größte Player am privaten Sektor. Trotz des Zuspruchs wird diese Innovation natürlich den Rückgang der bisherigen Umsätze nicht kompensieren können, stellt aber wichtige Weichen für veränderte Spielregeln in der Zukunft.

Die Weihnachtszeit ist aufgrund der Brief- und Paketmenge eine logistische Herausforderung. So beträgt die durchschnittliche Paketmenge über 500.000 Sendungen pro Tag. Wie rüstet sich die Post für Weihnachten?

Peter Umundum: Wir verzeichnen eine Steigerung der Paketmengen zwischen zehn und 20 Prozent Monat für Monat gegenüber dem Vorjahr. Einen zusätzlichen Anstieg der Mengen merken wir bereits Ende Oktober, im Advent sind es an manchen Tagen fast doppelt so viele Pakete wie im Jahresschnitt. Für den Großraum Wien wurde ein zusätzliches Verteilzentrum in Betrieb genommen. Wir haben für diese Spitzenzeiten unser Personal aufgestockt und arbeiten zudem mit externen Partnern zusammen. Mit mittlerweile 370 SB-Zonen in den Postfilialen und 22.000 Empfangsboxen in den Wohnhausanlagen ermöglichen wir ein Abhol- und Versandservice rund um die Uhr – diese Services unterstützen uns zusätzlich im Weihnachtsgeschäft. Neben den Investitionen in unsere Infrastruktur auf der letzten Meile werden wir auch massiv in unsere Infrastruktur in den Verteilzentren investieren. Unsere jährlichen Investitionen belaufen sich auf rund 100 Millionen Euro.

Investiert wurde auch ins digitale Leistungsportfolio mit shöpping.at – Ihr Fazit für 2017? Und wie geht es mit dem Onlinemarktplatz 2018 weiter?

Peter Umundum: Natürlich gab es in der Planung konkrete Zielvorstellungen. Seit dem Start im April ist es shöpping.at gelungen, sich am Markt zu etablieren. Mit den neuen Themen- und Erlebniswelten wurde das Leistungsspektrum nun zusätzlich attraktiviert. Mittlerweile sind mehr als 200 Händler mit über einer Million Produkten auf der Plattform vertreten – in den kommenden Monaten möchten wir uns auf den weiteren Ausbau des Produktsortiments fokussieren. Bereits mehrere 10.000 Österreicherinnen und Österreicher haben das shöpping.at-Angebot genutzt, eine Prime-Nutzerschaft sehen wir aktuell nicht vor.

Um Innovationen voranzutreiben, braucht es auch geschultes Personal. So leiten seit dem Sommer zum Beispiel Post-Lehrlinge eigenständig eine Filiale in Innsbruck. Welche Maßnahmen setzt das Unternehmen noch, um sich Fachkräfte für die Zukunft zu sichern?

Walter Hitziger: Wir investieren nachhaltig in die Qualität unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Individuelle Förderung passiert durch gezielte Aus- und Weiterbildung, Fachschulungen, Coachings und Trainings in allen Fachbereichen. Wir schulen seit 2012 Führungskräfte durch spezielle Trainings im Rahmen unserer Führungsakademie. Zudem ist es auch unerlässlich, neue Wege im Recruiting zu gehen, wie beispielsweise soziale Netzwerke verstärkt zu nutzen und intensives Employer Branding zu betreiben. Auch unsere „High-Potentials“ erhalten die Möglichkeit, sich in unterschiedlichen Trainingsmodulen intensiv mit Management- und Führungsthemen zu beschäftigen und sich weiterzuentwickeln.

Im Oktober hat erstmalig ein autonomes E-Fahrzeug im Alleingang in der Grazer Innenstadt Pakete zugestellt. Wie geht es mit der autonomen Zustellung 2018 weiter?

Peter Umundum: Grundsätzlich glaube ich, dass sich „autonomes Fahren“ in der Logistik durchsetzen wird – die Frage ist wo und wann. In der Grazer Innenstadt haben wir gemeinsam mit unseren Partnern in einem Praxistest einen Elektro-Jetflyer erfolgreich umgebaut und mit entsprechender Technik versehen, um Pakete selbstständig und fahrerlos zu seinem Ziel zu navigieren. Es gibt dazu viele Initiativen und die autonome Zustellung ist vor allem im Bereich der Citylogistik ein großes Thema.

Welche Transport- und Logistiksysteme werden 2018 für die Post weiterhin eine große Rolle spielen?

Peter Umundum: Wir beschäftigen uns intensiv mit den Möglichkeiten neuer, innovativer Zustellformen. Der Lebensmittelversandhandel beispielsweise entwickelt sich durchaus positiv. Der Anteil von E-Commerce-Sendungen am Handelsumsatz beträgt derzeit circa elf Prozent, die Lebensmittelzustellung macht jedoch aktuell noch weniger als ein Prozent aus – hier besteht noch enormes Wachstumspotenzial. Die Kofferraumzustellung ist aktuell eher im B2B-Bereich ein Thema. Wir haben gesehen, dass die technische Umsetzung sowohl in der Zustellung mit Drohnen als auch mit einem autonomen Fahrzeug gut funktioniert. Rechtliche Rahmenbedingungen, aber auch Themen wie zum Beispiel Schlechtwetter, stellen hier noch Hürden dar. Drohnen in der Paketmassenzustellung sehe ich in absehbarer Zeit noch nicht. Den nächsten Schritt bei „autonomem Fahren“ erwarten wir in den Bereichen der Inhouse-Logistik und Platooning, den übernächsten in der Zustellung.

Sie haben im Frühjahr von einer weiteren Innovation im Bereich Lebensmittelboxen, die Ende 2017 spruchreif werden sollte, gesprochen. Wie ist der Status zu „Freeze“?

Peter Umundum: Mit unserem Same-Day-Delivery-Service in den Ballungsräumen garantieren wir seit 2015 sichere Lebensmittelzustellung noch am selben Tag. Wir stellen Lebensmittel in der Regel österreichweit innerhalb von 24 Stunden zu, seit April 2017 gibt es eine Kooperation mit Metro, für die dieses Service noch ausgebaut wurde und Lebensmittel für die Gastronomie binnen drei Stunden von der Post – vorerst im Großraum Wien – geliefert werden. Bislang haben wir Trockenware sowie gekühlte Ware zugestellt, mit einer speziellen Tiefkühlbox, die wir mit einem Partner bereits erfolgreich getestet haben, möchten wir zukünftig auch Tiefkühlwaren rasch und sicher transportieren – wir rechnen hier mit einem marktreifen Produkt Mitte 2018.

In diesem Jahr beteiligte sich die Österreichische Post an einigen Unternehmen wie der adverserve oder ACL. Sind weitere Übernahmen für 2018 geplant?

Walter Hitziger: Die Erweiterung unserer Beteiligungen ist Teil der Strategie, um unser Angebot auszubauen und verstärkt in wachsende Märkte einzusteigen. Mit der stufenweisen Übernahme von adverserve gelingt es uns, aufbauend auf unseren Erfolg als Marktführer im physischen Prospektmarkt, unsere Kompetenzen auch im Bereich der digitalen Werbung weiter zu stärken.

Peter Umundum: Wir haben in den vergangenen Jahren unsere Kompetenzen entlang der gesamten logistischen Wertschöpfungskette ausgebaut und mit Beteiligungen vertiefen wir auch bereits vorhandenes Know-how. Mit unserer Aufstockung der Beteiligung an ACL erweitern wir unser Leistungsportfolio im Thema IT- und Logistiklösungen, insbesondere für den Handel.

Die Post richtet auch Awards, darunter den Post Prospekt Award, regelmäßig aus. Welche Bedeutung haben diese Preisverleihungen insgesamt?

Walter Hitziger: Die Preisverleihungen sind ein Zeichen der Wertschätzung, damit holen wir besondere Leistungen vor den Vorhang. Den Post Prospekt Award gibt es bereits seit elf Jahren und ist ein Dankeschön an unsere Kunden, die uns jedes Jahr aufs Neue ihr Vertrauen schenken und ihre Flugblätter österreichweit durch die Österreichische Post zustellen lassen. Das Absatzplus von 4,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zeigt deutlich, dass dieses Werbemedium für die österreichische Handelslandschaft von wichtiger Bedeutung ist. Kein anderes Werbemedium erreicht zwei Mal die Woche rund 6 Millionen Konsumenten. Mit dem kuvert bringt die Post die Flugblätter verlässlich vor die Haustüren der Österreicherinnen und Österreicher.

Peter Umundum: Auch das Engagement der Post selbst wird honoriert und unsere Initiativen wurden bereits mehrfach ausgezeichnet. Nachhaltiges Engagement steht im Zentrum des Handelns der Österreichischen Post, und das erfolgreich seit vielen Jahren. So erhalten wir jährlich eine Bestätigung des TÜV Austria für unsere CO2-neutrale Zustellung. Die Zertifikate über die Kompensation der CO2-Emissionen geben wir auch an zahlreiche Kunden weiter – insgesamt vergab die Post in den vergangenen sechs Jahren rund 3.600 Zertifikate an ihre Großkunden, auch heuer wurden wieder circa 400 verliehen. Damit nehmen wir eine Vorreiterrolle in der „grünen Logistik“ ein und sehen, dass viele Unternehmen – in der Branche und darüber hinaus – unserem Beispiel folgen.

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