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NÖ-Wahlkampf: Videobotschaften und Grassroots

Kampagnenverantwortliche ­Stefanie ­Winkler-Schloffer
© Campaigning Bureau

Das Campaigning Bureau verantwortete nach der Kampagne der Bundes-ÖVP auch jene der NÖVP und setzte dabei erneut auf Aktivierung und Personalisierung.

 

Dieser Artikel ist bereits in HORIZONT Nr. 6 erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken.

Die Nationalratswahl 2017 gewonnen, die absolute Mehrheit in Niederösterreich am 28. Jänner verteidigt: Dabei haben die Bundes- wie die Landespartei eines gemeinsam – das Campaigning Bureau; jene Agentur, die für die Kampagnenberatung verantwortlich zeichnete. Und diese setzte, wie auch schon bei der Kampagne rund um Sebastian Kurz, auf ihre Movement-Campaigning-Methode, die „aus Betroffenen Beteiligte“ machen sollte, wie die Kampagnenverantwortliche ­Stefanie ­Winkler-Schloffer gegenüber ­HORIZONT verrät. 

Über gezielte Aktionen habe man online Unterstützer rekrutiert, deren Zahl schlussendlich auf 100.000 angewachsen sei. „Die Volkspartei Niederösterreich war somit mit jedem sechsten ÖVP-Wähler im Direktkontakt über E-Mail oder WhatsApp. Die Reichweite auf Facebook war natürlich ein Vielfaches“, so Winkler-Schloffer. Als Schlüsselphase der Kampagne sieht sie die „Get-out-of-the-Vote“-Phase gegen Ende der Kampagne, bei der es stets darum gehe, „aus Stimmung letztlich Stimmen zu machen. Je persönlich relevanter ein Wahlaufruf ist, umso wirksamer.“ 

Daraus sei die Idee entstanden, diesen Wahlaufruf mit Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner selbst persönlich zu gestalten. In einer Videobotschaft richtete Mikl-Leitner ihren Wahlappell an die potenzielle Wählerschaft, und zwar personalisiert. Dafür nahm sie die 200 häufigsten Vornamen in Österreich auf Videoband auf und generierte dem Campaigning Bureau zufolge eine Reichweite von 300.000 Wählerkontakten. Angelehnt an das weltweit bekannte „Carpool Karaoke“ schickte das Kampagnenbüro Mikl-Leitner zudem mit dem „Taxi Blau/Gelb“ auf Niederösterreichs Straßen, unter anderem mit der Schauspielerin Kristina Sprenger am Steuer und Waltraud Haas als Fahrgast.

Für die Personalisierung wurden neben Mikl-Leitner auch die 300 Kandidaten der Volkspartei Niederösterreich in den Fokus gerückt. So wurde für jeden Kandidaten eine eigene Grassroots-Seite erstellt, sprich eine eigene Website, auf der er Unterstützer sammeln konnte. „Dadurch erhielt die VPNÖ Zugang zu den persönlichen Netzwerken ihrer Kandidaten. Viele der Kandidaten nutzten ihre Seite äußerst intensiv und effektiv und sammelten so jeweils mehrere Hundert Unterstützer“, wie Winkler-Schloffer ausführt.Zusätzlich konzeptionierte das Campaigning Bureau für das Regierungsteam eigene Mikrokampagnen, die vor allem regional und inhaltlich Unterstützerschaft generieren sollten. Für einen Kandidaten im Waldviertel gab es etwa ein „Waldviertel-Quiz, um ihn als den Landesrat positionieren“, für einen anderen Kandidaten wurde eine Jugendkampagne rund um sein Markenzeichen – einen Bart – umgesetzt. Und für eine weitere Kandidatin entwickelte die Agentur ein Business-Speed-Dating, „das den Unternehmern im Land als Wegweiser für Förderangebote dienen“ sollte.

'Dirty Campaigning war Thema'

Wie schon bei der Nationalratswahl im vergangenen Jahr war gemäß Winkler-Schloffer Dirty Campaigning auch im Niederösterreich-Wahlkampf ein Thema, wenn auch nicht so stark – „Stichwort: Fake-Facebook-Seiten“. So habe es „von Seiten des politischen Mitbewerbs insbesondere auf die Landeshauptfrau entsprechende Angriffe gegeben“. Um Dirty Campaigning aufzuzeigen, startete die Niederösterreichische Volkspartei gemeinsam mit der Schauspielerin Sabine Petzl die Initiative „So nicht“, die „einen erfolgreichen Beitrag leisten konnte“.

In den anderen drei Landtagswahlen 2018 ist das Campaigning Bureau indes nicht involviert. Auf die Frage, ob das bei den Wahlen 2019 in Salzburg und Vorarlberg anders sei, meint Winkler-Schloffer nur: „Es gibt seit Jahren auf den verschiedensten Ebenen eine Zusammenarbeit mit der Volkspartei“. Künftig möchte das Campaigning Bureau vor allem sein Beratungsspektrum erweitern sowie die Kampagnenfähigkeit von Organisationen und Unternehmen optimieren. Mit dem Cambuildr, der hauseigenen Mobilisierungs-Technologie, die bereits bei der Kurz-Kampagne im Einsatz war, hätte man die Eintrittsbarriere in die Welt des Campaigning bereits massiv gesenkt, ist Winkler-Schloffer überzeugt.

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