Media Analyse: Öffentliche Verwarnung für Mediengruppe „Österreich“

Der Vorstand des Vereins ARGE Media Analysen verwarnte „Österreich“ wegen Maßnahmen, „die die Bedeutung der MA in der Öffentlichkeit herabwürdigen.“ Der Verlag setzte sich zur Wehr.

Der Verein Arbeitsgemeinschaft Media-Analysen bezog sich dabei auf eine OTS-Aussendung vom 13. Oktober 2016. Dabei habe „Österreich“ „Bezug nehmend auf die MA 15/16 von einer faktenwidrigen Erhebungsmethode, einer wenig verlässlichen und höchst umstrittenen Onlinebefragung“ gesprochen und weiter davon „dass in den meisten anderen EU-Ländern, Auflagenzahlen in die Reichweitenstudien mit einbezogen würden.“

„Österreich“-Herausgeber Wolfgang Fellner wurde in dieser Aussendung auch mit den Worten zitiert: „Für uns ist diese eindeutig faktenwidrige und der tatsächlichen Auflagen-Entwicklung widersprechende Erhebungsmethode der Media-Analyse, die auf einer höchst umstrittenen Online-Befragung basiert und sich deshalb immer mehr zu einer reinen Image-Untersuchung entwickelt, nicht länger tolerierbar.“ 

Auch in einem Newsletter vom 31.3. habe der „Österreich“-Verlag die „Zuverlässigkeit der MA in Abrede“ gestellt, „indem darauf verwiesen wird, dass nur die harten Daten der ÖAK zuverlässig seien“. 

Zu den einzelnen Punkten nahm die ARGE Media-Analysen in ihrer Aussendung Stellung: „Die Annahme einer faktenwidrigen Erhebungsmethode bezieht sich allein auf ein für die Mediengruppe „Österreich“ GmbH nicht nachvollziehbares Verhältnis von Auflage und Reichweite. Demgegenüber steht, dass das alleinige Steigern der Auflage selbstverständlich nicht automatisch zu einer Steigerung der Reichweite führt“, heißt es dort.

Zudem sei die Online-Befragung nicht umstritten. „Einige Länder Europas haben diesen Weg bereits eingeschlagen, andere diskutieren intensiv darüber, um der wachsenden Mobilität in der Bevölkerung Rechnung zu tragen. Zudem wird in Österreich jedem Respondenten die Möglichkeit gegeben, sich zwischen einem Online-Interview und einem Interview mit Unterstützung durch einen Interviewer zu entscheiden.“

Auch die Aussage, dass es in den meisten EU-Ländern längst üblich sei, die Auflagenentwicklung in Reichweitenstudien mit einzubeziehen, könne „nicht nachvollzogen werden“. „Es ist aktuell keine Print-Währungsstudie bekannt, die Auflagenzahlen bei der Erhebung von Reichweiten berücksichtigt, indem sie diese in die Ergebnisse mit einfließen lässt. Die zwei Instrumente (MA, ÖAK) zur Bewertung von Print (Leserzahl/-struktur und Auflage) existieren neben- und unabhängig voneinander, um möglichst umfangreiche Informationen zum Printmarkt in Österreich zur Verfügung zu stellen.“

Helmut Hanusch, Präsident des Vereins ARGE Medien Analysen, meint: „Wiederholte Verstöße der Mediengruppe Österreich gegen die Statuten des Vereins – die im Interesse der gesamten Printmedienlandschaft vorsehen, dass die Mitglieder verpflichtet sind, „die Bestimmungen der Satzung des Vereines und die Beschlüsse seiner Organe zu beachten und alle Maßnahmen zu unterlassen, die die Arbeit des Vereines und deren Ergebnisse beeinträchtigen könnten. Dazu zählen insbesondere alle Maßnahmen, die dazu geeignet sind, das Ergebnis der Studie zu beeinträchtigen oder zu verfälschen oder deren Bedeutung in der Öffentlichkeit herabzuwürdigen sowie Werbung unsachgemäßer bzw. irreführender Art zu unterlassen.“ – haben diese öffentliche Verwarnung unumgänglich gemacht. Dies insbesondere auch, weil aus den Marktstudien anderer Mediengattungen (Radiotest, Teletest etc.) auch nur annähernd ähnliche, die eigene Mediengattung schädigende Verhaltensweisen – bis jetzt jedenfalls – nicht gesetzt wurden. Wirtschaftlicher Egoismus darf nicht dazu führen, dass die relevanteste ‚Währung‘ der Werbebranche für Tageszeitungen, Wochenzeitungen und Magazine faktenwidrig öffentlich beschädigt wird.“

„Österreich“: „Muss in einem demokratischen Land erlaubt sein“
Die Mediengruppe „Österreich“ reagierte per Aussendung auf die „angeblich 'öffentliche Verwarnung' der Media-Analyse“. Herausgeber Fellner und Geschäftsführer Oliver Voigt meinen: „Es muss in einem demokratischen Land erlaubt sein, Kritik an einer – mittlerweile auch in der Branche höchst umstrittenen und zuletzt sogar von einem Gericht nicht rechtskräftig verurteilten – Marktforschungsmethode zu üben, für die alle Verlage sehr viel Geld bezahlen.“

Hauptkritikpunkt von Voigt und Fellner ist dabei die „massive Benachteiligung“ von Medien, die keine gleichlautende Online-Seite betreiben – wie „Österreich“ mit seinem Portal oe24.at. „Es kann nicht sein, dass in einer reinen Untersuchung der Print-Leser durch fehlende Kontrollfragen zur Online-Nutzung die Print-Leser jedes Zeitungstitels und die Nutzer des in den meisten Fällen gleichlautenden Online-Portals auf derart verzerrende Weise vermischt werden.“ Fellner und Voigt forderten erneut eine Reform der Media-Analyse.

 

[Red.]

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