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Karin Cvrtila ist jetzt Digitalisierungsberaterin

Karin Cvrtila, früher OGM-Prokuristin, jetzt Digitalisierungsberaterin.
© Christina Häusler

Die frühere OGM-Prokuristin und -Meinungsforscherin Karin Cvrtila hat sich als ‚Digitalisierungsberaterin‘ selbständig gemacht. Sie will dabei EPU und Gewerbetreibenden beim Übergang in die binäre Zukunft auf die Sprünge helfen.

Dieser Artikel ist in Ausgabe Nr. 6/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Karin Cvrtila hat im vergangenen Jahr ganz schön oft in die Kamera geschaut. Jetzt hingegen schaut sie ganz schön oft aufs Meer. Weil die ehemalige Meinungsforscherin ihr berufliches Umfeld im Sommer des vergangenen Jahres radikal verändert hat, lebt sie nun auch mehr oder weniger ein neues Leben: Statt des – mit der Prokura verbundenen – Verwaltungsapparates im großen Meinungsforschungsinstitut OGM dirigiert sie jetzt ein Homeoffice. Und statt TVSendern und Printchefredakteuren fragen nun Installateure, Tischler oder auch Einpersonenunternehmen aus dem Dienstleistungssektor sie um ihre Meinung.

Und das kam so: Für Cvrtila lief es in ihrem Prokuristinnen-Job bei OGM wirklich gut. Das Einvernehmen mit Institutschef Wolfgang Bachmayer, einem Fixstern unter den österreichischen Meinungsforschern, war ausgezeichnet. In ihren letzten zwei, drei OGM-Jahren wurde Cvrtila zusehends zu einer Art weiblichem Peter Filzmaier – weil immer öfter TV-Sender an ihre Türe klopften und um die telegene Interpretation von Wahlergebnissen und Ähnlichem baten. Cvrtila avancierte zu einem regelmäßigen Studiogast in Politsendungen. Doch zu viel und zu lange andauernder beruflicher Stress lässt einen zunehmend auch an andere Dinge denken: Cvrtila beendete dieses erste Berufsleben und schied ohne großes mediales Getöse aus ihrem OGM-Job aus. Ein kurzes Mail an berufliche Wegbegleiter, in dem sie offen ließ, was kommen würde, obwohl sie es schon wusste, war alles, was an öffentlichem Abschied zelebriert wurde.

Consulterin für die Kleinen

Ein paar Monate später kam dann – ebenso unprätentiös – die Information: Cvrtila war „Digitalisierungsberaterin“ geworden. Sie hat sich auf das Consulting kleiner und kleinster Unternehmen auf deren Weg in die digitale Zukunft spezialisiert. „Friseure, Installateure, Tischler, aber auch Dienstleister zum Beispiel im Kommunikationsbereich“, umreißt sie ihr Kundenspektrum. Mit dem Wechsel aus dem Makrokosmos der großen politischen Zusammenhänge mit den monströsen Problemen in die Miniaturwelt der Kleinstunternehmen mit ihren täglichen Sorgen hat sich Cvrtilas Leben komplett verändert: Im Kaffeehaus sitzen und entspannt mit dem einen oder anderen Journalisten plaudern, das gab es früher nicht – jetzt schon.

Gearbeitet wird von zu Hause aus, ganz ohne Sekretariat, aber dafür selbstbestimmt. Eine gewisse Umstellung sei das natürlich gewesen, sagt Cvrtila, aber es gefalle ihr. Und außerdem sei sie ohnedies die meiste Zeit draußen bei ihren Kunden. Wer sie bereits in ihrem früheren Stressjob gekannt hat und sie jetzt trifft, mag anmerken: Das neue Berufsleben steht ihr und dürfte Cvrtila ganz gut tun.

Drei Stufen zur Digitalisierung

Das Thema Digitalisierung ist ja an sich kein einfaches. Ganze Branchen werden von der Modernisierungswelle überrollt und umgekrempelt, mitunter noch bevor ihre Protagonisten das überhaupt bemerken. Auch große, internationale Player wie Banken, Handelsriesen oder Verlage kämpfen im Zusammenhang mit Digitalisierung mit teilweise sogar existenziellen Problemen. Das Thema den Einpersonenunternehmen auf eine Weise nahezubringen, dass sie es durchschauen und damit umzugehen lernen, scheint eine komplexe Herausforderung zu sein. „Ich arbeite das in drei Schritten ab“, sagt Cvrtila.

Zuerst gehe es darum, einmal die Menschen selbst „digital zu machen“: ein elektronischer Kalender statt des Taschenbüchleins, E-Mail-Rechnungen statt per Post, und so weiter. Danach folge als zweiter Schritt die Digitalisierung der unternehmerischen Prozesse, auch im Kleinen – zum Beispiel die Umstellung der Buchhaltung, des Angebotsmanagements, der Personalverwaltung, die Einrichtung eines Webshops. Und dann komme das Schwierigste – die Umstellung auf neue Geschäftsmodelle und -grundlagen, die der digitalen Zukunft entsprechen, wie immer diese im Einzelfall auch aussehen mag.

Onlineseminare

Als nächstes Projekt plant Cvrtila das Anbieten von Onlinedigitalisierungskursen über ihre Website www.tiladigital.com – und hofft auf reges Interesse vor allem von Einpersonenunternehmen. Auch einen Digitalisierungsblog gibt es auf der Website. Die EPU hätten in Bezug auf ihre eigene Digitalisierung noch großes Potenzial, von dem sie selbst oft gar nichts ahnten, glaubt Cvrtila. Echte Konkurrenz für ihre Consultingtätigkeit gibt es derzeit nicht so richtig – möglicherweise ist Karin Cvrtila ja sogar die erste definierte EPU-Digitalisierungsberaterin des Landes. Formal ressortiert sie mit ihrer Tätigkeit aber natürlich in der Domäne der klassischen Unternehmensberater.

Schauen aufs Meer

Jetzt noch zum eingangs erwähnten Schauen aufs Meer: Karin Cvrtila hat, wie schon der für österreichische Zungen komplex auszusprechende Name vermuten lässt, kroatische Wurzeln – und besitzt ein von den Großeltern übernommenes Häuschen am Meer, in der Nähe von Zadar im Süden Kroatiens in Norddalmatien. Auch von dort aus kann sie mittlerweile arbeiten, was zu OGM-Zeiten natürlich nicht ging. Das oftmals ins Spiel gebrachte Bild der digitalen Nomadin, mit dem Notebook auf den Knien, mit den Füßen im Wasser und einem WLAN in der Nähe, ist in ihrem Fall gar nicht so weit hergeholt. Die Regel sei das natürlich nicht, sagt Cvrtila, aber von Zeit zu Zeit genieße sie es schon, am Wasser zu sitzen und von dort aus zu arbeiten. Sie sei gut gebucht und genieße ihr neues Berufsleben mittlerweile sehr, fügt die BWL-Absolventin der WU Wien an, die in einer kinderlosen Partnerschaft lebt.

Ein ganz kleinwenig vermisst haben mag Cvrtila bei aller Entspannung während der vergangenen beruflichen Kunstpause den Trubel eines Jobs mitten im Gewusel der österreichischen Wirtschaftspolitik aber wohl doch, könnte man annehmen: Als jüngst das Wirtschaftsmagazin trend auf seiner Kommunikationsseite ein paar Fragen an sie bezüglich ihres Jobwechsels stellte, postete sie den Bericht nach Erscheinen auf ihrer Facebook-Seite mit dem Kommentar: „Ich bin wieder da.“ Versehen allerdings mit einem Augenzwinker-Smiley.

[Klaus Puchleitner]

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