Geben – und viel mehr nehmen

Google und Facebook umgarnen Medienhäuser, nicht ohne ihren Anteil zu fordern. Das verstärkt die Gefahr intensivierter Abhängigkeiten.

Dieser Leitartikel ist zuerst in Ausgabe Nummer 43 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Die US-Giganten Google und Facebook halten die Medienwelt – wieder einmal – in Atem. Erstens Facebook: Der Paywall-Testversuch mit Instant Articles soll das Tool für Publisher in der Monetarisierung attraktiver machen. Freiheit in der Preisgestaltung und kein Mitschneiden an Umsätzen sind als Entgegenkommen an die Verlage zu verstehen. Gleichzeitig experimentiert das Zuckerberg-Imperium am Explore Feed: Keine Postings von Pages mehr in der regulären Timeline, nur gegen Werbegeld gewährt Facebook Präsenz im gewohnten Umfeld. Der Test läuft in sechs Ländern (unter anderem der Slowakei), vorerst sei kein globaler Rollout geplant. Die größten 50 slowakischen Facebook-Pages verloren jedenfalls als ein Resultat davon 65 Prozent ihrer Interaktionen.

Zweitens Google: Der Suchmaschinen-Gigant hat erst Anfang Oktober sein „First click free“-Modell weltweit eingestampft. Verlage müssen Pay-Inhalte nicht mehr kostenlos bei Google anzeigen, um überhaupt indiziert zu werden. Auch hier ist die Intention zu helfen, Inhalte besser zu monetarisieren. Zugleich bietet Google laut einem Bericht der Financial Times den Verlagen nun an, mit Nutzerdaten und Algorithmen zu helfen, User zu zahlenden Abonnenten zu machen. Kein Geben ohne Nehmen: Wie schon beim AdSense-Deal für Werbetreibende will Google bei den Erlösen mitschneiden.

Die Strategien der Giganten sind klar: Während auf der einen Seite Zugeständnisse gemacht werden, wird auf der anderen Seite beinhart monetär abverlangt. Das ist aus Sicht der Konzerne legitim – für Medien aber ein weiteres Abgeben der Eigenbestimmung. Jedes Schrauben am Geschäftsmodell der Plattformen wirkt sich umso direkter aus. Europa hat es noch immer nicht geschafft, alternative Plattformen zu etablieren. Medienhäuser sind damit quasi gezwungen, am Spiel von Google und Facebook zu partizipieren. Wie intensiv diese Beziehung wird, sollten sich Beteiligte gut vorab überlegen. Denn der Schritt in eine Abhängigkeit ist immer leichter getan, als jener wieder heraus.

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