Neues Futter für Finanzfreaks

Die Wiener Börse möchte das Finanzwissen der Österreicher stärken und setzt dazu auf digitale Kanäle wie YouTube und Audiobeiträge.

Die Österreicher sind nicht unbedingt ein Volk, das sich intensiv mit aktiver Geldanlage auseinandersetzt: Im „Stimmungsbarometer Spar- und Anlageformen“, in dem der Marktforscher GfK 18.000 Österreicher befragt, was sie für die interessanteste Form der Geldanlage halten, belegen Aktien und Fonds meist die letzten Plätze; bei der neuesten Erhebung, die vergangene Woche präsentiert wurde, kamen Fonds auf elf und Aktien auf zwölf Prozent.

Zum Vergleich: Immobilien sind mit 40 Prozent die attraktivste Anlageform, doch selbst das Sparen Zuhause ist mit 19 Prozent attraktiver als das Handeln an der Börse. Geholfen hat es sicher nicht, dass im Herbst 2016 mit dem WirtschaftsBlatt die einzige Wirtschaftstageszeitung des Landes zusperrte und die Verlagsgruppe News vor gut einem Jahr die Marke Format begrub.

Info-Offensive der Börse

Nun verstärkt die Wiener Börse selbst ihre Aktivitäten, um das Interesse der Österreicher an Finanzthemen zu stärken. So wurde unter wienerboerse.at/faktencheck eine Sub-Site eingerichtet, die mit gängigen Kapitalmarktmythen aufräumt. Gemeinsam mit dem WIFI werden Seminare zur Finanzbildung angeboten; Lehrer können Infopakete für ihre Schüler bestellen und kostenlos an Seminaren teilnehmen. Seit Ende 2016 gibt es einen YouTube-Kanal, der über die Börse informiert und auf die Kanäle der börsennotierten Unternehmen verlinkt.

„Uns ist wichtig, dass die Menschen über verschiedene Kanäle informiert werden“, sagt dazu Julia Resch, Pressesprecherin der Wiener Börse.Der jüngste Coup dieser crossmedialen Finanzbildung der Wiener Börse ist ein digitaler Radiokanal. Unter wienerboerse.at/news/boersenradio können sich Interessierte Audiobeiträge rund um Finanzthemen anhören; zu Wort kommen dabei Führungskräfte der Wiener Börse ebenso wie Experten aus börsennotierten Unternehmen oder Fondsmanager.

Der Kanal ist werbefrei, die Produktion wird laut Resch von der Wiener Börse finanziert. Ziel ist auch hier, durch gesteigertes Finanzwissen die Bürger zu motivieren, selbst als Anleger aktiv zu werden. „Für uns ist das eine Investition in das Finanzwissen der Österreicher und Teil unseres Informationsangebots“, sagt Resch.Die Inhalte kommen von boersenradio.at, das ein Projekt der deutschen Börsen Radio Network AG und des Börse Social Network ist.

„Die Beiträge für die Wiener Börse sind spezialisiert auf österreichischen Content“, sagt Christian Drastil, Gründer und CEO von Börse Social Network: Daraus ergebe sich nun die Aufgabe, mehr Inhalte mit Österreich-Verbindung zu produzieren; ansonsten finden sich auf boersenradio.at viele Beiträge zum deutschen Markt. Auch auf boersenradio.at sind die Beiträge werbefrei; Partner aus der Wirtschaft können sich eigene Channels anlegen lassen – etwa ein Goldhändler, für den Beiträge zum Edelmetall produziert werden, welche er dann auf seiner Website einbinden kann.

Neues Printmagazin gestartet

Börse Social Network ist eine Website, die den Besucher ebenfalls mit aktuellen Finanzinformationen versorgt. „Die Website befüllt sich automatisch“, sagt Drastil: Aus vorprogrammierten Daten erstellt eine Software Artikel; der Mensch greift lediglich ein, um etwa einen spannenderen Titel zu formulieren.

Vergangene Woche hat Drastil mit dem Börse Social Magazine zudem ein Printmagazin gestartet, das monatlich erscheinen soll und von einem siebenköpfigen Kernteam produziert wird. Die Auflage ist laut Drastil „eine schöne vierstellige Zahl“. Warum ein Monatsmagazin? „Im Finanzjournalismus wurde ein Loch hinterlassen, das man füllen kann“, sagt Drastil: „Für eine Börsen-Tageszeitung ist allerdings die Internetkonkurrenz zu groß.“

[]

Kommentare

0 Postings

Keine Kommentare gefunden!

Diskutieren Sie mit

Neuen Kommentar schreiben

* Pflichtfelder
Netiquette auf HORIZONT online