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Konfrontation nach Stegers Drohung gegen ORF-Korrespondenten

ORF-Generaldirektor Wrabetz verlängerte demonstrativ den Vertrag des angegriffenen Ungarn-Korrespondenten Ernst Gelegs.
© ORF

Die Aussage von ORF-Stiftungsrat Norbert Steger, man werde Korrespondenten, die sich nicht "korrekt" verhalten, entlassen, hat am Wochenende zu heftigen Konfrontationen zwischen den Parteien und darüber hinaus dem ORF und der FPÖ geführt.

Der freiheitliche Stiftungsrat Steger, der als künftiger Vorsitzender des höchsten ORF-Gremiums gehandelt wird, hatte am Wochenende gegenüber den "Salzburger Nachrichten" erklärt, man werde "von den Auslandskorrespondenten ein Drittel streichen, wenn diese sich nicht korrekt verhalten". Ein Beispiel für mangelnde "Korrektheit" ist aus Stegers Sicht Ungarn-Korrespondent Ernst Gelegs, dessen Berichterstattung zur Wahl in Ungarn "einseitig" gewesen sei. Zudem will Steger die angekündigte Social-Media-Richtlinie für ORF-Redakteure bei erstmaligem Verstoß mit Verwarnung und bei einem zweiten ebenfalls mit Entlassung ahnden. Empörung im ORF und bei politischen Mitbewerbern der FPÖ war die Folge.

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz twitterte gleich nach Bekanntwerden der Aussagen, er freue sich "mitzuteilen,dass ich den Entsendungsvertrag von Ernst Gelegs als Korrespondent in Budapest nach der ausgezeichneten Berichterstattung zur ungarischen Wahl bis 2021 verlängert habe". In einem zweiten Tweet erklärte er unter dem Hashtag "#public value", die 16 Korrespondentenbüros des ORF seien eine "unverzichtbare vom Publikum höchst geschätzte Säule" der Berichterstattung. Deshalb kämen in den nächsten zwei Jahren noch zwei weitere Standorte dazu.

Für Redakteursvertretung "neuer Tiefpunkt"

In einer Aussendung am Samstag unterstrich Wrabetz weiter, Stegers Aussagen seien "auf das Entschiedenste zurückzuweisen": Die Besetzung des Korrespondentennetzes des ORF sei "weder Sache der Regierung noch des Stiftungsrates und auch nicht der Regierungen der Länder aus denen berichtet wird, sondern ausschließlich der Geschäftsführung und Redaktionen des ORF". Die Korrespondenten berichteten "höchstqualifiziert unter teilweise schwierigen Bedingungen von den Brennpunkten des Weltgeschehens, werden dies auch weiter tun und vom gesamten Unternehmen bestmöglich unterstützt werden!"

Die Redakteursvertretung des ORF verwehrte sich ihrerseits gegen Stegers Aussagen als noch nie dagewesenen Einschüchterungsversuch und unverhohlene Bedrohung mit dem Verlust des Arbeitsplatzes. Als Stiftungsrat gehe es Steger "offensichtlich vor allem um die Durchsetzung von Parteiinteressen. Parteienvertreter wollen beurteilen, wie Berichterstattung auszusehen hat. Kritische RedakteurInnen sollen mundtot gemacht werden." Schon seit Jahren ziele Kritik aus der Ecke der FPÖ darauf ab, Steger habe nun jedoch einen neuen medienpolitischen Tiefpunkt erreicht.

FPÖ stellt sich hinter Stegers Aussagen

Die FPÖ stellte sich in einer Aussendung voll hinter Steger. Als Stiftungsrat sei "die Einforderung von objektiver Berichterstattung und korrektem Verhalten geradezu eine Verpflichtung." Außerdem wurde Korrespondentensprecher Peter Fritz eines "skandalösen", "infamen" und "inakzeptablen" Verhaltens bezichtigt, weil dieser in einem Tweet Stegers Aussagen als "Hetze" gegen den ORF qualifizierte. Die von Fritz geforderte Entschuldigung für die Wortwahl leistete der daraufhin ebenfalls auf Twitter.

Eine Entschuldigung von Steger forderte wiederum die SPÖ in Person von Mediensprecher Thomas Drozda. Der verwies zudem auf die ORF-Vorgaben, dass Stiftungsratsmitglieder es offenzulegen hätten, wenn Interessenkonflikte sie von ihrer Aufgabe, im Sinne des ORF zu agieren, abhielten. Drozda sah Indizien für einen "schweren Interessenkonflikt" bei Steger, der sich entscheiden müsse, "in welche Richtung er diesen Interessenkonflikt auflöst, und ob er dem Stiftungsrat weiter angehören möchte." Für NEOS zeigte sich Mediensprecherin Claudia Gamon "entsetzt über die jüngste Zensur-Drohung der FPÖ". Stegers Aussagen seien "unfassbar" und ein "offener Angriff auf die Pressefreiheit und damit auf die demokratischen Grundrechte Österreichs".

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