NZZ.at-Einstellung: Das sagt Veit Dengler

Veit Dengler, Chef der NZZ-Mediengruppe, konkretisiert gegenüber HORIZONT die Einstellung von NZZ.at, welche Learnings man mitnimmt und wie es jetzt weiter geht.

Dieser Artikel erschien auch in der HORIZONT-Printausgabe 16/2017 vom 21. April. Hier geht's zum Abo.

Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) dreht ihren Onlineableger in Österreich ab. Das digitale Bezahlprodukt NZZ.at habe seine Ziele im Markt nicht erreicht und werde daher Ende April eingestellt, teilte die NZZ-Mediengruppe mit. „Zur Innovation gehört es auch, etwas zu schließen, wenn es nicht den gewünschten Erfolg bringt, obwohl man es ernsthaft versucht. Wir haben es ernsthaft versucht und hart dafür gearbeitet“, sagt Veit Dengler, Chef der NZZ-Mediengruppe, gegenüber HORIZONT.

Vor zwei Jahren sei man mit „viel Enthusiasmus angetreten, wollte bürgerlich-liberalen und unabhängigen Qualitätsjournalismus für Österreich machen“. Das im Jänner 2015 gestartete Projekt hatte eine durchwachsene Startphase hinter sich. NZZ.at setzte ganz auf bezahlte Onlineabos, die in den ersten Monaten wegen technischer Startschwierigkeiten deutlich hinter den Erwartungen blieben. „Heute bauen wir keine technisch isolierten Produkte mehr, sondern integrieren alle neuen Angebote in unsere bestehende technische Infrastruktur. 2014 waren wir technologisch schlicht noch nicht so weit“, erklärt Dengler.

10.000 Abonnenten peilte das NZZ.at-Team zum Start im ersten Jahr an. Nach einem optischen und inhaltlichen Relaunch im Herbst 2015 lief es besser, die Abozahlen lagen aber weiter unter Plan. Im November des Vorjahres wurde NZZ.at dann einem weiteren Relaunch unterzogen. Hintergrund war die schon länger angekündigte Einbindung in die technische Infrastruktur der Schweizer Mutter NZZ.ch, die damit umgesetzt wurde. „Medienprodukte sind Gewohnheitsprodukte. Es ist klar, dass sie nicht über Nacht erfolgreich werden können. Das zu erwarten, wäre unseriös. Seit der Migration sind die Nutzerzahlen stetig gestiegen - aber doch noch zu langsam“, sagt Dengler.

Ein weiterer Abbau von Personal ging mit dem Relaunch nicht einher. Einschnitte hatte es zuletzt im Frühling 2016 gegeben, als insgesamt neun von 25 Mitarbeitern bis Ende September gehen mussten. Just zu diesem Zeitpunkt gab auch Michael Fleischhacker, seit dem Start als Chefredakteur an Bord, seine Funktion ab. Ihm folgte im November Lukas Sustala, bisher Chef vom Dienst und Wirtschaftsredakteur, nach.

Standort Wien bleibt erhalten

An der Internationalisierungsstrategie im deutschsprachigen Raum will der Schweizer Verlag aber festhalten. „Deutschland und Österreich bleiben wichtige Märkte für uns und wir werden sie in Zukunft noch intensiver bearbeiten. Wir wollen aber nicht auf der grünen Wiese isolierte Plattformen mit eigenständigen Redaktionen aufbauen. Vielmehr werden wir in einem ersten Schritt unsere bestehenden Produkte für die verschiedenen Nutzergruppen anpassen, ausbauen und gezielter vermarkten“, konkretisiert Dengler.

Auch der Standort Wien soll erhalten bleiben. Von Wien aus sind - weitere nicht zu NZZ.at gehörende - Mitarbeiter aus den Bereichen Video und Datenanalyse für die NZZ-Mediengruppe tätig. Mit der Einstellung von NZZ.at werden fünf der zwölf Mitarbeiter bis Ende September gekündigt, die restlichen sieben „werden weiter für die NZZ-Mediengruppe tätig sein“, so Dengler.

[]

Kommentare

1 Postings

  • MediaPunk
    Bei NZZ.at gab's schon ein paar interessante Formate - aber halt kein tragfähiges Erlöskonzept. Das war leider auch schon vor zwei Jahren vorhersehbar: http://www.mediapunk.org/?p=135
Diskutieren Sie mit

Neuen Kommentar schreiben

* Pflichtfelder
Netiquette auf HORIZONT online