ORF-DialogForum: „Content is king, but context is god“

Im Rahmen des ORF-DialogForums zum Thema „Fakten“ debattierte ein prominentes Podium über Fake News und die Rolle, die Medien, Journalisten und der Wissenschaft dabei zukommt.

Der Begriff „Fake News“ wird derzeit heftig diskutiert. Aufgrund von Falschmeldungen und manipulativen „Nachrichten“ haben Medien bereits seit geraumer mit einem Glaubwürdigkeitsdefizit und Vertrauensverlusten zu kämpfen. Was Medien leisten müssen, um wieder an Glaubwürdigkeit und Vertrauen zu gewinnen, was Medienkonsumenten tun können, um den Wahrheitsgehalt einer Nachricht zu verfifizieren und welchen Beitrag die Wissenschaft dazu leisten kann, darüber diskutierte ein prominentes Podium in sechs „Zwiegesprächen“ im Rahmen des ORF-DialogForums zum Thema „Fakten“. Als Podiumsgäste konnten der Kommunikationswissenschatler Matthias Karmasin, Richard Schmitt, Chefredakteur von Krone.at, Franziska Tschinderle, Journalistin bei „Datum“ und Lisa Totzauer, Nachrichtenchefin von ORF eins, gewonnen werden. Die Keynote hielt Marc Abrahams, Erfinder des „IGNobel-Preises“. Moderiert wurde die Veranstaltung von Konrad Mitschka (ORF Public Value).

In der Debatte über Fake News sei es „die Aufgabe von Journalisten, diese zu thematisieren und in irgendeiner Weise zu kontextualisieren“, sagt Franziska Tschinderle. Um Fake News entgegen zu wirken, gehe es laut Tschinderle darum, Hintergründe zu beleuchten und sich die Zeit für tiefgehende Recherche zu nehmen - was bei einem Monatsmagazin wesentlich einfacher sei, als bei einer Tageszeitung. Anders sieht das Richard Schmitt: „Die Dauer einer Recherche würde ich nicht als Maßeinheit nehmen, ob etwas stimmt oder nicht.“ Allerdings räumt Schmitt auch ein, dass in den Redaktionen „enormer Zeitdruck“ und eine „schwierige Konkurrenzsituation“ herrsche, „da sind wir wirklich gefordert“.

Raus aus der Filterbubble

Um als Medienkonsument herauszufinden, welche Nachrichten stimmen und welche nicht, rät Matthias Karmasin, „wachsam zu sein, mehrere Quellen zu nutzen und aus dieser Wohlfühl-Filterbubble rauszugehen“. Aber auch die Medien selbst seien hier laut Laut Totzauer in die Pflicht zu nehmen: Es gehe nicht darum, immer der Erste mit einer Nachricht zu sein. „Wir müssen uns nicht treiben lassen und rennen wie die Wahnsinnigen, nur weil irgendeine Geschichte auf Facebook 5.000 Klicks hat.“ Apropos Facebook: Hier gelte es, die junge Zielgruppe „abzuholen und an Qualitätsmedien heranzuführen“, so Totzauer.

Dass Medien bereits seit geraumer Zeit mit einem Glaubwürdigkeitsdefizit und Vertrauensverlusten zu kämpfen haben, ist unbestritten. Aber was dagegen tun? Damit Medienkonsumenten wieder Vertrauen in Medien gewinnen „ist es wichtig, dass jedes Medium kommuniziert, auch wie eine Geschichte zustande kommt“, sagt Tschinderle. Was es braucht, ist Transparenz, das sei laut Totzauer eine inhaltliche und wirtschaftliche Notwendigkeit. „Ich bin auch dafür, möglichst transparent vorzugehen. Die Herausforderung ist, kommunikative Wege zu finden, wie wir eben diese Glaubwürdigkeit und dieses Vertrauen zurückgewinnen“ so Totzauer.

Die Aufgabe der Wissenschaft

Auch die Wissenschaft könne ihren Teil dazu beitragen, um Fake News aus der Welt zu schaffen. Diese müsse laut Karmasin allerdings neue Wege finden, um Wissenschaft zu vermitteln: „Wissenschaft lebt nicht davon, dass man viele Klicks auf Facebook hat.“ Hier würde diese auch in Gefahr laufen „zu popularisieren und zu trivialisieren“. In seinem Schlusswort appelliert Karmasin darüber hinaus, wieder mehr die Zusammenhänge einer Nachricht in den Fokus zu rücken: „Content is king, but context is god.“

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