Petra Hauser verlässt die media.at

Geschäftsführerin Petra Hauser verlässt die zweitgrößte Mediaagentur des Landes. Wie es mit dem Verkauf weitergeht, bleibt unklar.

Nachdem es zuletzt ruhig um den Verkauf der media.at geworden war, gewinnen die Ereignisse um die Mediaagentur nun wieder an Brisanz: Petra Hauser, Geschäftsführerin der media.at-Agenturgruppe, legt ihre Funktion zurück. Hauser scheidet auf eigenen Wunsch aus dem Unternehmen aus. Hauser lenkte die Geschicke der Agentur, die laut Focus im letzten Jahr Schaltvolumina von 382 Millionen Euro brutto verantwortete, seit Februar 2012. Wer ihr an der Spitze nachfolgen wird, ist noch unklar.

Eigentümer hält sich bedeckt

Herbert Messinger, Direktor Kommerzkunden bei der Bawag, und zugleich Vorsitzender des Aufsichtsrats der media.at, lies auf HORIZONT-Nachfrage ausrichten: „Die bisherige Geschäftsführerin der media.at-Agenturgruppe, Petra Hauser, verlässt Ende Oktober 2016 auf eigenen Wunsch und im gegenseitigen Einvernehmen mit ihrem Arbeitgeber das Unternehmen, um sich neuen beruflichen Herausforderungen zu widmen, wird dem Unternehmen jedoch noch bis 31.12.2016 zur Verfügung stehen.“ Hauser selbst wollte ihren Abgang nicht kommentieren.

Über die Nachfolge in der Geschäftsführung würden, so Messinger, Gremien der media.at in den nächsten Tagen die entsprechenden formalen Beschlüsse fassen, „wir können daher im jetzigen Zeitpunkt darüber keine Auskunft geben, bitte um Verständnis“. Messinger hatte die Position des Eigentümervertreters im März 2016 von Peter Karst übernommen. Auch jetzt, im Zuge des Abgangs in der Geschäftsführung, wollte Messinger wie schon bei Bekanntwerden des Verkaufsprozesses in diesem Jahr weder den Verkauf noch dessen Verlauf kommentieren.

Verkaufsprozess weiter unklar

Anfang März war ja bekannt geworden, dass die Eigentümer der Agentur diese zum Verkauf offerieren. Die media.at steht demnach wie berichtet seit Mitte Februar zum Verkauf, das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG begleitet den Verkaufsprozess. Bei den Eigentümern sind vor allem Bawag und A1 Treiber des Verkaufs. Bei der Bank dürften Vorschreibungen nach Basel III den Verkaufswunsch forcieren, bei der A1 liegt der Fokus auf dem Kerngeschäft Telekommunikation.

Die anderen beiden Eigentümer, Lotterien und Post, dürften dem Vernehmen nach dem Verkauf neutral gegenüberstehen. Ein Verkauf bedarf einer einheitlichen Linie – und auch des Commitments der vier Eigentümer, Etats auf mehrere Jahre an die media.at samt etwaigem Käufer zu binden, was zum Thema des Kaufpreises führt. Denn ein potenzieller Käufer erwirbt neben einigen Markenrechten und den Mitarbeitern im Prinzip vor allem die Übernahme der Media-Etats der Eigentümer Bawag, A1, Lotterien und Post.

Diese müssten folgerichtig zusichern, diese Etats auch für einen gewissen Zeitraum zu binden. Andernfalls wäre ein Kauf nicht reizvoll. Branchenexperten gehen davon aus, dass aktuell 50 bis 70 Prozent der Etats der media.at von den Eigentümern stammen; den Rest auf 100 Prozent komplettieren andere Kunden wie Hofer oder kika-Leiner.

Verkauf schon öfters ein Thema

Im April diesen Jahres haben potenzielle Käufer ihr Interesse an der media.at bekundet. Konkrete Namen waren nie zu hören, Stillschweigen für alle Beteiligten verpflichtend und großgeschrieben. Von in etwa zwei Dutzend potenziellen Interessenten war damals zu hören. Ob und wer tatsächlich in eine nächste Bieterrunde ging oder gar ein konkretes Angebot einreichte, ist nicht bekannt. Die Gerüchte über den Verkauf verdichteten sich schon im August 2015.

Und bereits vor fünf Jahren stand ebenso ein Verkauf im Raum. Als etwaige Bieter gelten die GroupM, die mit ihren Agenturen MediaCom, Mindshare, MEC und Maxus bereits eine beachtliche Stellung im Markt innehat. Auch Marktbegleiter wie die OMD oder das Dentsu Aegis Network waren immer wieder als potenzielle Käufer genannt worden – ebenso wie finanzkräftige Einzelpersonen und Investoren. 

Die Agentur: von 1975 bis Heute

Die 1975 als OmniMedia gegründete Agentur hält eine besondere Rolle am Markt inne: Einerseits ist sie eine der wenigen im österreichischen Besitz befindliche Mediaagenturen, andererseits ist sie die einzige, die zugleich im Eigentum ihrer Kunden steht. So halten die österreichischen Lotterien 26,98 Prozent, die Bawag P.S.K. 26,3 Prozent, A1 25,32 Prozent, die Post 20,45 Prozent und die Industriellenvereinigung 0,95 Prozent.

Der Großteil der Werbeetats stammt aus Geschäften mit diesen vier Unternehmen. Geprägt wurde die Agentur durch die jahrzehntelange Führung von Paul Schauer, in dessen Zeit die vier Großeigentümer an Bord geholt wurden. Schauer strukturierte in den 80er-Jahren das Media-Business neu und holte die Mediaetats in die Agentur.

In den 90er-Jahren erfolgte die Beteiligung an der MediaSelect, die 2006 gemeinsam mit der OmniMedia unter das neu geschaffene Dach Namens media.at geholt wurde. 2012 zog sich Schauer zurück und übergab an Petra Hauser. Unter dem Dach der media.at-Agenturgruppe agieren heute die 100-prozentigen Töchter OmniMedia und mediastrategen (ehemals MediaSelect) sowie die Digitalagentur pilot@media.at, an der die media.at 51 Prozent, der Joint-Venture-Partner pilot Hamburg 49 Prozent hält.

Zur Person Petra Hauser:

Petra Hauser studierte Betriebswirtschaftslehre an der Berufsakademie Mannheim und Kommunikationswissenschaften an der Universität der Künste Berlin. An der Harvard Business School in Boston absolvierte sie das Executive Programme „Driving Digital and Social Strategy“.

Ihre Karriere startete Hauser bei Bertelsmann, wo sie als Projektleiterin für den Vorstand Elektronische Medien in Hamburg agierte, später als Head of Radio Development bei der CLT-UFA mit der Verantwortung von 23 Radiosendern europaweit. Nach Österreich führte sie der Aufbau des Radiosenders 92.9 RTL Wien. Vor ihrer Tätigkeit bei der media.at war sie Geschäftsführerin von Sat.1 Österreich. Im im Februar 2012 übernahm sie als Geschäftsführerin die media.at-Gruppe.

[]

Kommentare

2 Postings

  • Augustin Ohdulieber
    Hollt endlich Ilona Happel in die Geschäftsführung zurück!!!!!!!!!!
  • Martin Major
    Ich rate mal: dieser Kuchen wird filetiert.
Diskutieren Sie mit

Neuen Kommentar schreiben

* Pflichtfelder
Netiquette auf HORIZONT online