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Facebook und seine Baustellen: Fake Accounts und Paradies-Papiere

Facebook-CEO Mark Zuckerberg will laut Eigenangabe der Verbreitung von Fake News aktiv entgegenwirken – auch auf Kosten von Profitabilität.
© Facebook

Facebook übertrifft in den Quartalszahlen die Erwartungen der Analysten und baut seine Position aus. Doch abseits der Zahlen kommt neuer Gegenwind.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 45 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

acebook hat mit der jüngsten Bilanz die Erwartungen der Analysten übertroffen. So stieg der Umsatz vom dritten Quartal 2016 auf das dritte Quartal 2017 um 47 Prozent auf 10,328 Milliarden Dollar; Analysten waren im Vorfeld von 9,831 Milliarden US-Dollar Umsatz ausgegangen. Außerdem stieg der Überschuss laut Eigenangabe des Unternehmens innerhalb eines Jahres um 80 Prozent von 2,6 Milliarden Dollar auf 4,7 Milliarden Dollar. Die Werbeerlöse – Facebooks größte Einnahmequelle – nahmen um 49 Prozent auf 10,1 Milliarden Dollar zu. Die Erlöse mit „Payments and other Fees“ – gemeint sind damit unter anderem die von Dritt­anbietern auf Facebook angebotenen Social Games – sanken indes von 195 Millionen US-Dollar im dritten Quartal 2016 auf 186 Millionen US-Dollar im dritten Quartal 2017. Auf mobilen Geräten werden inzwischen 88 Prozent der Werbeerlöse generiert, nach 84 Prozent im Vorjahr. In seiner Anfangszeit war Facebook noch wegen einer fehlenden Mobile-Strategie kritisiert worden.

Umsätze für einzelne Länder weist Facebook nicht aus, wohl aber die Umsatzverteilung für einzelne Märkte: Demnach ist der nordamerikanische Markt mit den USA und Kanada mit 5,033 Milliarden US-Dollar Umsatz und 4,912 Milliarden US-Dollar Werbeeinnahmen nach wie vor der wichtigste Markt für Facebook; darauf folgt Europa mit 2,481 Milliarden Dollar Umsatz und 2,434 Milliarden Dollar Werbeerlöse. Die Umsätze stiegen in Europa demnach im Vergleich zum Vorjahr um 10,6 Prozent, die Werbeerlöse um 10,18 Prozent.

Vorsicht bei Nutzerzahlen

Weltweit hat Facebook im vergangenen Quartal pro User 4,97 Dollar mit Werbung verdient; überdurchschnittlich hoch ist der Wert in Nordamerika (20,69 Dollar pro User) und in Europa, wo Facebook 6,72 Dollar pro User mit Werbung einnahm – nach 4,60 Dollar im dritten Quartal 2016. Die Zahl der täglich aktiven User konnte Facebook um 16 Prozent auf 1,37 Milliarden steigern, die Zahl der monatlich aktiven User – jene, die sich mindestens einmal pro Monat einloggen – um 16 Prozent auf 2,07 Milliarden. 

Versteckt in der Bilanz findet sich Medienberichten zufolge jedoch eine Tatsache, die von Facebook nicht aktiv kommuniziert wird: Das Unternehmen hat die Zahl der „unechten“ Accounts nach oben korrigieren müssen. Demnach sind rund zehn Prozent der monatlich aktiven User sogenannte „Duplicate Accounts“ – also Zweitaccounts bereits aktiver User oder Fake Accounts. Zuvor hatte Facebook diese Zahl mit sechs Prozent angegeben. Ebenfalls nach oben korrigiert wurde der Anteil offensichtlicher Fake Accounts: Bisher waren dies rund ein Prozent der Accounts, nun sind es zwei bis drei Prozent – in Summe sind somit rund 270 Millionen Monthly Active Users vermeintliche „unechte Accounts“.

Baustelle Politik

Wenig Konkurrenz spürt Facebook derzeit durch andere Marktteilnehmer, allen voran Snapchat – jene App, die vor einem Jahr noch als „Facebook-Killer“ gehandelt wurde, nun aber in seinen Funktionen von Facebook kopiert wurde, wodurch Snapchats Alleinstellungsmerkmale obsolet wurden. Zwar ist Snapchat laut einer Umfrage von Piper Jaffray im Herbst 2017 unter 47 Prozent der US-Teenager die beliebteste App, vor Instagram mit 24 Prozent und Facebook mit neun Prozent. 

Zugleich hat der Marktforscher eMarketer im Oktober aber die Prognose für das aktuelle Geschäftsjahr gesenkt: Ging man im März noch von 900 Millionen US-Dollar Werbeumsatz 2017 aus, so soll Snap nach aktuellem Stand nur 774,1 Millionen Dollar Umsatz machen. 

Gefährlicher ist für Facebook das politische Umfeld. So musste das Unternehmen eingestehen, dass während des US-Präsidentschaftswahlkampfes eine russische 

Agentur über 120 Millionen US-User mit politischen Anzeigen beeinflusste. Hinzu kommt die Enthüllung im Rahmen der „Paradise Papers“, laut der staatsnahe russische Unternehmen jahrelang auch finanziell an Facebook beteiligt waren. Diesseits des Atlantiks läuft beim deutschen Bundeskartellamt seit Frühjahr 2016 ein Verfahren wegen mutmaßlichen Missbrauchs marktbeherrschender Stellung, und deutsche Verbraucherschützer kämpfen gerichtlich gegen die Weitergabe von Facebook-Daten an andere Unternehmen. Facebooks CEO Mark Zuckerberg hatte bereits angekündigt, dass ihm der Schutz der Community und die Verhinderung von Missbrauch wichtig seien – und dass er bereit ist, dafür Gewinn und Profitabilität zu opfern.

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