ORF III erhält deutlich mehr Budget

Der Kultursender darf heuer 13 Millionen Euro ausgeben, bislang lag das Budget bei sieben bis acht Millionen Euro.

„Mehr Programm für Österreich“ lautet 2016 das Motto des Kultur- und Informationssenders ORF III. Ein Schwerpunkt zur Bundespräsidentenwahl, die Talk-Reihe „Die Runde der Chefredakteure“, Zeitgeschichte-Dokus, der Kulturfestival-Sommer, eine Neuauflage von „100 Meisterwerken“ oder das neue Format „GartenKULT“ zählen dabei zu den Höhepunkten der aktuellen Programmsaison.

„Von den Inhalten her wurden klassische Formate und Erfolgswerke wie 'Die Runde der Chefredakteure' oder '100 Meisterwerke' neu interpretiert, und an neuen Formaten, die das Potenzial zum Klassiker haben, weiter gearbeitet“, erklärte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz anlässlich der ORF III-Programmpräsentation am Dienstag im Gespräch mit der APA. Für den ORF-Chef, der sich im Sommer der Wiederwahl stellt, ist der 2011 gestartete Spartensender die „wichtigste und erfolgreichste Programminnovation“ der laufenden Geschäftsperiode.

„Es ist gelungen, eine starke Kulturmarke zu schaffen.“ Im Februar brachte es ORF III laut Wrabetz auf durchschnittlich 660.000 Zuschauer täglich. „Das ist der bisher höchste Wert. 2015 haben wir uns von 1,3 auf 1,6 Prozent gesteigert, was in einem sehr umkämpften Fernsehmarkt eine außerordentliche Leistung ist, auch wenn bei einem Kultursender der Marktanteil nicht entscheidend ist“, so Wrabetz. ORF III habe sich damit nicht nur eine Position als „Heimatsender der kultur- und informationsinteressierten Österreicher etabliert, sondern die strategische Positionierung der ORF-Fernsehflotte insgesamt wesentlich verbessert. Unsere Unverwechselbarkeit sowie uns Kultur- und Informationsprofil wurden deutlich ausgebaut.“

„Es gibt schon noch Potenziale“

Dafür gibt es heuer auch mehr Budget: Zuletzt konnte Senderchef Peter Schöber zwischen sieben und acht Millionen Euro ausgeben. Nun bestätigt Wrabetz: Heuer liegt das Budget bei etwa 13 Millionen Euro. Die Mitarbeiterzahl des Senders wurde von 20 zum Start auf aktuell 34 erhöht. „Das ist ein sehr gutes Team, das einen großen Programm-Output stemmt“, meinte der ORF-General. Insgesamt zeige die Entwicklung, dass die personelle Aufstellung mit Peter Schöber als „hervorragendem Channel Manager“ und Eva Schindlauer als „starker kaufmännischer Frau für die ökonomischen Geschicke des Senders“ richtig war. „Trotz der limitierten Möglichkeiten haben wir den Sender auch finanziell und personell auf eine gewisse Reiseflughöhe gebracht. Das soll kontinuierlich fortgesetzt werden. Es gibt schon noch Potenziale, wo wir mit zusätzlichen Eigenproduktionen punkten können“, sagte Wrabetz.

So soll ORF III spätestens nächstes Jahr um ein modernes Wissenschaftsmagazin erweitert werden. Neben der „Runde der Chefredakteure“ soll es auch einen Wirtschafts-Talk geben. Und dann möchte Wrabetz den legendären „Kurier“-Chefredakteur und ORF-Chefkommentator Hugo Portisch davon überzeugen, dass dieser seine vor kurzem erschienene Autobiografie „Aufregend war es immer“ für ORF III als Dokumentation gestaltet.

Programmschwerpunkt zur Bundespräsidentenwahl

Zunächst steht freilich die aktuelle Programmsaison an: Zur Bundespräsidentenwahl gibt es dabei einen Programmschwerpunkt. In der dreiteiligen Zeitgeschichte-Reihe „Baumeister der Republik - Die Bundespräsidenten“ werden die Staatsoberhäupter der Zweiten Republik porträtiert. Präsentiert wird das Format vom Schauspieler Cornelius Obonya. Nach der „Elefantenrunde“ mit den Bundespräsidentschaftskandidaten am 21. April gibt es im Anschluss auf ORF III die erste Ausgabe der „Runde der Chefredakteur“. Der Talk wird künftig abwechselnd von ORF III-Chefredakteur Christoph Takacs und vom Journalisten Peter Pelinka moderiert. Zur Amtsübergabe im Juni folgt die Fortsetzung von André Hellers „Menschenkinder“ mit dem scheidenden Präsidenten Heinz Fischer im Gespräch.

Weitere Highlights: mehrteilige Dokus über „Österreichische Wahrzeichen“, den Wiener Prater, Wiener Palais und die Pummerin, die Neuauflage der Produktion „100 Meisterwerke“, in der Michael Köhlmeier und Sabine Haag die Schätze des Kunsthistorischen Museums präsentieren, ein sechsteiliger Streifzug durch Österreichs Weinkultur („Warum Wein?“) mit Thomas Maurer oder die Kleinkunstreihe „Kabarett im Turm“. Daneben frönt ORF III ab kommenden Samstag auch dem Landlust-Trend. In der neuen zehnteiligen Vorabend-Reihe „GartenKULT“ geht es raus in Garten und Natur. Der Gärtner Josef Starkl plaudert aus dem botanischen Nähkästchen, während Moderatorin Katharina Gritzner im Look der 1950er-Jahre durch verschiedene Gärten führt und mit diversen Gästen - vom Bienenzüchter bis zur veganen Köchin - spricht.

Wrabetz betonte anlässlich der Programmpräsentation neben der Kulturvermittlungsplattform ORF III auch die Bedeutung als „zusätzliche Plattform für Aufarbeitung der Zeitgeschichte“. So zeigt der Sender ab Mai etwa eine dreiteilige Doku über die Geschichte der Außenlager des Nazi-Konzentrationslagers Mauthausen. „Hier geht es nicht nur um das Lager Mauthausen, sondern um das System Mauthausen. Gerade in Zeiten, wo es bis in die höchste Justiz offenbar ausreichenden Informationsbedarf gibt, ist diese Dokumentation besonders wichtig“, meinte Wrabetz in Anspielung auf eine kürzlich erfolgte Entscheidung der Staatsanwaltschaft, in der die Einstellung eines NS-Wiederbetätigungsverfahrens damit begründet wurde, dass es nachvollziehbar sei, dass die Freilassung mehrerer tausend Menschen aus Mauthausen eine „Belästigung gegen die betroffenen Gebiete Österreichs“ gewesen sei.

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