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Ein Datum, viele Fragezeichen

© Ian Ehm

Die Datenschutz-Grundverordnung rollt mit Riesentempo auf uns zu und je näher der 25. Mai rückt, desto größer werden die Diskussionen. Wer sich bisher nicht mit dem Thema auseinandergesetzt hat, sollte es in Windeseile tun – die Auswirkungen, der Strafrahmen und die Sensibilitäten sind im Vorfeld nicht abzuschätzen. Leitartikel von Chefredakteurin Marlene Auer.

Dieser Leitartikel ist zuerst im Digitalmagazin UPDATE erschienen. Erhältlich im HUB-Abo.

Es geht um den Schutz persönlicher Daten, und das ist gut, richtig und ernst zu nehmen. Der Schutz der Privatsphäre kann gerade in digitalen Zeiten gar nicht oft genug betont werden. Insofern ist der Kraftakt zur Umsetzung der DSGVO zwar anstrengend, aber sinnvoll. Die Verordnung sorgt für einheitliche Regeln in der EU, und diese grenzt sich damit bewusst von Amerika und Asien ab. Die EPVO wird die nächste Herausforderung werden – in jüngsten Diskussionen zeichnete sich bereits ab, wie sehr sie wie ein Damoklesschwert über der Werbeindustrie hängt. Kritiker meinen, in ihrer derzeitigen Fassung würde sie das freie Internet abschaffen, Medienangebote könnten nicht mehr umgesetzt werden, weil Monetarisierungsstützen wegfallen, Werbespendings würden massiv einbrechen – in einem Sektor, der stark wächst, wo allerdings die Tarife bei zusätzlichem redaktionellem Aufwand und geringer Paid-Content-Bereitschaft der User im Vergleich zu klassischen Medien immer noch hinterherhinken. Ein Spagat, der sich durch eine EPVO in der aktuellen Form verschärfen würde.

Im Alleingang ist das für viele Unternehmen nicht zu schaffen. Es werden Datenallianzen geschmiedet, auf die Prioritätenlisten nationaler Regierungen gesetzt und zu bedeutenden Projekten auserkoren. Besser spät als nie. Die Aufmerksamkeit für das Thema ist berechtigt, es ist bereits fünf nach zwölf. Wenn nicht nachgebessert wird, droht eine Lösung, die den Interessen von Wirtschaft und Konsumenten zugleich widerspricht. Denn wo keine Finanzierung möglich, wird es auch keinen journalistischen Content geben können. Wo kein Content, da kein Angebot. Wo kein Angebot, da herrscht inhaltliche Leere. Bei aller (teils sehr berechtigten) Kritik an werbeüberfluteten Websites: Das kann wohl kein User wollen. Das Internet würde sich in Europa in ein unmoderiertes Forum ohne gesicherte Nachrichtenquellen verwandeln.

Es geht also um Transparenz. Um Aufklärung. Um Beruhigung. Die persönlichen Daten sollen geschützt und den Usern die Unsicherheit genommen werden. Zugleich braucht es aber auch Verständnis seitens der Gesetzgeber, die wirtschaftlichen Interessen und Bedenken der Branche zu hören und zu verstehen. Wichtig ist, dass die Richtigen adressiert und in die Pflicht genommen werden – vor allem große soziale Plattformen aus den USA.

Und es braucht Offenheit für neue Datenallianzen, wie sie in sämtlichen Ländern bereits angestrebt werden. Es geht um übergreifende Registrierungs- und Anmeldeverfahren – die EPVO war Anlass für derartige Kooperationen.

Zuerst aber kommt nun einmal die DSGVO – und hierfür wird hinter den Kulissen schon eifrig vorbereitet. Während manche Unternehmen bereits viele Dutzend individuelle Einzelverträge aufsetzen, beschäftigen sich andere mit Einwilligungserklärungen und dem Schaffen eigener Positionen für Datenschutzmanager. In unserer Coverstory haben wir viele Beispiele mit den Aktivitäten der Branche dazu zusammengetragen.

Im Namen der Redaktion wünsche ich viel Vergnügen und neue Horizonte mit der Lektüre der aktuellen Ausgabe.

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