Krone.at klaut komplette „Stadl“-Kritik

Deutscher Journalist sieht Rufschädigung, weil Krone.at seinen Text kopiert und fast 1:1 veröffentlicht hat. In der „Krone“-Chefredaktion selbst sieht man im eigenen Vorgehen kein Problem - im Gegenteil

Das deutsche Medienmagazin DWDL.de hat am Sonntag einen bissigen Kommentar zur neuen „Stadlshow“ veröffentlicht. Autor Hans Hoff schreibt unter der Überschrift „Das pure Grauen: Musikantenstadl - Stadlshow - tot“ unter anderem: „Man muss dieses Genre nicht mögen, aber wenn man so schaut, was da in Offenburg vor sich geht, dann kann einem diese Art der Viervierteltaktbewältigung schon ein bisschen leidtun. Wenn das der selige Karl Moik noch hätte erleben müssen, wäre er sicher dem einst von Stefan Raab angedichteten Joint näher gewesen denn je.“ Hoff kritisiert in seinem Kommentar die schlechte Kameraführung sowie die Tonprobleme während der Show in der „ultrahässlichen Mehrzweckhalle“.

Bei Krone.at fand man diesen Kommentar offenbar so gelungen, dass man ihn seinen Lesern nicht vorenthalten wollte. Blöd nur: Krone.at reduzierte den Text um etwa 900 Zeichen und veröffentlichte ansonsten fast den gesamten Artikel 1:1 - ohne bei DWDL.de oder beim Autor nachzufragen. Lediglich den Teaser hat man selbst geschrieben. Darin erwähnt man, dass der Text nicht aus der eigenen Redaktion stammt - und ruft anschließend zur Diskussion auf. Natürlich auf Krone.at. Eine Verlinkung zum Original-Artikel gibt es nicht.

Laut Krone.at wurde der Artikel bislang bereits mindestens 100.000 Mal gelesen. Auf der Facebook-Seite der „Kronen Zeitung“ bringt es der Text immerhin auf etwa 570 Likes und 160 Shares. 

Autor sieht seinen Ruf geschädigt

Hans Hoff stößt dieses Gebaren sauer auf. Er hat sich nun in einem Brief an die Verantwortlichen gewandt. In dem Schreiben, das HORIZONT vorliegt, heißt es unter anderem: „Sie haben für eine massive Rufschädigung gesorgt. Meine Reputation basiert wesentlich auf der Tatsache, dass ich meinen Auftraggebern wie DWDL.de, 'Süddeutsche Zeitung' und 'Welt am Sonntag' mehrfach versichern konnte, nicht für Boulevardmedien tätig zu werden.“

„Sie haben gravierend meine Urheberrechte verletzt“

Darüber hinaus ärgert sich der Autor über die Tatsache, dass eine „verunglückte Formulierung“, die im Original-Artikel mittlerweile entfernt wurde und für die er sich entschuldigt hat, noch immer im kopierten Text auf Krone.at steht. „Um es kurz zu machen: Sie haben gravierend meine Urheberrechte verletzt“, so Hoff in seinem Schreiben an die „Kronen Zeitung“. 

Hoff schließt seinen Brief mit der Aufforderung, den Text auf Krone.at sofort zu löschen. Außerdem fordert er eine Unterlassungserklärung, damit Krone.at in Zukunft nicht noch mehr Texte ohne sein Einverständnis kopiert und veröffentlicht. Als „Ausgleich für die erlittene Rufschädigung und das mir zustehende Honorar“ fordert er zudem eine Spende in Höhe von 1.000 Euro an den Verein Pro Asyl. 

Chefredakteur sieht kein Fehlverhalten

Ob man bei der „Krone“ dieser Aufforderung nachkommen wird - die Wahrscheinlichkeit ist gering. Gegenüber HORIZONT erklärt Richard Schmitt, Chefredakteur Krone Multimedia und Berater des Herausgebers, dass man sich keines Fehlverhaltens bewusst ist. Man habe die Kritik nicht als eigene Leistung verkauft und ohnehin werde man auch nicht gefragt, wenn teilweise ganze Absätze aus eigenen Artikeln von fremden Medien übernommen würden. Hoff sei laut Richard außerdem ein „Künstler, der davon lebt gelesen zu werden“. Man verhelfe ihm durch die Veröffentlichung zu mehr Popularität. Dass der daran gar kein Interesse hat oder zumindest vorher gefragt werden will interessiert Schmitt offenbar nicht.

Man habe außerdem nicht die Zeit, immer bei Autoren nachzufragen, wenn man Artikel oder Text-Ausschnitte von ihnen verwende (sic!), so Schmitt. Der Krone-Multimedia-Chefredakteur ist sich sicher, dass das Vorgehen durch das Zitatrecht gedeckt sei. Nur: Es wurden eben nicht nur einige Ausschnitte zitiert, sondern fast der gesamte Text. Und Schmitt legt nach: „Wir würden uns freuen, wenn das alle Medien mit unseren Artikeln so machen würden.“ Das heißt konkret: Schmitt wünscht sich, dass fremde Medien „Krone“-Artikel kopieren und bei sich veröffentlichen.

Keine Kritik an DJ Ötzi

Funfact am Rande: DJ Ötzi, im Original-Kommentar ziemlich unter die Räder gekommen („Moppelchen“, „heißt nicht ohne Grund wie eine Gletscherleiche“), wollten sie bei Krone.at offenbar nicht so gern kritisiert wissen. Alle Passagen, die den Sänger betreffen, wurden feinsäuberlich entfernt oder entschärft.  

Update (19 Uhr): Etwa 15 Minuten nach Erscheinen dieses Artikels hat Krone.at den besagten Artikel gelöscht. 

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Kommentare

1 Postings

  • Thomas
    Wenn ich Richard Schmitt, dem Chefredakteur von Krone Multimedia, persönlich begegne,
    klaue ich von seinen Schuhen bis zu seiner Brille alles, was nicht festgewachsen ist.

    Das ist doch das Verhalten, das er mit seinen Aussagen hervorrufen will, oder?
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