Hype-Alarm in der Start-up-Szene

Medien, Unternehmen, Events, Geschäftsmodelle - auch in Österreich dreht sich vieles um das Wörtchen Start-up. Dass die neue Aufmerksamkeit der Szene aber nicht nur gut tut, wird dabei oft übersehen.

Runtastic-Chef Florian Gschwandtner auf dem Cover von Business-Magazinen. Ein Millionen-Investment für die Flohmarkt-App Shpock. Den interna­tionalen „World Summit Award“ und Vorträge bei der UNO für die Wiener Internet-Firma Whatchado. Das Pioneers Festival, das Ende Oktober Wien als Drehscheibe für Zukunftstechno­logien positionieren will. Und ab ­November eine eigene Start-up-Show auf Puls 4, die die junge Szene und ihre ­findigen Gründer ins Hauptabend­programm bringen wird.

Die Schattenseiten des Start-up-Hypes


Das kleine Wörtchen „Start-up“, mit dem zumeist junge Internet- und Tech-Firmen bezeichnet werden, ist auch in Österreich sexy geworden. Medien, Unternehmen, Agenturen, Geldgeber – immer öfter werden Berichte, Ideenwettbewerbe und neue Projekte mit dem spannenden Wörtchen garniert, um sich einen Teil der neuen Aufmerksamkeit für das Thema zu sichern. Die Erfolgsgeschichten der Fitness-App Runtastic, des mobilen Kleinanzeigen-Portals Shpock oder des Videoportals Whatchado werden gerne und oft erzählt, und viele junge Gründer eifern internationalen Vorbildern wie Mark Zuckerbergs Facebook nach. Doch der Boom hat auch seine Schattenseite. Denn immer öfter fällt im Gespräch mit ­Vertretern der jungen Branche ein ­gefährliches Wort: Hype.

„Es gibt definitiv einen Hype rund um Start-ups“, sagt der Wiener Gerald Bäck, der mit archify und Blippex schon zwei Tech-Start-ups gegründet und diese von Wien nach Berlin übersiedelt hat. „Es scheint fast so, als gebe es keine Kleinunternehmen mehr, ­sondern jeder macht jetzt ein Start-up. Dabei sind Start-ups schon per Definition nur ein sehr kleiner Teil der neu gegründeten Unternehmen. Schon ­allein bedingt durch das hohe Risiko, das Start-up-Gründer auf sich nehmen, sollte das auch so bleiben.“ Im Nachsatz: „Gefährlich wird es für einen Hype dann, wenn sich plötzlich die ­Politik draufsetzt und dabei als einzige Idee mehr Förderungen verspricht, die ohnedies nur Förderberatern nützen.“

Nur eine Phase?


Auch Florian Dorfbauer, Gründer des Wiener Start-ups Usersnap, erkennt ­einen Hype: „Ich persönlich habe eine Vergangenheit als Tontechniker und habe in den späten 90er-Jahren eine Entwicklung erlebt, die einige Parallelen zum aktuellen Start-up-Hype hat: Damals wurden Produktionsmittel im Musikbereich leistbar, CDs konnten selbst gepresst werden, Aufnahme-Equipment wurde erschwinglich, man konnte schnell und einfach die ersten Schritte im Musikbusiness machen.“ Parallel dazu habe es überall Bandwettbewerbe gegeben, „eigentlich stand der Karriere als Rock-Superstar nichts mehr im Wege“. Eine ähnliche Entwicklung nehme jetzt die junge Internet-Branche. Dorfbauer: „Im Start-up-Bereich sind in den letzten Jahren die Kosten für Produktionsmittel ­massiv gefallen: Im Wesentlichen benötigt man Zugang zum Internet, einen Mietserver und ein kleines engagiertes Team, um eine erste Idee umzusetzen. Zudem gibt es jede Menge Bühnen, um seine Idee einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren und sich seine ‚15­ minutes of fame‘ ­abzuholen.“

Auf Investorenseite sieht man den Hype sehr pragmatisch. „Persönlich glaube ich, dass wir durch diese Hype-Phase durchmüssen, um dann Schritt für Schritt eine differenzierte Diskussion und Betrachtung – auch in den Medien – zu bekommen“, sagt der Wiener Internet-Investor Oliver Holle von SpeedInvest (kochabo.at, ­Shpock, Wikifolio und andere). „Das ist Teil der Professionalisierung der Szene, durch die Österreich gerade geht.“

Boom der Jungunternehmen

Der Start-up-Hype schlägt sich auch in den Wirtschaftszahlen nieder. „Von Jänner bis Juni 2013 wagten – ohne den Berufszweig der selbstständigen Personenbetreuer – 14.798 Neugründer den Schritt in die Selbstständigkeit, was ein Plus von 2,3 Prozent und 398 Grün­dungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bedeutet“, sagt Elisabeth ­Ze­hetner, Bundesgeschäftsführerin des Gründerservice der Wirtschaftskammer. Diese Zahlen sind auch im Vergleich zu Deutschland spannend: ­Europas Wirtschaftsmotor verzeichnete im ersten Quartal 2013 laut deutschem Statistikamt Destatis einen Rückgang der Neugründungen um 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

Dass in Österreich die neuen Firmen nicht immer überleben, ist aber auch klar: Laut WKO müssen nach einem Jahr im Schnitt fünf Prozent, nach drei Jahren etwa 20 Prozent und nach sieben Jahren etwa 40 Prozent der Neugründungen wieder zusperren. Vom Aus bedroht sind da auch die Tech-Start-ups. „In der Internet-Branche wie bei Tech-Start-ups generell kann es zu einem sehr schnellen positiven Wachstum kommen. Es gibt aber natürlich auch viele Konzepte, die nicht so einfach aufgehen“, sagt Zehetner.

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Kommentare

2 Postings

  • Christian Leeb
    guter artikel!

    startups in europa sind zum scheitern verurteilt, insbesondere, wenn sie wirklich innovativ sind, weil europa das ganze nicht versteht und nicht wirklich unterstuetzt.

    99% reden nur, 1% macht aktiv was.

    niemand in oesterreich kann
  • Fabian Greiler
    Ich finde den Artikel auch sehr lesenswert und bin voll d’accord was die triste Verfügbarkeit von Risikokapital angeht. Aber da ändert sich momentan ja doch vieles. Mit www.venionaire.com gibt es etwa seit kurzem einen neuen Business Angel in Österreich.
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