Gutenberg 2.0: Rollenoffset aus einem Guss

Reportage: Die Leykam Let’s Print Gruppe integrierte Strohal Druck, Elbemühl-Tusch und Goldmann erfolgreich. Jetzt will der Druckkonzern weiter wachsen. HORIZONT beim Lokalaugenschein in Neudörfl

Dieser Artikel erschien bereits am 2. Oktober in der HORIZONT-Printausgabe 40/2015 im Dossier „Design, Druck & Packaging“. Hier geht's zur Abo-Bestellung.

In einer Markteinschätzung über Druckereien und Verlagswesen von Februar 2015 zeichnete ein öster­reichisches Bankinstitut ein düsteres Bild: Der Strukturwandel habe in zehn Jahren in beiden Branchen zusammen ein Fünftel der Arbeitsplätze gekostet, zahlreiche Druckereien seien vom Markt verschwunden und das Profil der Druckereien sei bestimmt von Überkapazitäten, Konkurrenzdruck und wirtschaftlichen Problemen. Vieles davon ist wahr. Es hat einige Druckereien in den letzten Jahren „erwischt“. Das Geschäft wurde, nicht zuletzt durch die Digitalisierung, härter. Aber es gibt auch noch eine andere Realität. Eine, die mit Johannes Gutenberg um 1400 in Mainz begann und bis heute sehr ­lebendig ist.

Und das hört sich dann so an: „Print ist mit Sicherheit nicht tot. Ich sehe seit 2010 eine relativ stabile Entwicklung des Flugblattes, ich sehe eine Renaissance des Kataloges – und zwar des Special-Interest-Kataloges. Ich sehe stark rückläufige Tendenzen im Zeitungsdruck. Im Magazin­bereich gehen teilweise die High-­Volume-Magazine zurück, aber die Special-Interest-Magazine nehmen zu. Trotz aller Unkenrufe gibt es eine relativ stabile Marktentwicklung“, erzählt Gerhard Poppe, Vorstandsvorsitzender der Let’s Print Holding AG, besser bekannt als Leykam Druckerei.

Die Geschichte der Leykam Druckerei geht auf das Jahr 1585 zurück. 1781 erhielt Andreas Leykam in der Steiermark die Genehmigung, eine Druckerei „auf eigene Kosten und Gefahr“ zu errichten – sein Name ist bis heute Markenname der Druckerei geblieben. Bald konzentrierte sich das Unternehmen auf den Bereich Rollenoffsetdruck, dem heutigen Kerngeschäft der Leykam Let’s Print Gruppe. Die erste Rollenoffsetmaschine in Graz wurde 1984 installiert. 2003 wurde die Let’s Print Holding AG mit Sitz in Graz gegründet. Unter ­ihrem Dach wurden die Aktivitäten der Unternehmensgruppen Leykam Druck und Elbemühl-Tusch Druck zusammengeführt. 2005 wurde Strohal Druck integriert und 2011 folgte Goldmann Druck. Heute umfasst das Unternehmen vier Standorte mit der Zentrale im burgenländischen Neudörfl, in Müllendorf sowie im slowenischen Hocˇe und im tschechischen Brˇeclav. 730 Mitarbeiter, 262.000 Tonnen Papierverbrauch pro Jahr mit einem Umsatz 2014 von 231 Millionen Euro. Die Eigentümer sind die Leykam Medien AG und die Erste Bank plus zwei Privataktionäre. ­Damit ist aus den steirischen Gutenberg’schen Wurzeln gemeinsam mit den Druckereien, die es „erwischt“ hatte, ein österreichischer Rollenoffsetdruck-Konzern mit europäischem Anspruch geworden.

Europäischer Player aus Neudörfl

Gerhard Poppe ist stolz darauf: „In Europa sehen wir uns unter den Top drei der Rollenoffsetdrucker. Das ist für Nicht-Branchenkenner vielleicht etwas überraschend. Aber man muss berücksichtigen, dass Deutschland diese Art der Konsolidierung, die wir in Österreich schon haben, noch vor sich oder noch nicht gemacht hat. Wenn wir unsere Kapazitäten auf den deutschen Markt umlegen würden, wären wir der zweitgrößte deutsche Rollenoffsetdrucker.“ Stolz ist er auch darauf, dass das Unternehmen die Integration der anderen Druckereien so ­geschafft hat, dass es einheitliche Standards für die gesamte Gruppe gibt, es aber möglich war, Mentalität, Sprache und Lokalkolorit der einzelnen Standorte zu erhalten und bewahren. Der Schlüssel dazu war für ihn, dass „man genau wusste, was man mit den jeweiligen Standorten vorhatte.“

Die Zentralfunktionen wie Terminplanung, Einkauf, Buchhaltung, Rechnungswesen, Controlling befinden sich alle in einer Hand. Das Unternehmen könne damit „aus ­einem Guss“ von Neudörfl aus ­gesteuert werden. So läuft auch die Planung von allen 19 Druckmaschinen mit ­einem einheitlichen Kalku­lations- und Planungssystem im ­Burgenland zusammen. Das ist ein ­Geheimnis der erfolgreichen Geschäftsentwicklung: Die Workflows wurden und werden ständig optimiert. Da sich an der grundsätzlichen Drucktechnik im Rollenoffsetbereich nicht allzu viel geändert hat, bieten Kundenwünsche wie regionale Mutationen oder viele verschiedene Lieferadressen den Kernpunkt für Veränderungen. Poppe: „Die Wünsche gehen in Richtung Qualität und Regionalisierung, also um Innovation im Prepress- und im logistischen Bereich. Wir diskutieren oft über Datenanlieferungstermine, plus-minus einer halben Stunde. Deswegen ist es für uns entscheidend, einen ­effizienten und klar definierten Workflow durch das Unternehmen zu haben.“

Brücke zwischen Print und Digital

Damit hört die Entwicklung aber nicht auf: Für langjährige Kunden verwaltet und bearbeitet Leykam seit 2010 komplette Bilddatenbanken gleich mit. Und seit eineinhalb Jahren gibt es mit der amano media Gmbh auch ein ­eigenes Digitalunternehmen in Wien, das eine Brücke zwischen Print und Digital schlagen soll. Denn „einfach nur Daten in ein PDF zu klatschen, ist heute zu wenig“, ist der Leykam-Vorstandsvorsitzende überzeugt: „Wir wollen über unseren Tellerrand schauen.“ Uns so gibt es, wie bei den Übernahmen der Vergangenheit auch, eine deutliche Vision für die Zukunft. Poppe: „Ich wünsche mir, dass wir die Möglichkeit haben, uns weiterzuentwickeln und zu wachsen. Das Unternehmen ist extrem gut für zukünftige Herausforderungen aufgestellt. Wir haben die perfekte Ausgangsposition, um weiter im Rollenoffsetmarkt wachsen zu können.“

[Elisabeth K. Fürst]

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