Harald Mahrer: „5G wird neue Formen der Kommunikation ermöglichen“

Wirtschaftsminister Harald Mahrer spricht im Interview über die Breitbandmilliarde, superschnelles 5G und die Bedeutung des technischen Fortschritts für die Branche.

Dieses Interview ist zuerst in der Print-Version des HORIZONT, Ausgabe 36, erschienen.

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HORIZONT: Mit der „Breitbandmilliarde“ soll das österreichische Netz modernisiert werden. Wohin genau fließt wie viel Geld?

Der internationale Vergleich zeigt ganz klar - wir haben enormen Aufholbedarf. Derzeit liegen wir nur auf Platz 15 im EU-Vergleich. Um Innovationsführer zu werden, müssen wir deutlich mehr investieren und die Mittel kompetitiver verteilen. Ein entscheidender Teil des Geldes wird daher in den Ausbau der Infrastruktur fließen, vor allem auch um die Kluft zwischen Stadt und Land zu schließen.

Welchen volkswirtschaftlichen Effekt erwarten Sie sich durch die Breitbandmilliarde?

Die digitale Infrastruktur ist absolute Grundvoraussetzung für alle Zukunftstechnologien und damit ein entscheidender Standortfaktor. Es geht daher nicht nur um die Effekte, die der Ausbau der Infrastruktur mit sich bringt, sondern vor allem um die möglichen Anwendungen: Wenn wir beispielsweise an die Blockchain-Technologie denken, warten hier enorme Veränderungen auf uns, die wir unbedingt mitgestalten müssen. Die Breitbandmilliarde ist daher wichtig, aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wenn wir den Digitalisierungszug verpassen, ist das ein Verlust großer Chancen: Wenn Österreich etwa Pilotland beim Ausrollen des 5G-Mobilfunkstandards wird, bringt uns das bis 2027 etwa 30 - 40 Milliarden Euro mehr Bruttowertschöpfung und 30.000 - 40.000 Jobs.

Welche Maßnahmen werden gesetzt, um die ländlichen Regionen schneller an das Internet anzubinden?

Bei der Netzabdeckung im ländlichen Raum ist Österreich im internationalen Vergleich hinterher. Die Frage der digitalen Infrastruktur ist hier eine Frage der Teilhabegerechtigkeit und entscheidet darüber, ob Unternehmen im ländlichen Raum bestehen und sich ansiedeln können oder ob junge Leute wegziehen müssen. Die Abwicklung der Breitbandförderung geht zu langsam voran, vor allem durch zu aufwendige Verwaltungsschritte.

Ein Teil des Breitband-Ausbaus besteht aus der nächsten Mobilfunk-Generation, 5G. Brauchen wir das überhaupt? Sind nicht die meisten Anwendungsszenarien mit stabilem Festnetz-Internet besser abgedeckt?

5G wird das Rückgrat für zahllose neue digitale Technologien, aufbauend auf einen exzellenten Glasfaser-Backbone. Viele der Anwendungen werden heute erst entwickelt, daher können wir teilweise noch nicht vollständig abschätzen, wo wir diese Technologien überall einsetzen werden. Klar ist aber, dass bei exponentiell wachsenden Datenmengen Mobilfunkstandards wie 4G nicht mehr ausreichen - insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung des „Internets der Dinge“, wenn beispielsweise jede Kaffeemaschine eine SIM-Karte hat. Aber auch im Verkehr, wenn wir an autonomes Fahren denken. Dabei kommt es vor allem auf die Latenz und weniger auf hohe Datenraten an. 5G ermöglicht aber auch neue Services für Rettungs- und Katastrophendienste. Das sind segensbringende Anwendungen, die auf uns zukommen. Entscheidend ist daher, dass wir bei den neuen Entwicklungen vorne dabei sind und sie auch aktiv mitgestalten können.

Welche Vorteile sind konkret für die Medienbranche zu erwarten?

Digitalisierung macht vor keiner Branche halt und wird deshalb auch die Arbeit in der Medienbranche nachhaltig verändern. Gerade durch die Umstellung auf 5G werden zum Beispiel neue Formen der Kommunikation möglich, auf die dieser Bereich reagieren muss. Eine Weiterentwicklung erwarten wir beispielsweise bei neuen Broadcast-Techniken wie z.B. Live TV für mobile Geräte in Ultra-HD.

Und für die Werbebranche?

Diese rasanten Veränderungen betreffen selbstverständlich auch die Werbebranche. Wichtig ist, wie gesagt, jetzt die Weichen zu stellen, denn was wir jetzt erleben ist nur die Spitze des Eisbergs, der Gruß aus der Küche. Das eigentliche mehrgängige Menü wird uns in den nächsten fünf bis zehn Jahren serviert. Hier liegt der Fokus ganz klar auf Datenanalyse und der vernetzten Verwaltung von Daten.

Wann rechnen Sie mit einer flächendeckenden Einführung von 5G in Österreich?

Je früher wir diesen Umstieg schaffen, desto besser. Unser klares Ziel muss sein, Österreich als 5G-Vorreiter und 5G-Pilotland zu positionieren. Wir müssen aber jetzt die Grundlagen dafür schaffen. Konkret heißt das, dass wir so schnell wie möglich erste Testbeds errichten wollen, um neue 5G-Anwendungen zu entwickeln und den Infrastrukturausbau rasch vorantreiben. Mit der Markteinführung rechne ich 2020, flächendeckend wollen wir 5G spätestens bis 2025 sicherstellen.

Wie gut ist Österreichs Zeitplan zur 5G-Einführung aufgestellt, wenn man dies mit anderen Wirtschaftsstandorten, wie etwa Deutschland, vergleicht?

Derzeit liegen wir mit Deutschland zumindest gleich auf. Natürlich ist das ein ambitionierter Zeitplan. Wenn wir aber sehen, dass in Deutschland die öffentliche Hand und die Wirtschaft gemeinsam 100 Milliarden Euro in den digitalen Infrastruktur-Ausbau investieren, ist klar, dass wir mit einer Breitbandmilliarde nicht langfristig durchkommen. Mit dem bekannten Schlüssel 1:10 würde das also bedeuten, dass wir mindestens 10 Milliarden Euro investieren müssten.

Marktteilnehmer fürchten, dass die Kosten der 5G-Frequenzauktion für sie zu hoch sein werden – mit entsprechenden Konsequenzen für den Standort. Wie reagieren Sie darauf?

Wenn wir bei 5G vorne mit dabei sind, generieren wir wieder neue Wertschöpfung und Arbeitsplätze. An der Technologie führt kein Weg vorbei. Allerdings sollten wir die Art des Mitteleinsatzes hinterfragen. Die frühere Vergabe der Mobilfunkfrequenzen hat dem Staat zwar Geld gebracht, aber künftig sollte der Fokus stärker auf Qualitätskriterien wie Netzabdeckung in Regionen und Tälern liegen. Und es gibt eine Vielzahl bürokratischer Hemmnisse, die wir reduzieren könnten bzw. ganz abbauen könnten, um als Pilotland hochattraktiv zu sein.

Österreichische Medientage 2017: Panel ‚Breitband‘, 21. September, 12:00 Uhr, Saal 1

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