Keine Verleugnung, aber auch keine Panik

Wie sich Unternehmen auf die Datenschutz-Grundverordnung vorbereiten sollten, ist eines der großen Themen beim diesjährigen ‚Tag der Marktkommunikation‘.

Digital. Change. Now. Diese Schlagworte werden im Mittelpunkt stehen, wenn die Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation in der WK Wien am 10. Oktober zum „Tag der Marktkommunikation“ ins Museumsquartier lädt. „Diese drei bewusst gewählten Keywords bilden die Basis für die Themenbereiche, die wir behandeln möchten: Medienrecht, Datenschutz, digitaler Markt und Zukunftsvisionen“, meint Fachgruppenobmann Marco Schreuder. Dass vor allem die Veränderungen, die die DSGVO mit sich bringen wird, eines der zentralen Themen der Zukunft sein werden, hatte Schreuder schon in seiner Videobotschaft zu den Österreichischen Medientagen, wo im Panel „Datenschutz“ diskutieren wird, angedeutet: „Vorwärts schauen ist nicht nur beim Wandern wichtig“, meinte Schreuder in Anspielung auf das Medientage-Motto: „Denn wenn man zurückschaut, dann weiß man ja nicht, wohin man geht.“

Beim „Tag der Marktkommunikation“ wird sich vor allem Jurist, Autor und Datenschützer Maximilian Schrems, bekannt etwa durch seine Sammelklage gegen Facebook, des Themas annehmen. „Dropbox, WeTransfer und Co – was die Datenschutzverordnung für Ihr Unternehmen bedeutet“ lautet der Titel seines Vortrags. Gegenüber dem HORIZONT skizziert der gebürtige Salzburger die Eckpunkte: Wichtig sei es zunächst, sich aus der Phase der Verleugnung zu lösen. Bei vielen Experten, auch Juristen, stelle er „denial“ fest: Es werde schon alles nicht so wild werden, hieße es oft. Schrems fühlt sich dabei an die Reaktionen zum nahenden Aus des Safe-Harbor-Abkommens erinnert. Ebenso sicher, wie dieser Pakt gekippt wurde, wird auch die DSGVO kommen. Unternehmen sollten sich jetzt Zeit für eine Bestandsaufnahme nehmen: Fragen wie „Welche Dienste verwende ich eigentlich? Wie gehe ich mit Daten um? Welche Daten sind personenbezogen?“ sollten im Vordergrund stehen „Bei Gratisdiensten gibt es meistens einen Grund, warum sie gratis sind“, gibt Schrems zu bedenken. Die Entscheidung zwischen einem europäischen Anbieter, der der DSGVO unterliege und einem Dienstleister mit der Prämisse „Wir machen mit den Daten, was wir wollen“, wobei der Datenschützer Google anspricht, sollte gut überlegt sein. Schließlich falle die Verantwortung an das eigene Unternehmen: „Jede kleine Quetschn kann haftbar dafür sein, was Google macht“, warnt Schrems. Auch vom Zugang „das haben wir immer schon verwendet“, sollte man sich lösen. Möglicherweise gebe es ja sogar eine bessere und produktivitätssteigernde Lösung.

Der Umgang mit der DSGVO sei nicht an der Unternehmensgröße festzumachen: Eine Firma, die mit zehn Mitarbeitern eine App mit Millionen Datensätzen programmiert, sei anders gefordert als ein großer Betrieb, der Schweißarbeiten erledige. Vor großer Panik warnt Maximilian Schrems: Ein Großteil von dem, was eine normale Firma mache, sei von der DSGVO nicht berührt oder unterliege Ausnahmeregelungen. „Panik sollte es eher im Silicon Valley geben“. •

Tag der Marktkommunikation 2017 10.10.2017, ab 16 Uhr, Arena21 & Ovalhalle im MuseumsQuartier, Museumsplatz 1, 1070 Wien.

Programm und Details auf www.werbungwien.at

Dieser Artikel erschien zuerst in der Print-Version des HORIZONT, Nr. 37.

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