OÖ: Viel Potenzial für Lokal

Regionale Gratismedien und Tageszeitungen punkten bei Oberösterreichs Printkonsumenten. Welche Pläne die Verantwortlichen für die Zukunft haben.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 45 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

In den vergangenen Jahren hat Oberösterreich stark an seinem Image als Wirtschafts- und Innovationsstandort gearbeitet. Das Faktum, dass bei den angemeldeten Patenten mit 616 Erfindungen das Land ob der Enns Nummer eins im Jahr 2016 war, hob auch Kurier-Geschäftsführer Thomas Kralinger bei der Präsentation des neuesten Sondermagazins des Hauses hervor. In Oberösterreich laufe „der Antriebsmotor für eine starke und wettbewerbsfähige Wirtschaft auf Hochtouren“. Mit dem Hochglanzprodukt „Oberösterreich – Blick ins Land“ wolle man „diesen Entwicklungen gerecht werden“, meint Kralinger. Auf 148 Seiten stehen unter anderem prominente Oberösterreicher wie Rapper Skero oder Haubenkoch Christian Petz im Mittelpunkt der Berichterstattung.

Doch nicht nur die Wirtschaft, auch die Medienlandschaft ist in Oberösterreich stark aufgestellt. Besonders lokale Medien mögen die Leser hier besonders. Die Gratismedien Tips und Bezirksrundschau erreichten in der jüngsten Media-Analyse Reichweiten von deutlich über 60 Prozent. Beim Reichweitensieger Tips hat Josef Gruber nun schon seit 15 Jahren als Geschäftsführer und Chefredakteur in Personalunion das Ruder in der Hand. „Schlägt man unsere Zeitung auf oder informiert sich online unter tips.at, findet man viele exklusive Nachrichten aus der Region. Unsere Leser erfahren sofort, welche Neuigkeiten es in ihrem direkten Umfeld gibt“, erklärt er das Erfolgsrezept. Zudem seien die Redakteure besonders gut in der Region vernetzt und könnten so Informationen aus erster Hand bieten. Das erleichtere es, das Paradox zu nutzen, dass es leichter sei, sich über Vorgänge des Weltgeschehens zu informieren als über Geschehnisse aus dem eigenen Heimatort. Das Konzept „total regional“ werde man auch in den kommenden Jahren als Richtlinie behalten.

Kein Ende in Sicht
„Aus dem Bezirk – für den Bezirk“ ist auch das Motto der Bezirksrundschau, die seit fast zehn Jahren unter dem Dach der Tiroler Moser Holding den oberösterreichischen Markt bedient – und das mit Erfolg. In der Media-Analyse 16/17 gab es ein signifikantes Plus und die 60-ProzentMarke wurde deutlich geknackt. Auch hier betont man den Vorzug, Mitarbeiter vor Ort in den Regionen zu haben. Das Ende der Fahnenstange ist mit dem jüngsten Wachstum aber noch lange nicht erreicht, meint Hermann Petz, Vorstandsvorsitzender der Moser Holding: „Der regionale Medienmarkt in Oberösterreich ist sehr konzentriert. Allerdings bietet er für überzeugende Geschäftsmodelle noch einiges Potenzial“, meint er zum HORIZONT. Die Bezirksrundschau sei beispielsweise mit der Möglichkeit des Werbeumfelds für lokale, regionale und nationale Anzeigenkunden besonders erfolgreich in Oberösterreich. „Das hat in den letzten Jahren für eine besondere Dynamik gesorgt“, zeigt sich Petz zufrieden mit der Entwicklung in Oberösterreich.

Auch die beiden Geschäftsführer der Bezirksrundschau, Martina Holl und Thomas Reiter, sehen noch Raum für Wachstum: „Der regionale Wochenzeitungsbereich hat im Gegensatz zu anderen Gattungen noch viel Potenzial, gerade in der Kombination Regional/Print/Online heben wir uns deutlich vom Mitbewerb ab.“ Das Haus Moser ist in Oberösterreich mit der Oberösterreicherin zudem auch im Magazinsektor vertreten. Auch hier zielt man darauf ab, sich mit regionalem Bezug der Inhalte von anderen Magazinen abzuheben. Mit 7,9 Prozent Reichweite oder 98.000 Lesern gibt man einen bedeutsamen Player ab. „Zusätzlich zur Oberösterreicherin haben die Bundesländerinnen heuer erfolgreich das männliche Pendant, den Oberösterreicher gelauncht“, merkt Petz an.

Bei den Kauftageszeitungen ist Oberösterreich in der Hand von Kronen Zeitung und dem Lokalmatador, den Oberösterreichischen Nachrichten. Beide sind ebenfalls traditionell stark in den Regionen verankert, die OÖN etwa, wie Tips in der Mediengruppe Wimmer beheimatet, bringen sechs Regionalausgaben heraus. Überhaupt erlebten die OÖN bisher ein aufregendes Jahr. Im April fand nach fünf Jahren Vorbereitung der Umzug in den neuen Newsroom, der die elf Standorte im Land ergänzt, statt. Chefredakteur Gerald Mandlbauer zieht gegenüber HORIZONT eine bisher positive Bilanz. Die Redaktion habe sich im Newsroom in den Promenaden-Galerien bereits „gut eingelebt“. Dank der mehrjährigen Planungsphase hätte es auch keine Pannen gegeben. „Gesteuert wird der Newsroom zentral vom Desk aus, unsere bisherigen Ressorts wurden zu Großeinheiten formiert, geblieben aber ist unser zentrales Tun“, resümiert Mandlbauer. „Es geht weiterhin um das gute Geschichtenerzählen, unser „Treibstoff“ ist dabei die regionale Nachricht, die Prinzipien der OÖN (Regionalität, Glaubwürdigkeit, Relevanz) sind in Zeiten von Fake News von noch größerer Bedeutung.“ Für die Zukunft auf dem laut Mandlbauer „aufgrund der vielen Mitbewerber extrem kompetitiven“ Medienmarkt Oberösterreich gibt es bei den OÖN viele Pläne. „Wir werden unsere journalistische Deutungshoheit ausbauen, wir stärken die lokalen Fenster, digital werden wir experimentierfreudig bleiben“, sagt Mandlbauer. Kommen wird etwa eine barrierefreie Zeitung für sehbehinderte Leser, eine verbesserte Verkehrs- und Stau-App für die Pendler und neue Produkte für den Zentralraum. „Es wird uns nicht fad“, schließt Mandlbauer.

Gratiszeitungen erkämpfen Platz
Aber auch für die Gratistageszeitungen bleibt auf dem engen Medienmarkt in Oberösterreich Raum übrig. Österreich und Heute konnten in den vergleichsweise wenigen Jahren, in denen sie damit begonnen haben, die einzelnen Bundesländer zu erschließen, immerhin schon ihren Platz erkämpfen. In der Media-Analyse konnte man sich mit 11,2 Prozent Reichweite (Heute) beziehungsweise 4,8 Prozent (Österreich) stabil halten. Herbert Seipt, Heute-Geschäftsleitung für Marketing und Vertrieb, freut sich gegenüber HORIZONT über einen MA-Aspekt ganz besonders: „In den Ballungszentrum Linz, Wels, Steyr sind wir in den Zielgruppen 14 bis 49 Jahren mit 20,6% Reichweite deutlicher Marktführer bei den Tageszeitungen, vor der Krone und den OÖ Nachrichten. Dort können wir unsere Stärken voll ausspielen“, so Seipt: „Wir sehen uns als junge, urbane Zeitung, die sehr erfolgreich ist. Was die Regionalisierung angeht, haben wir diese in den vergangenen Jahren extrem ausgebaut. Und diesen Weg werden wir weitergehen. Wir sind überzeugt, dass uns dies auch in Zukunft sichert, dass die Leser weiter zu unserer Zeitung greifen werden.“

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