Fake-News - eine Chance für die seriösen Medien?

Spätestens seit Trump mit der Killerphrase „You are Fake-News“ die unliebsame Fragen eines Journalisten „beantwortete“, ist das Thema zur Causa Prima in Medienkreisen avanciert.

Was aber sind eigentlich Fake-News genau? Sind sie nur Bedrohung oder auch eine Chance für eine aufgeklärte Gesellschaft?

Am 2. Tag der Österreichischen Medientage loteten Niko Alm (Quo Vadis Veritas), Helmut Brandstätter (Kurier), Ingrid Brodnig (Journalistin & Autorin), Katharina Schell (APA-Gruppe), Ernst Sittinger (Kleine Zeitung) sowie Wolfgang Unterhuber (RMA) das Thema Fake-News im spannenden Dreieck zwischen Politik, Journalismus und Konsumenten aus. Als Moderator fungierte Uwe Vorkötter von HORIZONT Deutschland.

„Wir haben es mit einem Krieg der Worte zu tun“, eröffnete Vorkötter, aber: „Was sind eigentlich Fake-News? Fake-News sei mittlerweile zur Killerphrase verkommen, konstatiert Katharina Schell von der APA. „Jeder verwendet den Begriff anders.“ Für Ernst Sittinger (Kleine Zeitung) ist wesentlich, dass es hierbei um interessengetriebene Falschmeldungen geht, wobei das ja nichts Neues sei. „Eine journalistische Essenz war immer, zwischen wahr und falsch zu entscheiden. Wir betreiben ja eigentlich Labelling und solange unsere Marke in Ordnung ist, haben wir eine höhere Glaubwürdigkeit, als wenn die News aus einer Hexenküche kommen.“ Auch für Autorin und Publizistin Ingrid Brodnig ist die Begriffsdefiniton klar: „Fake-News sind bewusst lancierte Falschmeldungen aus bestimmten Interessen. Politische Lüge ist so alt wie Lüge selbst. Nicht nur in USA, auch in Europa werden Falschmeldungen immer mehr.“

Fake-News sind Bassena-Tratsch
Schon als Kind hingegen hat sich Kurier-Chefredakteur Helmut Brandstätter über tendenziöse Berichterstattung der Medien geärgert: „Ich habe als Kind Volksblatt und AZ gelesen. Da hab ich begonnen, Journalismus zu verachten, denn die schrieben von ein und demselben Ereignis natürlich – je nach Eigeninteressen – völlig anders.“ Für Wolfgang Unterhuber vom Regionalmedienverband sind Fake-News ein Pendant zum tradierten Bassenatratsch, der meist regional beginnt. „Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise kamen unzählige Hinweise der Bevölkerung, wer dieser Flüchtlinge was alles getan haben soll. Wir haben dann angekündigt, den Hinweisen nachzugehen. Die Auflösung: das Meiste war Fake. Gerade im Lokaljournalismus haben wir den Vorteil, dass wir näher dran sind und alles leichter überprüfen können.“

Auf der Suche nach der „Wahrheit“
Warum braucht es eine Rechercheplattform wie Quo Vadis Veritas?, fragte Vorkötter Niko Alm. Der Geschäftsführer der Redaktion von Quo Vadis Veritas Redaktions GmbH meint, man möchte eine Lücke in der Medienlandschaft füllen. Etablierter Journalismus sei zu oft genötigt, die eigene Blase zu bedienen, außerdem fehlt den Medienhäusern schlicht Zeit und Geld, um investigative Themen in ihrer gesamten Breite darzustellen. Alm sieht das von Dietrich Mateschitz finanzierte Projekt weniger als Wettbewerb, denn als Ergänzung zu den bestehenden Medien. „Deshalb suchen wir auch Kooperationen“, sagt Alm.

Fake News als Chance
N.Y. Times und Washington Post profitierten von der Fake-News-Debatte, warf Uwe Vorkötter in die Runde, die Zeitungen nehmen gar eine Rolle als Opposition wahr. Sind Fake-News generell eine Chance für die seriösen Medien? „Ja“, meint Erich Sittinger, „die Chancen von seriösen Medien steigen mit Medienerziehung der Menschen, eine Medienerziehung, die allerdings komplett fehlt. Was Medien sind und welche Aufgaben Journalisten haben, können die meisten nicht einmal beantworten. Es gibt da oft völlig falsche Erwartungen. Außerdem sehen wir uns mit immer mehr Bots und Robotern einer Lawine von Fake-News gegenüber.“ Für Helmut Brandstätter ist die gesamte Diskussion ebenfalls eine große Chance, auch er sieht das Bildungsproblem, weist jedoch gleichzeitig auf die größer werdende Spaltung der Gesellschaft hin: Medien machen gescheite Menschen gescheiter, aber blöde auch blöder. Weiters betont Brandstätter, dass zwischen Politik und Journalismus ein Zaun sein müsse, die Gemeinsamkeit sei Demokratie.

Politik betreibt Bypassing traditioneller Medien
Zur Politik sagt Ex-Neos Politiker Niko Alm, dass man die direkte Ansprache der Politiker an die Menschen durch bypassing traditioneller Medien wohl nicht mehr ändern könne, so gerne wir alle die Medien als Gatekeeper sehen. Und: „Natürlich muss Medienkompetenz in die Bildung rein.“ Autorin und Publizistin Ingrid Brodnig sieht in dem Thema insgesamt eine Chance für Gesellschaft als solche. Interessant sei in diesem Zusammenhang aber, dass laut Studien gerade jüngere User Fake-News ganz gut erkennen. Wolfgang Unterhuber vom Regionalmedienverband Austria: „Wir sind Dienstleister. Es gibt einen Graben zwischen uns und den Lesern, an dem wir auch selbst Schuld sind. Das muss man überwinden mit dem Signal: wir sind für unsere Leser da.“ Einen differenzierteren Standpunkt zum Thema Bildung vertritt Katharina Schell von der APA, denn: „Medienkompetenz sei ja wünschenswert, wir könne uns User nicht herbeiphantasieren.“ Die gesamte Debatte sei aber eine Chance, dass Medien insgesamt wieder an Glaubwürdigkeit gewinnen. Die journalistischen Grundregeln der APA hätten sich nicht verändert: „Richtigkeit vor Schnelligkeit.“

[Marko Locatin]

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