Morse: „Es ist wichtig, immer vorwärts zu pushen“

Die Zukunft des Journalismus dreht sich um drei Dinge: Storytelling, Verbreitung und Technologie. CNN widmet sich in erster Linie dem Storytelling, und zwar für so viele Nutzer wie möglich.

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Storytelling war schon immer Teil des Journalismus und des Nachrichtengeschäfts, steigt Andrew Morse, Vicepresident von CNN U.S. und General Manager von CNN Digital Worldwide, in seine Keynote „Digital Media's Next Frontier“. Aber: Storytelling hat sich im Laufe der Zeit geändert, eben durch die Technologie. Drei Dinge zählt er auf, die guten Journalismus auch in Zukunft ausmachen werden: Storytelling, Verbreitung und Technologie.

Die Anfänge

CNN fokussiere sich dabei auf Storytelling und „sieht sich als Innovator“. 1980 hatte Ted Turner, Medienunternehmer und Gründer des Nachrichtensenders CNN die Idee, das erste weltweite 24-Stunden-Live Kabelfernsehen zu gründen. Das bedeutete für die Menschen viel, denn sie „mussten nicht mehr auf ihre Zeitung am Morgen vor ihrer Tür warten, oder aus dem Büro rechtzeitig nachhause kommen, um die Nachrichten zu sehen“. Kabelfernsehen boomte zu der Zeit, und brachte eine „unglaubliche Innovation“, erinnert sich Morse an die Zeit.

Keineswegs Grund für CNN sich auf den Lorbeeren auszuruhen, bereits 15 Jahre später launchte CNN seine Webseite als Fernsehsender. „Jeder hatte eine Box wie damals auf seinem Tisch stehen, um zu Nachrichten Zugang zu haben“, sagt er in seinem Vortrag. Das einzige Problem war damals allerdings, dass die „Technologie noch nicht so ausgereift war.“ Man war unter anderem abhängig von dem „altmodischen Modem, das so komische Geräusche machte, als man sich ins Netz einwählte.“ Und: damals konnte man mit Storytelling noch nicht wirklich etwas anfangen, sagt Morse. 1995 war der Gedanke noch fast absurd, Videos zu sehen, weil die Technologie noch nicht ausgereift war.

Kein Stillstand, keine Furcht vor der Zukunft

Die Medienlandschaft explodiere förmlich von Innovationen, meint Morse. Deshalb steht jedes Unternehmen vor der Entscheidung, „entweder den Kopf in den Sand zu stecken und das zu tun, was man bisher immer tut, oder eben sich vorwärts zu bewegen.“ Es sei wichtig, bei all der Fülle an Plattformen, die heute zur Verfügung stehen, dort zu sein, wo das Publikum ist. CNN betreibt eine Webseite, Mobile Apps, CNN Go, aber wenn „wir weiterdenken, sind das Video Plattformen, Video on Demand, Apple TV, Amazon Fire wichtig. Und genau auf diesen müssen wir auch sein.“ Vor nicht allzu langer Zeit, war Social Publishing auf Facebook und etwas auf YouTube Gang und Gäbe. „Heute ist es komplizierter und vielschichtiger, mit Dingen wie Facebook Live Video et cetera“.

Der US-Fernsehsender launchte jüngst auch die tägliche News-Show „The Update“ auf der mobilen Videoplattform Snapchat. Dabei stelle er sich immer wieder die Frage, „wie sehr möchte ich, dass mein Publikum sich mit welchen Plattformen auseinandersetzt?“ Als die Apple Watch launchte, war CNN da um über eine Zusammenarbeit mit dem US-Giganten zu verhandeln, Amazon Echo habe CNN mitentwickelt, so sei CNN auch ein Teil des Produktes, sagt Morse. Grund: „Weil uns unser Publikum überall sucht und findet.“ CNN werde von jedem wahrgenommen, denn das Durchschnittsalter des TV-Publikums, das CNN sieht, ist 58 Jahre alt, bei der Webseite liegt das Durchschnittsalter schon bei 48 Jahren, 38 Jahre bei Apps und die zukünftig wichtigste Zielgruppe der Millenials - hier liegt das Durchschnittsalter bei 28 Jahren, sagt Morse.

Medienunternehmen des 21. Jahrhunderts

Das ist genau das, was ein Medienunternehmen im 21. Jahrhundert ausmache, unterstreicht Morse in seiner Keynote. Es drehe sich nicht alles um TV-Einschaltquoten und so weiter, „wir messen uns an den Unique Usern unserer Multiplattformen“ (siehe Foto). Für CNN stelle sich seit der Umstellung auf diese Digitalstrategie nur eine Frage: „Wir erreiche ich diese neuen Zielgruppen?“ Morse weiter: „Wir haben die größte Zielgruppe der Millenials überhaupt, größer sogar als unsere Konkurrenz Buzzfeed“. Wie CNN das erreicht läge für Morse klar auf der Hand: „Es kann nicht ein Einheitsbrei für alle sein, es dreht sich um individuellen Journalismus, die Hingabe zu Breaking News, die überall verbreitet werden.“

Er werde immer wieder gefragt: „Was kommt als nächstes?“ Seine Antwort darauf sind Drohnen. „Wir investieren unsere Energie in Drohnen, weil es ein unglaubliches Nachrichtentool ist - kürzlich erst um die Schäden durch den Hurrikan in Texas und Florida aufzuzeigen.“ Apple machte neulich einen großen Push in Richtung Augmented Reality, sagt er, „so treiben wir die Innovation stetig voran.“ Virtual Reality ist auch etwas, „dass ein starkes Tool ist“, sagt Morse, wie beispielsweise die Aufnahmen „von Menschen die in Pamplona vor den Stieren weglaufen.“ Sechs Millionen Menschen konnten jüngst an der Sonnenfinsternis über einen Virtual Reality Live Stream teilhaben, die „wir in Kooperation mit Volvo starteten.“ Er gibt allerdings zu, dass er skeptisch gegenüber der VR-Technologie war, aber als er es selbst ausprobierte, und in seinem Büro das CNN-Team in Italien nach einem Erdbeben durch die VR-Brille begleiten konnte, „war ich emotional berührt.“ Dadurch sei VR ein „mächtiges Storytelling Tool“, sagt der Manager, mit dem man durchaus „auch experimentieren sollte.“

The Great Big Story und Beme

The Great Big Story launchte vor bald zwei Jahren und hatte von Anfang an zum Ziel, neue Zielgruppen, allen voran Millenials zu erreichen. „Wir wollten etwas anderes als nur Nachrichten machen, wir wollten etwas, das das Publikum begeistert und verblüfft.“ Deshalb widmet sich Great Big Story als Storytelling Unternehmen den guten, aussagekräftigen Storys. Innerhalb eines Jahres konnten so 700 Geschichten in 70 Ländern der Welt erzählt werden, zeigt Morse in seinem Vortrag. Der Video Content werde überall auf der Welt mit großem Interesse aus unter anderem Europa, Indien, Dubai konsumiert.

Eine Statistik, die er in seiner Präsentation verwendet, zeigt, dass Great Big Story auf Apple TV mehr als 30 Minuten pro Sitzung konsumiert wird. Morse's Sohn ist neun Jahre alt, und es „ist schwer ihn von YouTube wegzubringen, aber als ich ihm Great Big Story zeigte, war er begeistert.“ Das 24-Stunden-Netzwerk ist kein herkömmliches Nachrichtennetzwerk, es sei vielmehr als das - „das Publikum hat die Möglichkeit, via Live Camera direkt an den Ort des Geschehens transportiert zu werden.“ Und das auf allen möglichen Kanälen, die mittels neuer Technologie zur Verfügung stehen, wie Apple TV und mehr. Morse nennt auch die Möglichkeit, mit Great Big Story und linearen TV-Sendern zu kooperieren.

„Wir rechnen künftig mit diesen Arrangements.“ Mit Beme und Casey Neistat, einer YouTube-Persönlichkeit mit acht Millionen YouTube Followern hat CNN vor einem Jahr Beme erworben. Der Fernsehsender konzentriere sich nun auf den jüngsten Launch der App „Beme Panels“, allerdings nur „in zunächst einer Beta-Version.“ Auch bei Beme ginge es um darum, das „Publikum anders als mit herkömmlichen TV-Inhalten anzusprechen.“

Egal, was Medienunternehmen tun - letztendlich sei es wichtig, „immer zu pushen, denn wir leben in einer außergewöhnlichen Zeit und es ist eine faszinierende Zeit im Storytelling-Business zu sein. Lassen Sie uns gemeinsam vorwärts pushen.“

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