„Ich bin keine Anhängerin einer Verbotskultur“

Bei einem vom Frauennetzwerk Medien initiierten Digi-Talk mit Staatssekretärin Muna Duzdar wurde gestern Abend zum Thema Digitalisierung und den damit verbundenen Chancen und Gefahren für Demokratie und Medien debattiert.

Welche Chancen und Gefahren bringt die Digitalisierung für Demokratie und Medien mit sich? Wie verändert sich die Arbeit von Journalistinnen und Medienfrauen? Wie sollen Fake News und Hass-Postings begegnet werden? Und was kann die Politik tun, um solche Herausforderungen zu bewältigen? Diesen Fragen stellte sich gestern Abend Muna Duzdar, Staatssekretärin für Digitalisierung, Diversität und den Öffentlichen Dienst beim Digi-Talk. Der Einladung in die AK Bibliothek folgten zahlreiche weibliche Gäste aus den unterschiedlichsten Branchen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Martina Madner, der stellvertretenden Vorsitzenden des Frauennetzwerks Medien.

Seit wenigen Wochen steht das neue Arbeitsprogramm der Regierung. Darin enthalten ist auch der Themenkomplex „Digitalisierung“. „Wenn es um Digitalisierung geht, ist es nicht so einfach, Interesse und Gehör zu finden wie bei Integration und Diversität, weil Betroffenheit und subjektives Empfinden hier ein ganz anderes sind“, erzählt Muna Duzdar. Gerade weil Digitalisierung einen „radikalen Wandel“ für unsere Gesellschaft bedeuten würde, müsse die Politik das Thema „viel stärker in die Breite“ bringen.

Initiativen gegen Hass-Postings

Während das Internet früher Demokratie und Freiheit bedeutete, gebe es heute auch negative Entwicklungen, die „politisch gestaltet und gesteuert“ werden müssten. „Digitalisierung kann eine Chance sein. Aber wir dürfen von ihr nicht überrannt und überrollt werden“, so Duzdar. Fehlenwicklungen im Netz seien etwa Fake News und Hass-Postings. Allerdings sei es laut Duzdar nicht Aufgabe der Politik zu regeln, was Fake News sind und was nicht. Gegen Hass-Postings habe man bereits Initiativen wie „Hass im Netz“ und eine eigens für Betroffene von Hass-Postings eingerichtete Meldestelle im Bundeskanzleramt ins Leben gerufen. „Ich glaube nicht, dass wir mehr Gesetze brauchen, ich bin keine Anhängerin einer Verbotskultur. Was es braucht, ist eine Auseinandersetzung in unserer Gesellschaft“, ergänzt sie.

Je nach Berichterstattung ist auch Muna Duzdar regelmäßig dem Hass im Netz ausgesetzt. Wie sie selber damit umgeht? Als vor wenigen Wochen aufgrund eines Medienberichts eine Hasswelle auf sie zurollte, hat sie in einer ersten Reaktion alle Apps auf ihrem Smartphone gelöscht. „Es ist unangenehm, wenn man solche Hasskommentare bekommt, weil sie ja auch die Stimmung im Land aufzeigen. Aber ich bin Politikerin und damit eine öffentliche Person und das heißt, ich muss juristisch mehr aushalten, als andere Personen.“

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