Fellner übernimmt Seitenblicke-Magazin: Das sind die Pläne

Die Verantwortlichen sprachen mit HORIZONT über alle Details.

HORIZONT: Kürzlich endete die Ausschreibung zur Neuvergabe der Seitenblicke-Magazin-Lizenz durch die ORF Enterprise, Sie haben dabei den Zuschlag erhalten. Ihr Medienhaus setzt zunehmend auf Online und Bewegtbild; Sie meinten einmal, die Zeitung sei für Sie nur ein Mittel zum Zweck. Warum erweitern Sie nun doch Ihr Printportfolio?

Wolfgang Fellner: Weil wir der Strategie folgen, der Zeitung jeden Tag ein Magazin beizulegen. Am Montag erscheint Gesund & Fit, am Dienstag Reiselust, am Mittwoch Naturlust, am Freitag Cooking und am Samstag Madonna. Am Donnerstag spürten wir eine Lücke, auch aus Vermarktungssicht. Wir verkaufen am Donnerstag deutlich weniger Zeitungen als an den anderen Wochentagen.

Woran liegt das?

Fellner: Weil wir am Donnerstag kein Magazin hatten, sondern mit „Stars“ und „TV“ nur zwei Zeitungsbeilagen. 

Sehen Sie die Magazine also als Treiber für die Tageszeitung?

Fellner: Im Trafik-Verkauf auf jeden Fall, und hoffentlich nun auch zunehmend im Abo-Bereich. Es gibt keine andere Zeitung in Europa, die jeden Tag ein Magazin hat. Wir sehen generell ein Comeback der Magazine, insbesondere der Special-Interest-Medien. 

Die ausgeschriebene jährliche Lizenzgebühr lag bei 55.000 Euro. Ist es dabei geblieben?

Fellner: Das muss der ORF beantworten und nicht wir. Es hat aber, soweit ich weiß, keine anderen Bieter gegeben, oder keine ernsthaften. Das war weniger umkämpft als ATV. Wir haben ein professionelles Konzept vorgelegt, inklusiver Nullnummer, und haben nicht gefeilscht. 

Welche Umsatzziele haben Sie sich gesteckt?

Fellner: Trotz der hohen Lizenzzahlung, die an den ORF zu leisten ist (lacht), hoffen wir, dass wir ab der ersten Nummer klar in der Gewinnzone sind. 

In welcher Höhe?

Fellner: Wenn es gut geht, knapp siebenstellig pro Jahr. Die Kosten sind gering. Wir produzieren das Magazin aus der Struktur und unserem Overhead heraus, stocken nur ein wenig auf, und haben keine zusätzlichen Vertriebskosten, weil es der Zeitung beiliegt. Wir sind stolz darauf, dass alle unsere Magazine in der Gewinnzone sind und wollen am Donnerstag vorerst mit der Kombi „Zeitung plus Seitenblicke“ 15.000 Stück im Einzelverkauf mehr verkaufen als bisher. Zusätzlich noch etwa 25.000 Stück als eigenständiges Magazin ohne Zeitung in der Trafik und rund 50.000 werden über die Abos verbreitet. Alles in allem ergibt das eine Auflage von knapp 100.000 Stück. 

Wie wird das Seitenblicke-Magazin aus dem Fellner-Haus aussehen?

Jenny Magin: Für uns ist es ein riesiger Gewinn, dass wir Daniela Schimke ins Haus geholt haben. Große Herausforderung ist nun, Madonna von Seitenblicke abzugrenzen, denn Seitenblicke war ja zuletzt sehr stark als Frauenmagazin positioniert. Wir sind gerade in der Konzeptionsphase. Prinzipiell sollen die Themen Stars und Gossip im Fokus stehen – aber es wird viel Platz auch für „Stars und Fashion“ und „Stars und Beauty“ sein. 

Frau Schimke, Sie waren beim Red Bull Media House und haben dort das Seitenblicke-Magazin geleitet. Wie fühlt es sich an, das Blatt nun in einem anderen Verlag zu machen?

Daniela Schimke: Wir haben uns auch damals mit dem Relaunch beschäftigt. Umso mehr freut es mich, das jetzt weiterführen und wieder ein bisschen anders entwickeln zu können. Gerade im wöchentlichen Bereich. Es ist schwierig, so ein Produkt im Monatsrhythmus zu produzieren, weil sich die Informationen heutzutage so schnell überholen – als Wochen-Magazin ist „Seitenblicke“ ideal positioniert.

Wenn es eine stärkere Abgrenzung zwischen den Magazinen Seitenblicke und Madonna geben soll: Wie sieht dann die Vermarktungsstrategie aus?

Fellner: Auch hier haben wir ein neues Konzept: Madonna und Seitenblicke werden bei den Werbekunden als gemeinsame Kombi verkauft. Es gibt nur mehr einen Tarif. Weil wir vermeiden wollen, dass sich zwei ähnliche Titel konkurrenzieren – oder die Budgets zu sehr belasten. Die Buchung erscheint dann in beiden Medien: in Seitenblicke und Madonna. 

Und was passiert mit Stars und TV?

Magin: Beides stellen wir ein. Stars wird zu Seitenblicke – das ist dann von einer ganz anderen Qualität in der Haptik als eine auf Zeitungspapier gedruckte Beilage. Und TV wird eine Magazinbeilage von Seitenblicke. Das bedeutet, Seitenblicke hat ein TV-Programm zum Herausnehmen, bei dem die Stars gehighlightet sind.

Wie sieht es mit der cross-medialen Strategie aus, Stichwort Bewegtbild?

Fellner: Wir haben mit dem ORF vereinbart, die Marke Seitenblicke nicht auf oe24.TV zu verwenden. Stattdessen setzen wir auf unsere Online-Marke Stars24, die von all unseren Portalen nach der News-Seite die meisten Zugriffe verbucht.

Sie könnten auch über seitenblicke.at ein Portal zum Magazin aufziehen. Haben Sie dafür auch die Lizenz erworben?

Fellner: Wir warten die ersten Wochen des Printprodukts ab, die Online-Lizenz haben wir derzeit noch nicht ausdiskutiert. 

Also wird bei der Online-Lizenz gegebenenfalls nachverhandelt?

Fellner: Ja, Online wird amikal geregelt. Aber wir wollen unsere Onlinepräsenz auf stars24.at und auf oe24 fahren und nicht auf seitenblicke.at, weil wir da keine neue URL aufmachen wollen, die sich mit dem ORF konkurrenziert. 

Wie sieht es aus, wenn ein anderes Medienhaus die Lizenz für das Online-Portal erwerben möchte?

Fellner: Das kommt nicht in Frage. Entweder es bleibt beim ORF oder es ist bei uns. Das ist auch mit Red Bull und auch dem ORF so ausgehandelt. Es kann nicht noch ein drittes Medienhaus dabei sein, das ist ja kein Bazar. 

Zurück zu Print: Das Seitenblicke gibt es „stand alone“ auch?

Fellner: Ja. Zu € 2,90. Genauso wie die Zeitung. Am selben Tag. Am Donnerstag erscheint also das Seitenblicke und das Österreich mit Seitenblicke  – beides zu € 2,90.  Das Magazin kann man dann aber auch noch die ganze Woche – also etwa auch Samstag – in der Trafik stand alone kaufen. Wie jedes Wochenmagazin.

Wird sich die grafische Linie verändern?

Schimke: Es wird ein eleganteres Seitenblicke mit mehr People, nationalen und internationalen Stars. Nicht trashig.

Magin: Der Umfang liegt bei 64 Seiten, ohne dem Fernsehmagazin, und erscheint ab 27. April wöchentlich. 

Welche internationalen Magazine haben Sie bei der Gestaltung inspiriert?

Schimke: Am liebsten arbeiten wir mit US oder People.

Frau Magin, Sie sind Herausgeberin für die Magazinwelt des Verlags. Wenn wir die Magazinpalette betrachten, welche funktionieren am besten?

Magin: Unter der Woche mit Abstand „Gesund & Fit“, die Absatzzahlen steigen von Woche zu Woche. Und am Wochenende ist nach wie vor Madonna das Flaggschiff. Beide Magazine steigen sowohl im Verkauf als auch im Anzeigenbereich. Bei Madonna wird sich auch einiges ändern, da sind wir gerade mitten im Re-Design-Prozess. 

Was wird sich dabei verändern?

Schimke: Madonna war immer ein tolles Produkt, aber der letzte Relaunch ist schon eine Zeit her. Jetzt war es mal an der Zeit das Magazin an die neue Zeit anzupassen. Es wird sich an den Farben, den Schriften einiges ändern, ein paar Heftteile werden adaptiert. Daran arbeiten wir gerade. 

Fellner: Auch inhaltlich nutzen wir Synergien. Wir nehmen die Star-Geschichten aus dem Madonna und bringen sie in die Seitenblicke. Die Idee ist, dass Madonna-Leser beides konsumieren. 

Die Herausgeberschaft von Seitenblicke und Madonna liegt dann bei wem?

Magin: Wir sind zu viert – neben mir und Dani Schimke sind noch unsere Foto-Chefin Tina Wohner und ÖSTERREICH-Chefredakteurin Daniela Bardel im Team. Auch die Chefredaktion machen wir in dieser Besetzung. 

Laut jüngster ÖAK steigt die Nutzung von E-Papern. Wie sieht die Entwicklung bei Ihren Medien dabei aus?

Fellner: Wir haben Steigerungen, aber die Nutzung hält sich in Grenzen. 

Magin: Den großen Trend sehen wir darin nicht. Entweder surfen die Leser am Computer direkt in unseren Portalen oder sie kaufen sich eine Zeitung. 

Schimke: Gerade bei Magazinen geht es um das haptische Erlebnis – ich glaube, das ist gerade für Frauen ganz wichtig.

Fellner: Nur zum Vergleich: Wir verbreiten aus unseren Boxen vor der U-Bahn-Station am Wiener Reumannplatz sicher mehr Zeitungen als im ganzen E-Paper-Bereich. Das meine ich ganz wertfrei. 

Und in Sachen Paid Content? Ist das ein Thema für Sie?

Fellner: Das wäre bei uns eher kontraproduktiv. Derzeit. Vielleicht schaffen wir eine Lösung, beides zu machen, so wie Bild das versucht. In Wahrheit braucht man aber ein Wahnsinns-Marketing-Budget dafür. Wir machen derzeit sicher mehr Geld mit unserem Bewegtbildangebot als wir je mit Paid Content erlösen würden. Wir setzen jetzt aber eben auch wieder auf die Magazine und werden versuchen, die Agenturen wieder dafür zu gewinnen. Weil Magazine Lust machen, wie es kein anderes Medium kann. Der Trend am Magazin-Sektor geht zu Special Interest und zu den Lifestyle-Themen wie Reisen, Mode, Wohnen, Natur, Kochen. Auch Fernsehen greift da nicht, solche Sendungen haben sich nicht einmal in Amerika gehalten. Für diese Themen ist das Genre Magazin wie geschaffen. 

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