Gute Signale: Print steigt wieder

Leitartikel von Marlene Auer, Chefredakteurin.

Die Zeichen stehen gut: Das erste Halbjahr brachte einigen Verlagshäusern im Vergleich zum Vorjahr Umsatzsteigerungen – selbst im Tageszeitungsbereich, der durch digitale Nachrichtenangebote besonders unter Druck steht.

Mit konkreten Zahlen hält man sich bedeckt, ebenso zurückhaltend bleibt man bei der Begründung. Für viele Verleger ist es ein Rätsel, warum Print plötzlich wieder besser performt. Auch E-Paper nimmt zu. Eine Parallele zum Einbrechen von Desktopumsätzen ist unwahrscheinlich. Im Onlinebereich steigt vor allem das Mobile-Segment.

Indes zeigt der Reuters Institute Digital News Report: Österreich ist Spitzenreiter und liegt mit 61 Prozent Zeitungsleserschaft weit über dem Durchschnittswert des 36-Ländervergleichs – konkret um 26 Prozent. Und laut jüngster LAE aus Deutschland gewannen – trotz vielfach rückläufiger Auflagen – Tages- und Wochenzeitungen deutlich Leser unter den Entscheidern hinzu, ebenso wie (fast) alle Magazine.

Onlineangebote und Apps büßten in der deutschen LAE hingegen Leser ein. In Österreich sitzt das Ende von Titeln wie dem WirtschaftsBlatt der Printbranche noch in den Knochen – kommt jetzt die große Renaissance? Tatsache ist: Print steht immer noch unter Druck.

Gratisnachrichtendienste im Internet stellen ihre Rolle als Nachrichtenträger in Frage und verlangen eine Neupositionierung, die uns noch viele Jahre intensiv begleiten wird. Nur jene, die sich wandeln und zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten forcieren, werden Bestand haben.

Fakt ist aber auch: Der Wunsch nach Einordnung und Analyse wird stärker. Leser und User vertrauen im digitalen Nachrichtensturm zunehmend auf klassische Medien und bestehende Medienmarken. In den USA wurde es vorgezeigt: Amerikanische Printtitel konnten im Wahlkampf ihre Auflagen steigern – darunter die Washington Post und die New York Times.

Sie berichten immer noch differenziert aus dem Weißen Haus – und die Zahl der Abonnenten wächst weiter. Genaue Angaben werden nicht gemacht, allerdings kursieren Einordnungen: Die Zahl der neuen Aboabschlüsse dürfte je nach Medium im niedrigen bis mittleren sechsstelligen Bereich liegen.

In Österreich haben wir erst den längsten Wahlkampf um die Bundespräsidentschaft hinter uns gebracht, da kommt schon der nächste – nun um den Nationalrat. Es wird spannend, denn selten haben die Spitzenkandidaten derart polarisiert. Das wird sich in TV-Duellen wie in Printtiteln niederschlagen. Hinzu kommt: Die Menschen setzen sich nicht zuletzt dadurch wieder mehr mit Politik auseinander.

Das ist für Medien eine große Chance: In den nächsten Monaten wird sich zeigen, wem es gelingt, mit gutem Journalismus Leser zu binden. Dann gilt es, sie auch nach dem Wahltag zu halten. Auch die Politik könnte unterstützen: Durch ein Gratisabo nach Wahl für jeden Maturanten in Österreich. Denn Medienförderung ist auch Leseförderung.

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